BUND Regionalverband Stuttgart

Umweltverband fordert Interimslösung für die Gäubahn und S21-Ergänzungsbahnhof

24. September 2020

BUND-Kommentar zu Schienenknoten-Beschluss der Regionalversammlung des Verbands Region Stuttgart am 23.09.2020

Chance vertan: Wegducken uns schönreden ersetzen kein zukunftsfähiges Schienenkonzept für den Bahnknoten Stuttgart

Scharf kritisiert der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) den gestrigen Mehrheitsbeschluss der Regionalversammlung zur Weiterentwicklung des Schienenknoten Stuttgart (Sitzungsvorlage Nr.  023/2020). Nur die Fraktionen der Grünen und der Linken stimmten erfreulicherweise dagegen.

„Wieder wurde eine Chance vertan. Mit der Ablehnung einer Interimslösung während der bauzeitbedingten Unterbrechung der Gäubahn und der Ablehnung eines Ergänzungsbahnhofes ducken sich CDU, SPD, Freie Wähler, FDP und AFD vor den künftigen Herausforderungen und verabschiedet sich von einem wirklich zukunftsfähigen klimaschonenden Mobilitätskonzept für die Metropolregion Stuttgart“, erklären Gerhard Pfeifer, Regionalgeschäftsführer des BUND und Klaus-Peter Gussfeld, Verkehrsreferent des BUND-Landesverbands. „Mit dem Bekenntnis zu einem neuen Gäubahntunnel ist absehbar, dass zwischen der geplanten Inbetriebnahme des S21-Tiefbahnhofs Ende 2025 und der Fertigstellung der neuen Gäubahnführung über die Fildern mindestens eine Zeitspanne von fünf bis zehn Jahren liegen wird“, prognostiziert Pfeifer. Die Gäubahnnutzer*innen werden während der Streckenunterbrechung in Stuttgart-Vaihingen oder am Nordbahnhof umsteigen müssen.

Entwicklung des Rosensteinquartiers und der Erhalt der Gäubahn schließen sich nicht aus

„Völlig inakzeptabel ist daher der Verzicht auf den teilweisen Erhalt von oberirdischen Gleisanlagen im heutigen Kopfbahnhof als Interimslösung bis zur Fertigstellung der Gäubahnführung über den Flughafen. Die Gäubahn muss dauerhaft und ohne Unterbrechung zum Stuttgarter Hauptbahnhof fahren“, fordert Pfeifer. Der BUND und andere Umweltverbände hatten im Januar 2020 ein kostengünstiges Baukonzept für eine solche Interimslösung vorgeschlagen. Selbst Experten der DB-Projektgesellschaft hatten attestiert, dass das Konzept technisch problemlos umsetzbar sei. „Die Blockierer sitzen in der Regionalversammlung sowie im Stuttgarter Rathaus und im Gemeinderat. Sie ignorieren beharrlich, dass die Entwicklung des Rosensteinquartiers und der Erhalt der Gäubahn kein Widerspruch sein müssen“, so die BUND-Vertreter. Die Erfordernisse des Städtebaus im Rosensteinquartier schließen eine oberirdische Interimslösung nicht aus. Zum einen muss das Planungsrecht für den Rückbau der Gleisflächen und des neuen Stadtteiles in einem noch viele Jahre dauernden Prozess erst noch geschaffen werden und dann wird das Rosensteinquartier auch nur schrittweise gebaut werden können. Zum anderen besteht dann auch die Möglichkeit, dass der Städtebau auch Rücksicht auf mögliche unterirdische Ausbauoptionen nehmen kann.

Desaster bis zum Bodensee

Eine fünf bis zehnjährige Unterbrechung der Gäubahn ohne direkte Einführung in den Hauptbahnhof ist ein Desaster für den Schienenverkehr, nicht nur für die Region Stuttgart, sondern auch für die südlichen Landesteile bis zum Bodensee und die angrenzende Schweiz. Der neue Umsteigebahnhof Stuttgart-Vaihingen oder der Bau eines Haltepunktes am Nordbahnhof sind nichts anderes als ein „Trostpflästerchen“ und ändern nichts Grundsätzliches an den fatalen Nachteilen für die täglich 8.000 Reisenden, welche die Gäubahn nutzen. „Die notwendige Verkehrswende zum Klimaschutz mit deutlich weniger Autoverkehr rückt bei einer langjährigen Unterbrechung der Gäubahn in weite Ferne. Mühsame Umsteigevorgänge in überfüllte S- oder Stadtbahnen, deutlich längere Fahrzeiten für Reisende, die am Hauptbahnhof umsteigen müssen, sind kein Anreiz, auf die Bahn umzusteigen. Sie sind vielmehr eine Einladung, vermehrt das Auto zu benutzen“, so Klaus-Peter Gussfeld.

 

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