BUND Regionalverband Stuttgart

07.2021:„Aus Flutkatastrophe nichts gelernt“

18. August 2021 | Wildkatze Ludwigsburg, Kreisverband Ludwigsburg

Gewerbegebiet Benzäcker bei Mundelsheim ist Planung von vorgestern

Ludwigsburg. „Eine Planung von vorgestern!“, nennt der Kreisverband des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) das Vorhaben, auf Mundelsheimer Gemarkung nahe der Autobahn ein 20 Hektar großes Gewerbegebiet auszuweisen. Der Verband Region Stuttgart müsse in seiner Sitzung am 28. Juli den Antrag, den Grünzug dort für das Gewerbegebiet aufzuheben, zwingend ablehnen, da das Vorhaben weder den Zielen des Landes noch dem neuen Klimaschutzgesetz des Bundes entspreche.

Alle Welt rede angesichts der Flutkatastrophe über die Folgen der Klimakrise und über Flächenversiegelung, betont der BUND-Kreisvorsitzende Stefan Flaig. „Und was machen Mundelsheim und die umliegenden Kommunen? Sie planen ein großes Gewerbegebiet an der Autobahn, das durch mehr Straßenverkehr den Klimaschutz ad absurdum führt und oberhalb der Ortschaft in erheblichem Umfang Freiflächen versiegelt.“

Dabei gibt das neue Bundesklimaschutzgesetz vor, dass auch der Verkehrssektor seine CO2-Emissionen schon bis 2030 deutlich reduzieren muss. Das geplante Gewerbegebiet werde den Verkehr nicht reduzieren, sondern erheblich verstärken, ist Flaig überzeugt. Gleichzeitig setzt sich die neue Landesregierung laut Koalitionsvertrag für das Ziel „Netto-Null“ Flächenverbrauch und für den Erhalt der Biodiversität ein.

Das noch junge Biodiversitätsstärkungsgesetz des Landes verpflichtet unter anderem die Kommunen, dass auf 15 Prozent der offenen Landesfläche ein Biotopverbund hergestellt werden muss. „Wie soll das erreicht werden, wenn nicht nur bei Mundelsheim, sondern überall weitere Wohn- und Gewerbegebiete aus dem Boden sprießen?“, fragt sich Dr. Andrea Lehning, BUND-Bezirksverbandsvorsitzende Marbach-Bottwartal.

Außerdem verlaufe laut Lehning gerade an dieser Stelle der Generalwildwegeplan des Landes, und auch der projektierte Wildkatzenkorridor führe hier über und unter der Autobahn durch. „Die weitere Verengung des Grünzugs und damit Störungen für wandernde Wildtiere sind nicht hinnehmbar“, betont Lehning die Bedeutung dieser Freiflächen.

Klimaschutz und Biodiversität würden offenbar keine Rolle mehr spielen, wenn es um die erhoffte Gewerbesteuer gehe. Ein autobahnnahes Gewerbegebiet sei eine Planung von vorgestern, da es weiter auf stetiges Wachstum, erhöhten Ressourcenverbrauch und Transport auf der Straße abziele. „Da rechnen etliche Leute offenbar mit ewig andauerndem Wachstum und munter sprudelnden Geldquellen“, meint Stefan Flaig, Vorsitzender des über 5000 Mitglieder zählenden BUND-Kreisverbandes. „Wenn sie sich da mal nicht kolossal verrechnen!“

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