Hoffnungsschimmer für die Ressource Boden?

Bericht eines BUND-Aktiven aus Stuttgart von der Global Soil Week in Berlin (18.-22.11.2012)
Das Thema Boden rückt in den Mittelpunkt des Interesses. Da waren sich die fast dreihundert Fachleute aus Wissenschaft und Politik aus aller Welt einig, die Ende November nach Berlin reisten, um Strategien des Bodenschutzes zu besprechen. Land Grabbing (Landnahme), industrielle Landwirtschaft, die Konkurrenz zwischen Tank und Topf, katastrophale Erosion und nicht zuletzt der Klimawandel haben dazu beigetragen, dass Boden auch von Politikern als bedrohte Ressource wahrgenommen wird.


Kurz vor der Klimakonferenz in Doha hat noch so mancher Unterhändler in Berlin erfahren, dass im Boden mehr CO2 gespeichert ist, als in Vegetation und in Atmosphäre. Klaus Töpfer erkennt im Umgang mit dem Boden den Schlüssel zum Erreichen einer Nachhaltigkeit, die unser Überleben sichert. Töpfer ist Exekutivdirektor des Potsdamer Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS) , das die Global Soil Week veranstaltete. Bei der international besetzten Konferenz wurden rasch die wahren Bodenschützer ausgemacht. So berichtete der FAO-Repräsentant Yaya Adison Olaitan Olaniran aus Nigeria von Kleinbauern, die Ackerbau im Einklang mit dem Boden praktizieren. Diese Bodenschützer verfügen jedoch über keine Landrechte und so ist die sorgsam behandelte Lebensrundlage der Kleinbauern von der Ausbreitung industrieller Landwirtschaft bedroht. Vielfach nimmt die auf rasche Gewinne abzielende industrielle Landwirtschat keine Rücksicht auf die Erosionsgefahr. So ist die Bodenfruchtbarkeit in Gefahr und zukünftigen Generationen droht ein Desaster. Der frühere Chefökonom der Weltbank Nikolas Stern beziffert die Kosten von Erosion, unabhängig davon wie und von wem sie ausgelöst wurde, auf 70 Dollar pro Kopf und Jahr für jeden der demnächst 9 Milliarden Menschen.
Trotz dieser schier unlösbaren landwirtschaftlichen Probleme sieht Klaus Töpfer nicht die ländlichen Gebiete, sondern die Stadtgebiete als Brennpunkt. Dort wird nach seiner Auffassung entschieden, ob der Kampf für die Nachhaltigkeit noch zu gewinnen ist. Leben doch seit einiger Zeit mehr Menschen in Städten, als auf dem Land, bei steigender Tendenz. So nahm allein in den letzten 10 Jahren die statistisch erfasste Bevölkerung in Indiens Städten um etwa 10% zu. Beängstigendes wird für China gemeldet. Nach Berechnungen von McDonough würden die gesamten Böden und die gesamte Kohle Chinas in den nächsten 12 Jahren verbraucht, wenn die neuen Häuser für 400 Millionen Menschen aus Backsteinen gebaut würden. Das Ergebnis wären Städte, in denen es nichts zu Essen gäbe und keine Energie genutzt werden könnte. Vor diesem Horrorszenario wurde auf der Global Soil Week die Forderung erhoben, dass sich die Stadt vom Parasiten seines Umlands zum Ökosystem wandeln muss, das sich an seinem Ressourcenverbrauch orientiert. Eine Veränderung, die nicht weniger als die vollständige Umorganisation der urbanen Systeme bedeutet. Dabei wird es für die Städter nicht damit getan sein, etwas weniger zu verbrauchen! In Arbeitsgruppen zur Zukunft der Städte wurde dementsprechend immer wieder das Thema Urban Gardening (Stadtgärtnern) angesprochen, um damit dem Ziel geschlossener Stoffkreisläufe näher zu kommen.


Soll an dieser Stelle der Bogen zu aktuellen Entwicklungen in Südwestdeutschland und im Speziellen zur Stadt Stuttgart geschlagen werden, ergibt sich ein spannendes Bild. So verfügt Stuttgart über ein ausgeklügeltes Bodenschutzkonzept, hat aber in jüngster Vergangenheit mit der Vernichtung bester Böden beim Bau der neuen Messe trotz bodenschonender Alternativen das Gegenteil von Bodenschutz praktiziert. Aktuell bedroht der Bahnhofsbau genau die Böden, die die wichtigsten für das Stadtklima sind. Damit begibt sich Stuttgart zwar nicht auf die Stufe eines unkontrolliert wachsenden Kalkuttas, aber der dringende Nachholbedarf für den Bodenschutz in der Stadt ist unverkennbar.



Mitglied werden

Spenden Sie an den BUND Regionalverband

IBAN:

DE09 6009 0700 0618 0520 03

BIC: SWBSDESS

 

Hinweis: Ihre Spende ist steuerabzugsfähig. Wir senden Ihnen gerne eine Spendenbescheinigung zu. Bitte vollständige Adresse auf der Überweisung angeben.

 

BUND Regionalverband Stuttgart

 

E-Mail:

bund.rv-stuttgart@bund.net

Rotebühlstr. 86/1
70178 Stuttgart

Tel.: 0711/61970-41

Der BUND ist eine anerkannte Natur-, und Umweltschutzvereinigung nach UmwRG und NatSchG Baden-Württemberg.

Suche