29. Januar 2016

Wohnbauflächen satt - auch ohne „Grüne Wiesen“

BUND fordert mehr Wohnungsflächen aus Misch- und Gewerbegebieten zu entwickeln

Wohnbauflächen satt - auch ohne „Grüne Wiesen“ - mit dieser Feststellung könnte man die mittlerweile dritte Fortschreibung des Nachhaltigen Bauflächenmanagements Stuttgart (NBS) im Lagebericht 2015 versehen, gibt der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Regionalverband Stuttgart, zu bedenken.

Die Analyse des jüngst veröffentlichten Papiers aus der Stadtverwaltung fällt dabei gewohnt erfreulich aus. Die Bauflächenpotenziale – ausdrücklich nicht mit baureifen Grundstücken gleichzusetzen – wachsen weiter. Die Rekordsumme von 565 Hektar (ha) Innenentwicklungsflächen für die Bereiche Wohnen und Gewerbe wartet auf ihre mehr oder minder baldige Entwicklung.

„Der BUND ist von daher verwundert über die mit äußerster Hartnäckigkeit geführte Diskussion zum Thema Flächenverfügbarkeit im Wohnungsbau in der Landeshauptstadt zu Lasten von Freiflächen“, konstatiert BUND Regionalgeschäftsführer Gerhard Pfeifer.

Pfeifer weiter: „Freilich, längst nicht alle im NBS aufgeführten Grundstücke sind im städtischen Besitz, schnell zu entwickeln oder am geeigneten Standort. Trotzdem, unter Berücksichtigung aller Entwicklungshemmnisse, bleiben immer noch Handlungsspielräume, die die Forderung nach Frischlandbebauung als haltlos dastehen lässt.“

Angesichts des Geschreis um fehlende Wohnbauflächen, sollte nach Ansicht des BUND besser an der Hauptstellschraube, dem Wohnanteil bei Mischflächen, gedreht werden. Bisher sind hier 50 % für Wohnungen angesetzt. Nach Meinung des BUND wäre eine Vorgabe von 75 % angemessen. Von insgesamt 117 ha Mischflächen stünden dann plötzlich knapp 90 ha für den Wohnungsbau zur Verfügung. Ein Plus von rund 25 ha. Auf ähnliche Weise kann moderat der Wohnungsanteil bei den Mischflächen mit Vorrang für Verwaltungsbauten statt bisher von 20 % auf 30 % Wohnanteil angehoben werden. Auch muss es möglich sein angesichts satter 230 ha Gewerbeflächen über Widmungsänderungen nachzudenken. Gelingt es bei den kurzfristig verfügbaren Gewerbeflächen 15 % zukünftig einer Wohnnutzung zuzuschreiben, gewinnt die Stadt um die 13 ha Wohnbauareale zusätzlich. Ebenfalls zusätzlich sollte noch ein Drittel der schnell verfügbaren Baulücken - wir sprechen hier von über 25 ha Bauland - aus ihrem Dornröschenschlaf geholt werden.

Pfeifer fasst zusammen: „Werden die vom BUND vorgeschlagenen zusätzlichen Flächenpotenziale  aufsummiert, sind weit über 50 ha Wohnbauflächen auf dem Markt. Mit der gebotenen Baudichte von 100 Wohneinheiten pro Hektar – welche mindestens 200 Personen pro Hektar entsprechen - finden 15.000 Menschen kurzfristig ein neues Zuhause. Zur Erinnerung: 4000 Menschen stehen in der Notfallkartei. Außer Frage steht, dass diese Rechnung nur dann aufgeht, wenn auch das Personal in der Verwaltung zur Umsetzung vorhanden ist.“

Insgesamt gewinnt der BUND den Eindruck, dass die Verwaltung das Instrument NBS sorgfältig weiterentwickelt hat. An vielen Ecken wird mit Zusatzprogrammen, Stichwort Flächenentwicklungsmanagement (FEM), versucht, Flächensparen in die richtige Richtung und zügiger voranzutreiben.

 

Jürgen Merks, Referent beim BUND Regionalverband Stuttgart widerspricht der Behauptung  Bauen auf der „Grünen Wiese“ passiere schneller und durchlaufe unkomplizierter die Instanzen: „Schon wegen fehlenden Ausgleichsflächen in Stuttgart ist dieser These längst der Zahn gezogen. Auch die schon über ein Jahrzehnt immer noch andauernde Hängepartie um das Neubaugebiet Langenäcker-Wiesert in Stammheim spricht hier Bände, was den Umsetzungszeitraum angeht.“

Die einfallslosen Forderungen nach Bauen auf der „Grünen Wiese“ finden auch in der Angebotsplanung ihren Widerhall. Während anderorts, wie in Tübingen, Konversionsflächen konsequent für hunderte  Baugemeinschaften mit hohen Wohndichten erfolgreich und flächensparend vermarktet wurden, verebbt in Stuttgart die Diskussion darüber von bestimmten Seiten, weil diese nur die klassischen Einfamilienhausgebiete auf dem Schirm haben.

 

Unverständlich bleibt für den BUND auch das permanente Hochstilisieren der Brachflächen von Stuttgart 21 als den wohnungspolitischen Befreiungsschlag. In Anbetracht des extrem schleppenden Baufortschrittes des Großprojektes und der immer noch offenen Frage, ob oberirdische Gleisflächen auch noch in der Zukunft benötigt werden, ist eine städtebauliche Entwicklung dort noch in weiter Ferne.

„Wäre das Konzept K21 weiter verfolgt worden, könnte man wohl schon heute anstelle von monströser S21-Baulogistik auf bereits gebaute Wohnungen auf einer Fläche von enormen 20 Hektar am Nordbahnhof blicken“, bemerkt Merks.

 

Rückfragen an:

Gerhard Pfeifer, 0711/61970-40
Jürgen Merks, 0711/61970-42




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