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BUND Regionalverband Stuttgart

Ein vielfältiger Rundgang

Der Bietigheimer Baumlehrpfad liegt im schönen Bietigheimer Enztal. Es ist ein interessanter Rundgang mit einer Länge von ca. drei Kilometern. Er bietet eine große Bandbreite an Baumarten: Neben teils exotisch anmutenden Arten wie Chinesischer Blauglockenbaum oder Adriatische Flaum-Eiche existieren auch heimische Gehölze wie Sommerlinde, Feldahorn oder Rotbuche.

Initiiert wurde er im Jahr 1989 von dem verstorbenen Gründungsmitglied der BUND-Ortsgruppe Bietigheim-Bissingen, Dr. Hans Halla, anlässlich der damals in Bietigheim stattfindenden Landesgartenschau. 

Derzeit steht eine Inventur des Lehrpfades an. Der Bestand muss auf Grund von Baumfällungen erfasst, aktualisiert und ergänzt werden. Auch die Wegführung wird sich deshalb ändern.  

Ihr Ansprechpartner

Wolfgang Huber


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Der Lehrpfad im Überblick

Karte des Baumlehrpfades.

Auf der nicht mehr ganz aktuellen Karte sind die Bäume mittels Nummern verzeichnet. Der Pfad beginnt rechts unten. Dieser Punkt liegt direkt am Bahnhof Bietigheim-Bissingen, wo sich auch der Zentrale Omnibus Bahnhof befindet. Ebenfalls an dieser Stelle endet der Pfad auch wieder.

Wenn Sie der Nummerierung folgen, halten Sie sich zu Beginn zunächst links, um dann über eine Treppe auf die Wobachstraße zu gelangen. Dieser folgen Sie am rechten Enzufer entlang unter dem Viadukt hindurch bis in die Altstadt Bietigheims.

Über die Kronenbergstraße überqueren Sie die Enz und kehren auf der anderen Uferseite zurück bis zur Wobachbrücke. Nach abermaliger Überquerung der Enz gelangen Sie wieder auf die Wobachstraße, der Sie nun aufwärts folgen, um schließlich wieder am Ausgangspunkt anzukommen. Viel Vergnügen!

Lebendige Wälder

Die Broschüre informiert darüber, was ein lebendiger Wald benötigt, aber auch, welchen Gefahren er ausgesetzt ist. Außerdem stellt der BUND sein Engagement für den Wald vor und gibt Tipps, was Sie tun können.

Hier können Sie die Broschüre herunterladen.

Beschreibung der vorkommenden Baumarten

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1. Amerikanischer Tulpenbaum (Liriodendron tulipifera L. Magnoliaceae)

Gattung: Familie Magnoliengewächse
Vorkommen:
Kanada: Ontario; USA: Nordosten, nördliche Präriestaaten Ost, Südosten, Florida


Bis vor zwei Millionen Jahren gab es den Tulpenbaum auch in Europa. Da er zu den relativ einfach gebauten Blütenpflanzen (Magnoliaceae) gehört, ist er stammesgeschichtlich sehr alt und schon in der Kreidezeit (vor 145 Millionen Jahren) durch Fossilienfunde nachgewiesen. Er verschwand aber schon vor dem Pleistozän unter eiszeitlichen Bedingungen aus Europa.
Die einzigen beiden Arten dieser Gattung (Liriodendron chinense und Liriodendron tulipifera) stellen überlebende Elemente der voreiszeitlichen Flora Chinas und Nordamerikas dar. Der Amerikanische Tulpenbaum Liriodendron tulipifera (»Tulpen tragender Lilienbaum«) wurde Mitte des 17. Jahrhunderts nach England, Ende des 17. Jahrhunderts auch nach Deutschland als dekorativer Parkbaum eingeführt.

Die Blätter sind ca. 10–15 cm lang und fast ebenso breit. Die Oberseite der Blätter glänzt in einem kräftigen Grün, während die Unterseite wachsartig und heller gefärbt ist. Im Herbst verfärben sie sich goldgelb. Die Blattform ist ungewöhnlich an der Spitze ahornähnlich geschweift, am Blattstiel abgerundet.

Die becherförmigen Blüten stehen an den Zweigenden und öffnen ihre drei grünlichen Kelchblätter und sechs grün-gelb-orangefarbigen Kronblätter wie eine Tulpe. Kelchblätter, Kronblätter, die kolbenartig geformten Fruchtblätter und die ca. 4 cm langen, dickfleischigen Staubblätter sind spindelförmig angeordnet.
Die Zugehörigkeit zur Pflanzenfamilie der Magnolien wird hier deutlich. Auch die braunen, zapfenartigen Formen der reifen Früchte ähneln den Früchten der Magnolien. Sie werden bis 8 cm lang und bleiben während der Wintermonate aufrecht am Ast stehen.

Obwohl der Amerikanische Tulpenbaum in den Appalachen meist erst nach dem 25. Jahr Blüten zeigt, sind die hier am Baumlehrpfad (Nr.1) stehenden relativ jungen Exemplare schon soweit. Vermutlich eine Folge des milden Klimas im Neckarland.

2. Chinesischer Blauglockenbaum (Paulownia tomentosa) (Thunb. Ex Murray) Steud.

Gattung: Familie Rachenblütler Paulownia tomentosa (Thunb. Ex Murray)
Vorkommen:
China, eingebürgert: O-USA, Schweiz, Italien


Die russische Prinzessin Anna Pawlowna (1795–1865) war die Tochter des Zaren Paul I. Nach ihr ist der Blauglockenbaum benannt. Es ist ein beliebter Parkbaum in wärmeren Regionen Mitteleuropas mit wintermildem Weinbauklima.

Raschwüchsig in der Jugend bildet dieser einzige als Baum ausgebildete Vertreter der Braunwurzgewächse (Fingerhut, Löwenmäulchen) im zweiten Jahr bis 2,5 m lange und ca. 4 cm starke Triebe aus, die hohl sind und leicht abknicken. Die Rinde des Baumes ist zunächst braun, dann grau. Die herzförmig geformten Blätter können bis über 40 cm lang werden. Die Knospen sind filzig behaart (lat.: tomentosa = filzig).

Das Besondere sind die hellblauen, duftenden Blüten, die im April/Mai vor den Blättern erscheinen und den Blauglockenbaum in dieser Jahreszeit zu einem dekorativen Blickfang machen. Die ganze Baumkrone treibt dann ca. 45 cm lange rispenartig verzweigte Blütenstände mit je ca. 15 Einzelblüten, die den Kronröhren des Fingerhuts ähneln.  

4. Zucker-Ahorn (Acer saccharinum Marshall)

Gattung: Familie der Ahorngewächse
Vorkommen: Kanada: Osten; USA: Norosten, nördliche Präriestaaten Ost, Südosten, südliche Präriestaaten


Die Heimat dieses bis 40 m hohen Baumes ist der Osten von Kanada und der Vereinigten Staaten. Sein handförmig gelapptes Blatt bildet das Wappen von Kanada und zeigt damit die Bedeutung dieses Baumes für die dortigen Menschen. Dabei geht es vor allem um die Ahornzuckerproduktion. Diese beruht auf der Mobilisierung der im Stamm während der sommerlichen Vegetationsperiode gespeicherten Assimilate.

Ab Februar des darauffolgenden Jahres setzt das Steigen des Saftes ein, wenn die gespeicherte Stärke in Zucker zurückverwandelt und über die Leitbahnen zu den anschwellenden Knospen transportiert wird.
Der Saft wird gewonnen, indem man etwa in Brusthöhe über dem Boden die Bäume an zwei oder drei Stellen fünf bis 8 cm tief anbohrt und Röhrchen in die Bohrungen einführt, durch die der austretende Saft in aufgestellte Gefäße abtropft. Je Zapfstelle können von Mitte Februar bis Ende März, wenn die Knospen sich öffnen, etwa 20–70 Liter gesammelt werden.
Das Sammelgut, welches 3–8% Zucker enthält, wird dann über Holzfeuer oder in modernen Anlagen bis auf 34% Wassergehalt eingedickt. Zur Herstellung von Ahornzucker setzt man das Eindampfen bis zur Kristallisation fort.
Ein kanadischer Kollege, der mir vor einigen Jahren eine Flasche Ahornsirup mitbrachte, erzählte, dass in seiner Heimat Waffeln mit Ahornsirup bestrichen sehr beliebt sind. Im übrigen stehe in Kanada Ahornsirup neben Pfeffer und Salz auf jedem Esstisch.

Zuckerahornstämme mit besonders viel schlafenden Augen liefern das für Dekorationszwecke hochgeschätzte »Vogelaugenahornholz« bzw. -furnier. Die ausgesuchten Stämme werden im Gegensatz zu unseren hochwertigen Eichen rund geschält (Schälfurnier). Dabei schneidet man bei jeder Drehung des Stammes immer wieder die von Wucherungen umgebenen vielen kleinen Stiftästchen der schlafenden Knospen an.
Diese quergeschnittenen, etwas dunkler gefärbten Ästchen in dem hellen Holz mit maserigem Faserverlauf haben bei etwas Fantasie ein Aussehen wie Vogelaugen. International hat sich daher für diese wunderschöne Spielart der Natur der Begriff »Vogelaugenahorntextur« eingebürgert.  

5. Weißer Maulbeerbaum (Morus alba L.)

Gattung: Familie Maulbeergewächse
Vorkommen: China, eingebürgert: Spanien Österreich, Balkanhalbinsel, östl. Mitteleuropa, Türkei, O-USA


Die Heimat ist der Norden und das Zentrum von China. Von dort wurde sie als Vorbedingung der Seidenraupenzucht über die ganze zivilisierte Welt mehr oder weniger erfolgreich verbreitet. In China und Japan wird dieser Baum seit Jahrtausenden zur Seidenraupenzucht kultiviert.

Anbauversuche größeren Stils, wie sie in Deutschland seit Jahrhunderten unter der Protektion großer und kleiner Herrscherhäuser gemacht wurden, sind immer wieder fehlgeschlagen. Im Dritten Reich wurden die Versuche aus wehrwirtschaftlichen Gründen (Fallschirme) erneuert. Es gab damals sogar eine Reichsfachgruppe Seidenbauer.

Man hatte inzwischen gelernt, das Ausschlüpfen der Seidenraupen aus den Eiern im Frühjahr so lange zurückzuhalten – bei einer Temperatur um 2° Celsius – bis der Raupenzüchter über das erforderliche Maulbeerfutterlaub verfügte. Bei einer Bestockung von zum Beispiel einem Viertel Hektar mit Maulbeerbäumen konnte man jährlich etwa 70.000 Raupen heranwachsen und sich einspinnen lassen. Eine Raupe des asiatischen Seiden- oder Maulbeerspinners spinnt aus einem einzigen, etwa 2000 m langen gelben Faden einen Kokon (feste Hülle) welcher das Rohmaterial der Naturseidenindustrie ist.

Für die Seidenraupenzucht werden die Blätter der weißen Maulbeere etwa vom fünften Jahr des Stammes in einem kopfhauartigen Betrieb genutzt. Die Nachzucht erfolgt vielfach über Stecklinge, die sich leicht bewurzeln.
Die weiblichen Blütenblätter werden saftig und weiß und bilden eine brombeerähnliche, essbare Sammelfrucht.

Die einzelnen Früchte des Fruchtstandes sind Nüsse, um welche der fleischig gewordene Blütenkelch herumgewachsen ist. Die weiße, leicht violett oder rosa gefärbte Frucht des weißen Maulbeerbaumes ist allerdings von fadem Geschmack.
Das Holz dient bevorzugt zur Herstellung von Hockeyschlägern.  

6. Echte Mispel (Mespilus germanica L.)

Gattung: Familie der Rosengewächse
Vorkommen: Europa: Apenninenhalbinsel, Balkanhalbinsel, Krim; Türkei, Kaukasus, N-Iran, Mittelasien. Eingebürgert: Britische Inseln, Frankreich, Mitteleuropa, Apenninenhalbinsel, östl. Mitteleuropa


Ein auch bei uns zuweilen kultivierter bis 5 Meter hoher Baum aus Kleinasien.
Die Blüten sind weiß und groß. Während der Fruchtbildung kann man – wie bei den Rosen – deutlich erkennen, wie sich der Blütenbecher hinter den Blütenblättern verdickt.

Die Früchte tragen noch die fünf blattartigen Kelchblätter. Die birnenförmigen Mispelfrüchte sehen aus wie große, etwa 3 cm dicke, braune Hagebutten. Sie sind zwar holzig und stark tanninhaltig, aber essbar – allerdings erst, wenn sie nach Frosteinwirkung teigig geworden und in Edelfäule übergegangen sind. Man verwendet sie zum Einmachen, als Mus und zu Obstwein. 

7. Echte Quitte (Cydonia oblonga Mill.)

Gattung: Familie der Rosengewächse
Vorkommen: Kaukasus, N-Iran. Eingebürgert: Europa ohne Britische Inseln; Türkei, Syrien, Arabien, Mittelasien, Afghanistan, Pakistan, N-Afrika


Die Echte Quitte ist die einzige Art der Gattung Cydonia. Andere Arten, die früher ebenfalls der Gattung Cydonia angehörten, wurden in die Gattung Chaenomeles überführt.

Sie ist ein kleiner, sommergrüner, dicht verzweigter, dornenloser Baum, der maximal nur bis zu 8 m Höhe erreichen kann und eher in die Breite wächst. Am besten gedeiht die Quitte auf tiefgründigem, gut durchfeuchtetem Lehmboden und bevorzugt warme, geschützte Lagen.

Die Blüten sind blassrosa und befinden sich end- und einzelständig an kurzen belaubten Trieben. Sie haben ausgebreitet einen Durchmesser von drei bis maximal 5 cm mit zahlreichen Staubblättern.

Die kennzeichnende, gewöhnlich birnenförmige, goldgelbe Frucht hat einen Durchmesser von 6–10 cm und ist von einem pelzigen Flaum überzogen. In jeder ihrer fünf Fruchtkammern beherbergt sie zahlreiche Samen im Gegensatz zu Äpfeln oder Birnen, die nur zwei Samen je Kammer aufweisen. Die Quitten-Früchte verbreiten einen sehr angenehmen, aromatischen Duft.

Die elliptisch bis eiförmigen, kräftig grünen Blätter sind wechselständig, 6–10 cm lang und ganzrandig (nicht gezahnt). Auf der Unterseite wollig/pelzig und deshalb dort blasser wirkend. Außerdem gibt es oft pelzig behaarte Nebenblätter.

Die Quitten-Frucht, die erst im späten Oktober geerntet wird und noch eine gewisse Zeit wohlduftend im Keller liegen bleiben kann, schmeckt roh unangenehm, wird aber als Quittensaft, Quittengelee und Quittenbrot verarbeitet von vielen wegen des zarten, besonderen Geschmacks geschätzt. Die schleimüberzogenen Samen enthalten Gerbstoffe, die in der Kosmetikindustrie verwendet werden. Ein Tee aus den Quittensamen bereitet gilt als Heilmittel. 

8. Holz-Apfel, Wild-Apfel (Malus sylvestris (L.) Mill. Rosaceae

Gattung: Familie der Rosengewächse
Vorkommen: Europa, Türkei, Kaukasus, N-Iran


Die Frucht des Apfelbaumes ist das älteste heimische Obst auf deutschem Boden und lässt sich in Europa bis in die Jungsteinzeit, etwa 2500 v. Chr., zurückverfolgen.

Wie Funde aus Pfahlbauten in Oberschwaben zeigen, wurde der Apfel schon in vorgeschichtlicher Zeit gesammelt. Durch Auslese und Züchtung entstanden aus den kleinen Wildäpfeln unsere heutigen großen und wohlschmeckenden Früchte. Die Römer konnten somit den Germanen mit ihren Äpfeln keine Neuheit bringen.

Der Holzapfel spielte in der Küche des Mittelalters eine große Rolle als Lieferant einer sauren Essenz, mit der man Salate würzte und Speisen konservierte (Fleisch und Wild in Essig eingelegt/Sauerbraten). Seltsam, dass man damals, als es noch keine Flaschen gab und sehr viel Wein in Fässern verdarb, überhaupt einen Essigersatz brauchte, aber in Kochbüchern des 16. Jahrhunderts wurde sehr viel mit Holzäpfeln gesäuert. Heute ist der Obstessig, aus ganzen Äpfeln hergestellt, wohl wegen seines guten Geschmackes, wieder im Kommen.

Die Kugelgestalt des Apfels wird unter anderem in der christlichen Symbolik auch als Sinnbild der Erde verstanden, seiner schönen Farbe und Süßigkeit entsprechend, als Symbol der Verlockungen dieser Welt. Der Apfel ist daher auch häufig Sinnbild des ersten Sündenfalles. Ein Apfel in der Hand Christi symbolisiert mit Bezug darauf die Erlösung von der durch den Sündenfall entstandenen Erbsünde.
In meiner Familie ist es üblich, dass man den Weihnachtsbaum mit kleinen roten Äpfeln schmückt. Erst in späteren Jahren wurde mir dann bewusst, dass es sich hier um ein Symbol der durch Christus erwirkten Rückkehr der Menschen in das Paradies handelt. Im selben Sinne ist wohl auch der Apfel als Attribut Marias zu verstehen.
Der Reichsapfel, das Sinnbild der Erdkugel, ist ein Symbol der Weltherrschaft. Bei christlichen Herrschern ist der Apfel dann meist noch mit dem Kreuz gekrönt. Kaiser Karl der Große war ein Förderer des Obstbaues. Er empfahl das seit ältesten Zeiten bekannte und in meinem Elternhaus noch vielfach angewendete Dörren des Obstes. Er empfahl weiter, dass jedes junge Ehepaar sechs Obstbäume pflanzen solle.

Herzog Karl Eugen von Württemberg hat sich ebenfalls mit großer Leidenschaft dem Obstbau angenommen. Seine Wegeordnung von 1772 hat unsere Landschaft einst unverwechselbar geprägt. Darin wird unter anderem ausgeführt: »Nachdem wir auch in gnädigste Erwägung gezogen, dass es dem Wohlstand und der Zierde wie zugleich dem Nutzen und der Nahrung unserer lieben und getreuen Untertanen sehr angemessen und förmlich wäre, wenn die durch unsere herzoglichen Lande ziehenden Chausseestraßen zu beiden Seiten mit fruchtbaren Bäumen besetzt werden«. Es wäre erfreulich, wenn diese einst Alt-Württemberg charakteristisch prägende Wegeordnung von 1772 in manchen Gebieten wieder landschaftsgestaltend wirken könnte.

Der Apfel als Hausmittel angewandt bewirkt einen interessanten Gegensatz. Der mit »Stumpf und Stiel« gegessene Apfel bewährt sich als verdauungsförderndes Mittel, weil die unverdauliche Zellulose des Kerngehäuses und der Schale die Darmwand »reizt« und zu stärkerer Tätigkeit anregt. Der geschälte und geriebene Apfel dagegen ist ein weit verbreitetes wirksames Mittel gegen Durchfall, besonders bei kleinen Kindern und Säuglingen.

Übrigens, nur das Kernhaus entsteht aus dem Fruchtknoten, das eigentliche Fleisch des Apfels ist eine Wucherung des Kelchgrundes. Mit im Frühling geernteter Apfelbaumrinde wurden früher rötlichgelbe Töne beim Färben von Wolle und Stoffen erzielt. 

9. Wild-Birne, Wilder Birnbaum (Pyrus pyraster Burgsd.)

Gattung: Familie Rosengewächse
Vorkommen: Europa ohne Britische Inseln u. Skandinavien; Türkei, Kaukasus, Iran


Bei der Wild-Birne handelt es sich um eine der Ausgangsarten für die Züchtung unserer Obstbirnen. Die Gattung Pyrus ist mit ca. 20 Arten in den mild temperierten Teilen der sogenannten Alten Welt heimisch. In der Sammelart (Pyrus communis agg.) werden der Leder-Birnbaum, die Kultursorten der Birne und der Wilde Birnbaum zusammengefasst. Dieser letztere zeichnet sich durch dornige Zweige und holzige Frucht aus.

Seinen natürlichen Standort hat er auf nährstoffreichen, nicht zu lockeren Lehm- und Tonböden, die kalkhaltig sein sollten. Insofern ist er im Gebiet des Neckartals recht verbreitet.

Es ist ein mittelgroßer Baum, dessen Blüten meist in trauben-/doldenartigen Blütenständen in den Blattachsen an Kurztrieben stehen. Die weißen Blüten haben einen Durchmesser von ca. 2–4 cm und 20 bis 30 Staubblätter mit weinroten Staubbeuteln.

Obwohl er schon in spätrömischer Zeit in Südwestdeutschland nachgewiesen werden konnte, ist er als Kulturform erst später bekannt gewesen. Im 16. Jahrhundert gab es schon ca. 50 Sorten.
Das Holz ist hart, dekorativ und dauerhaft aber findet relativ selten Verwendung und dann besonders zum Drechseln und für Intarsien. 

10. Speierling (Sorbus domestica L. Rosaceae)

Gattung: Familie der Rosengewächse
Vorkommen: Europa ohne Britische Inseln u. Skandinavien; Türkei, Kaukasus, Marokko, Algerien


Ein unscheinbarer, aber sehr reizvoller Baum ist der im ganzen Stromberg vereinzelt vorkommende Speierling, auch Sperberbaum genannt.
Das äußere Aussehen entspricht dem einer Vogelbeere, zu deren Gattung er auch gehört.

Er unterscheidet sich wesentlich von der Vogelbeere nur durch die Früchte und durch die gröbere, rissige Rinde, die mehr der eines Birnbaumes ähnelt und durch die, im Gegensatz zur Vogelbeere, kahlen Winterknospen. Die gelb- und rotbackigen Früchte, die nur Scheinfrüchte sind, da der Fruchtknoten lediglich das Kernhaus bildet, treten bei dem einen Baum birnenförmig (var. Pyrifera) und bei dem andern Baum apfelförmig (var. Pomifera) auf. Die reinen Apfelformen findet man jedoch selten.

Bereits Karl der Große hat im Jahr 812 den Speierling als besonders wertvoll bezeichnet und seinen Anbau empfohlen. Die Früchte sind sowohl roh als auch gekocht genießbar. Sie haben einen herben, doch würzigen Geschmack. Wegen des reichen Gerbsäuregehalts wurden sie vielfach zur Erhöhung der Haltbarkeit dem Apfelmost zugesetzt.
Nach Dr. h.c. Otto Linck wurden die Sperbel bis zur Mitte des letzten Jahrhunderts auf dem Stuttgarter Obstmarkt angeboten. Vielfach wurden die Früchte auch zu Marmelade, zu Essig und Schnaps, in Frankreich »Sorbette« genannt, verarbeitet.

Der Speierlingsbaum kann mehrere hundert Jahre alt werden und bildet, wenn er von anderen Laubbäumen hochgetrieben wird, durchaus schöne Stämme. Dabei erreicht er Höhen bis zu 25 m. Der stärkste, mir bekannte Speierling mit einem Brusthöhendurchmesser von über 60 cm steht im Gemeindewald von Ensingen im Südosten der Abteilung 19 Heidenschlag des Distrikts Großer Fleckenwald.

Das Holz selbst ist birnbaumähnlich, feinfasrig, rotbraun, mit einem zuweilen leicht bläulichen Schimmer. Wegen seiner besonderen Härte wurde es früher viel zu Weinpressenspindeln, Zahnrädern, Schrauben und Achsen verwendet. Nach der Hainbuche ist es mit einem Gewicht in lufttrockenem Zustand von 0,79 Gramm/ccm (Hegi) unser schwerstes Holz.

Der Speierling ist in Südeuropa und Kleinasien beheimatet. Man nimmt an, dass er durch die Römer bei uns eingebürgert wurde. Außer im Weinbaugebiet des Unterlandes ist er heute in der Pfalz, Frankreich und Oberhessen anzutreffen, allerdings stets nur in Einzelexemplaren. Vielleicht hängt dies damit zusammen, dass die Wurzeln von zwei Individuen sich nicht berühren sollten, da man der Meinung ist, dass sie sich dann gegenseitig abtöten. Seit mir dies bekannt war, habe ich Speierlinge in der Pflanzschule nur in ganz großen Abständen verschult.

Auffallend an diesem Baum ist weiter, dass man kaum einmal eine jüngere Pflanze in den Wäldern findet. Der wohl im Nebenberuf sich der Obstbaumpflege widmende Sieber aus Nordheim, Kreis Heilbronn, veröffentlichte im Jahre 1863 einen Aufsatz über den Speierling, dem ich folgendes entnehme: »Wir haben von alten Zeiten her ein Waldobst, welches der verwöhnteste Gaumen als eine Leckerei hinnimmt: Ich meine die Frucht des Speierlingsbaumes, der hin und wieder in unseren Wäldern vorkommt. Ich erreichte mein ehrliches Schwabenalter – und lernte dieselbe erst auf dem Heilbronner Wochenmarkt kennen, wo sie, wie auch auf den Hohenloher Märkten, hin und wieder zum Verkauf kommt.
›Was gibt's denn da?‹, fragte ich die sich drängenden Schulknaben. ›Sperbel, 15 um einen Kreuzer‹, war die Antwort. Ich schämte mich als Pomologe weiter zu fragen und kaufte von der teigen Frucht. Es waren gar zierliche Birnchen, einen Zoll lang, ein Halbzoll breit, gelb mit schönen braun bis dunkelroten Bäckchen und vielen feinen Forellenpunkten, was man gewöhnlich für ein gutes Zeichen beim Obst nimmt. Ich kostete das Ding: es schmeckte lieblich, fast weinig.
Zuhause angekommen erzählte ich meinem Nachbarn von der seltenen Frucht und erfuhr, dass in der hiesigen Gegend ein derartiger Baum stehe... Der Eigentümer hatte aus den Früchten auch schon Branntwein gebrannt mit lieblichem, anisartigem Geschmack.
Vom Baum genommen sind die Früchte ungenießbar, werden aber nach etlichen Tagen teig und können dann von jedermann ohne Schaden gegessen werden. In teigem Zustand können sie sehr lange aufbewahrt werden, auch geben sie gedörrt kräftige Hutzeln«.

11. Eberesche, Vogelbeere (Sorbus aucuparia L. Rosaceae)

Gattung: Familie der Rosengewächse
Vorkommen: Europa, Türkei, Kaukasus, W-Sibirien


Wenden ist eine ursprünglich deutsche Bezeichnung für Slawen im allgemeinen und heute für Reste einer slawischen Bevölkerung in der Ober- und Niederlausitz. Heute noch leben im Bezirk Cottbus und Dresden etwa 100.000 Wenden, die Teile ihrer nationalen Eigenart bewahren konnten.
In der Nähe des württembergischen Schussenried gibt es die Orte »Kleinwinnaden« und »Michelwinnaden«, die als »Wineden« 1265 erstmals erwähnt werden. Nach Michael Buck sollen diese Namen auf wendische Ureinwohner hinweisen, die vielleicht nach Ostfeldzügen umgesiedelt wurden.

Die Wenden in der Lausitz mit eigener Sprache und eigentümlichen Gebräuchen nennen sich Sorben. Ihre sorbische Sprache ist eine westliche Ableitung der slawischen Sprachen und ist dem Tschechischen verwandt. Von diesem Volksstamm ist der lateinische Gattungsname dieses Baumes abgeleitet. Der zweite Name aucuparia geht darauf zurück, dass die Früchte früher zum Vogelfang benutzt wurden und ist abgeleitet von avis = Vogel und capere = fangen.

Der deutsche Name Eberesche wird als Aberesche, als »falsche, unechte Esche« gedeutet, »aber« ist in der Bedeutung des Falschen, Minderwertigen, wie in Aberglaube, Aberwitz usw. zu sehen. Tatsächlich sind ja die Blätter derjenigen der Esche verblüffend ähnlich, im übrigen ist der Name Eberesche verhältnismäßig jung. Er ist nicht vor dem 16. Jahrhundert nachweisbar.

Die Früchte dieser Gattung sind unterständige Sammelbalgfrüchte, die wegen ihrer geringen Größe fälschlich als Beeren bezeichnet werden. Sie besitzen einen herb-säuerlichen, bitterlichen Geschmack. Für die Küche werden sie am besten nach Nachtfrösten geerntet, mit 4% Essig übergossen und über Nacht zum Auszug der Bitterstoffe stehengelassen.
Weichgekocht, durchs Sieb passiert und mit Zucker aufgekocht, erhält man eine immer noch etwas bittere Marmelade. Rohe Früchte in Mengen genossen können allerdings schädlich wirken.
Der Vogelbeerschnaps, den ich von Österreich und dem Elsass her schon kannte, schmeckt zunächst etwas bitter, wird dann aber in der Länge der Lagerung ständig besser. Es ist dies ähnlich wie mit dem früheren Weinhefeschnaps, von dem ich noch heute für Freunde einige Flaschen aus vorehelicher Zeit hüte.

Da im Frühjahr der Saft im Vogelbeerbaum schon sehr bald steigt und dadurch die Rinde sich nach kurzem, vorsichtigem Klopfen leicht ablösen lässt, machten wir als Kinder aus den jungen Ruten, ähnlich wie dies bei den Weiden möglich ist, Pfeifen und Bastflöten. Die Vogelbeerrinde, im Frühjahr geerntet, kann übrigens zum Färben von Grautönen verwendet werden.

Nach mündlicher Überlieferung soll ein Fürstlich-Fürstenbergischer Forstmeister in Mähren einige Jahre beobachtet haben, dass ein bestimmter Vogelbeerbaum in der Nähe seines Dienstsitzes im Herbst von den Vögeln immer vor den anderen Ebereschen geleert wurde. Schließlich probierte er die Früchte selbst und stellte zu seiner Überraschung fest, dass sie im Gegensatz zu den Heeren anderer Bäume nur wenig Bitterstoffe enthielten. Diese mährische oder bitterstoffarme Vogelbeere (Sorbus aucuparia var. edulis) fand über Veredlungsreiser rasche Verbreitung.
Ich selbst hatte nur in meinem früheren Forstamtsgarten in der Moltkestraße in Bietigheim einen Vogelbeerreitel mit einem derartigen Reis gepfropft. Von diesen Früchten kochte meine Frau ein ausgezeichnetes Gelee und Marmelade. Wegen des ähnlichen Geschmackes waren dies in meiner Familie die Preiselbeeren des kleinen Mannes.
Etwas störend empfinden manche die gegenüber Preiselbeeren in der Marmelade enthaltenen größeren Kerne. Dank des relativ hohen Gehalts an Vitamin C, Zucker und an dem süß schmeckenden Alkohol Sorbit mit 98 kcal. pro 100 Gramm ist die Frucht auch in dieser Hinsicht ertragreich. 

12. Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus L.Aceraceae)

Gattung: Familie der Ahorngewächse
Vorkommen: Europa ohne Britische Inseln, Skandinavien; Türkei, Kaukasus


Der Berg-Ahorn erreicht ein Alter bis zu 600 Jahren und ist in den Alpen sehr verbreitet. Er erträgt tiefe Wintertemperaturen und bevorzugt im Sommer eher kühle und feuchte Standorte, da er hohe Ansprüche an den Wasser- und Humusgehalt des Bodens stellt, obwohl er stehende Nässe meidet.

Im Wald setzt er sich als schattenertragende Art gegenüber lichtbedürftigen Laubbäumen durch. Besonders schöne Exemplare finden sich in den Gebieten der Almwirtschaft in den nördlichen Alpen. Als Schutzbaum für das Vieh hat man sie beim Roden der früheren Bewaldung gern stehen gelassen. Bis an die Waldgrenze ist er hier anzutreffen.

Wie der Spitz-Ahorn ist der Berg-Ahorn auch ein sehr beliebter Aleen-Baum, wird aber mehr und mehr von der Platane verdrängt, die den Umweltbelastungen der Städte noch besser begegnen kann.
Der wissenschaftliche Name Acer pseudoplatanus weist auch auf die Ähnlichkeit mit der Platane hin, die sich sowohl auf die abblätternde Borkenbildung als auch auf die Blattform bezieht.

Die Blüten ähneln denen des Spitz-Ahorn, erscheinen aber im Gegensatz zu ihm erst nach der Laubbildung im Mai.
Das eindeutige Unterscheidungsmerkmal des Berg-Ahorns sind die Knospen am Ende der jungen Zweige: die grün/gelben Schuppen der Knospen sind mit braun/schwarzen Rändern gesäumt.
Instrumentenbauer verwenden das auffallend weiße Holz des Berg-Ahorns ebenso gern wie das des Spitz-Ahorns (vgl. auch Nr. 37 Feld-Ahorn und Nr. 38 Spitz-Ahorn).

13. Süß-Kirsche/Vogel-Kirsche (Prunus avium (L.) L. Rosaceae)

Gattung: Familie der Rosengewächse
Vorkommen: Europa, Türkei, Kaukasus, Iran; eingebürgert: N-Amerika


Die Kulturen unserer Süßkirschen leiten sich von der in den hiesigen Wäldern verbreiteten Vogelkirsche ab. Aus ihr haben wahrscheinlich schon die Alemannen oder gar ihre Vorgänger eine Kulturform gewonnen, die später vom heutigen Württemberg aus weite Verbreitung gefunden hat.

Das sehr schöne, glatt zu bearbeitende und gut zu polierende Kirschholz ist äußerst wertvoll und begehrt für die Herstellung von Möbeln. Die Landesforstverwaltung von Baden-Württemberg hat daher in den Waldungen die schönsten Vogelkirschexemplare zusammengesucht und in den Kronen durch Zapfenpflücker Reiser zum Veredeln schneiden lassen. Damit wurden dann in Liliental im Kaiserstuhl Pfropfungen für eine Samenplantage vorgenommen.

Diese Plantagenbäume werden durch Schnitt niedrig gehalten, so dass die Samen ohne Schwierigkeiten gepflückt werden können. Nur bei Verwendung eines so hochwertigen Saatgutes hat man einigermaßen die Gewähr, später im Wald gute Schaftformen zu bekommen. Kreuzungen der Waldform – nach Stammform ausgelesen – oder mit den Zuchtformen – nach der besten Frucht ausgelesen – lassen sich leider nicht verhindern.

Die Kirsche, die früh blüht, eignet sich mit am besten für den Schnitt von Barbarazweigen. Die heilige Barbara sprengt die winterlichen Knospen auf und bringt sie zum Blühen. Es ist daher ein alter Brauch am Barbaratag, dem 4. Dezember, vor allem Kirsch-, Apfelbaum- und Schlehdornzweige zu schneiden, um sie in der warmen Stube oder auch im Stall ins Wasser zu stellen.
Derartige Zweige gelten als Glücksbringer. Je kräftiger sie zur Weihnachtszeit blühen, desto größer das Glück und der Segen für Haus und Hof, für Mensch und Vieh.
Hinzu kommt, dass das, was man sich beim Schneiden der Barbarazweige wünscht, der Sage nach in Erfüllung geht.

Die heilige Barbara wurde als Tochter des reichen Dioscuros von Nikomedien geboren. Um seine schöne, mit scharfem Verstand ausgestattete Tochter unter anderem auch vor dem Christentum zu bewahren, schloss der Vater sie jeweils in einen Turm ein, wenn er fortging.
Barbara richtete in einem Brief Fragen zum Christentum an Origenes (185–254), der ihr als der gelehrteste Weise von Alexandria bekannt war. Durch den Priester Valentinus schickte Origenes ihr Antwort. Von Barbara als Arzt ausgegeben, erlaubte ihr der Vater, Valentinus zu empfangen, der sie dann auch taufte. Barbara ist es sozusagen gelungen, den Turm, in den sie eingesperrt war, mit dem Geist Gottes zu sprengen. Sie gilt daher heute als heilige für alle Handwerker und Gewerbetreibende, die mit Sprengstoff zu tun haben.

St. Barbara ist auch die Blitzheilige, denn nur sie allein vermag nach altem Volksglauben, was der menschlichen Hand nie gelänge: das durch Blitzschlag ausgebrochene »wilde Feuer« zu löschen.

Fast alle Legenden um St. Barbara bringt Jörg Rathgeb besonders reizvoll und ausführlich 1510 auf der Altartafel vom nahegelegenen Schwaigern zur Darstellung.
Heiratslustige Mädchen benutzten die Barbarazweige zu einer Art Liebesorakel: jedem Zweig gaben sie einen anderen Namen von jungen Männern, die als Bräutigam in Frage kämen. Derjenige, dessen Zweig zuerst in Blüte stand, würde, so glaubte man, das Mädchen im nächsten Jahr zum Traualtar führen.

14. Rot-Buche (Fagus sylvatica L. Fagaceae)

Gattung: Familie der Buchengewächse
Vorkommen: Europa, Türkei


Die eng verwandten Rotbuche, Eiche und Ess-Kastanie haben als gemeinsames Merkmal eine charakteristische Fruchthülle. Bei diesen bildet sich aus dem Blütenstandstiel eine Schutzhülle um die Früchte, die bei den Eicheln nur kurz und napfförmig bleibt, bei den Edelkastanien und Bucheckern aber die Früchte völlig mit einer stacheligen Schale umgibt. Die dreikantigen Nüsse der Buche bergen im Samen einen Embryo mit zusammengeknitterten Keimblättern.

Insgesamt enthält die Buchecker 46% fettes Öl, welches als ausgezeichnetes Speiseöl dient und von mildem Geschmack sowie guter Haltbarkeit ist. Im Krieg und in der unmittelbaren Nachkriegszeit war das Sammeln von Bucheckern weit verbreitet.

Die rücksichtslosen Methoden, mit denen sich die Buche auf ihr zusagenden Standorten die Vorherrschaft erkämpft, nämlich die tiefe Beschattung des Bodens und seine Durchdringung mit Flachwurzeln, sieht man dem Baum auf den ersten Blick gar nicht an. Eine besonders schöne, brettartig ausgebildete Stützwurzel ist am Fußweg durch die Brandhalde zwischen Bietigheim und Bissingen zu sehen.

Statt ihren Stamm mit einer dicken Borkenschicht zu umhüllen, wie etwa die Eiche, bildet die Buche nur eine dünne, silbergraue, glattbleibende, gegen Sonnenbrand allerdings sehr empfindliche Stammrinde aus. Um ihren Stamm vor der Sonne trotzdem zu schützen, bleibt eine freistehende Buche bis zum Boden herunter beastet – Weidebuchen.
Die Abzweigung der Buchenäste geht im allgemeinen schräg nach oben. Dadurch fühlt man sich in einem Buchenaltbestand – der Forstmann spricht von einem Hallenbestand – wie in einem gotischen Dom. Tatsächlich gibt es Stimmen, die die Meinung vertreten, dass die Schöpfer der großartigen gotischen Kathedralen und Dome von eben diesen Waldbildern inspiriert waren.

Das deutsche Wort »Buch« verdankt seine Entstehung diesem Baum. Es bezeichnet ursprünglich die zusammengehefteten Buchenholztafeln, auf denen man – wohl nach dem Vorbild der römischen Wachstäfelchen – schrieb.

Rotblättrige Buchen sind wildwachsend, das heißt infolge einer Erbmassenänderung, wiederholt aufgetreten. Aus irgendeinem Grund besonders in der Mitte Europas. Diese sogenannte Blutbuche gilt als die größte rote Pflanze der Erde.
Etwa halbwegs zwischen Häfnerhaslach und Sternenfels stand bis vor einigen Jahren ein großer, verkrüppelter Baum, der sich bei näherer Betrachtung als Rotbuche entpuppte und »Kanzelbuche« genannt wurde. Der Krüppelwuchs ist nicht bedingt durch äußere Einflüsse wie etwa Wind und Wetter, Krankheit, Tierfraß usw., sondern ist, wie sich an Hand von Absaatversuchen nachweisen lässt, erblich bedingt. Es handelt sich hier also um eine Abänderung, Mutation genannt, mit der dendrologischen Bezeichnung Fagus sylvatica var. tortuosa.
Im Deutschen spricht man von Süntelbuche, da wohl diese Form im Süntelgebirge zum ersten Mal beschrieben wurde.
Derartige Abarten kommen vermutlich des öfteren vor, jedoch wird diese gewunden wachsende Form von der normalen, gestreckt wachsenden Rotbuche überflügelt und unterdrückt, Hinzu kommt, dass derartige Wuchsformen schon früh den forstlichen Pflegemaßnahmen zum Opfer fallen.
Im Schwäbischen Baumbuch von 1911 wird das Alter dieser Buche mit etwa 200 Jahren angegeben. Es wird dort weiter erwähnt, dass der Baum bereits König Friedrich aufgefallen sei, der dann die Erhaltung dieser »Renkbuche« veranlasst haben soll.

Die älteste recht mühsame Feuererneuerung der Vorzeitmenschen mittels Reibung wurde abgelöst durch das Feuermachen mit Hilfe des Zunders.
Der Zunderschwamm (Fomes), ein Porling, wächst vorwiegend an Rotbuchenholz. Er bildet Fruchtkörper, die halbkreisförmig vorspringen und einen Durchmesser bis etwa 40 cm erreichen. Zur Herstellung des Zunders, der noch meinem Vater zusätzlich als blutstillendes Mittel etwa nach dem Rasieren mit dem Messer diente, wurden die gesammelten Fruchtkörper zunächst von der steinharten, rindenartigen Haut und den unten weißen Röhrenschichten befreit, dann mehrere Wochen mit einer Lauge aus Wasser, Asche und Salpeter aufgeweicht, anschließend wieder getrocknet und zuletzt mit Holzkeulenschlägen so lange bearbeitet, bis aus der inneren rostbraunen Substanz eine lockere, filzartige Masse – Zunder – entstand.
Der Bietigheimer Kunstmaler Richard Hohly war Anfang der 30er Jahre am Realgymnasium in Riedlingen mein Zeichenlehrer, wie wir damals sagten. Zum Radieren beim Zeichnen mit Kohle hatten wir damals stets ein Stück Zunder im Schreibmäppchen zu haben.

Die an der Nutzung und Verarbeitung des Zunderschwammes interessierten Kürschner, denen es darauf ankam, die Fruchtkörper möglichst groß werden zu lassen, pachteten die Schwammbaumbestände auf längere Zeit. Diese Bäume blieben dann meist stehen bis der Pilz sein Zerstörungswerk vollendet hatte. Es klingt heute fast wie ein Märchen, dass noch im vorigen Jahrhundert die Fruchtkörper des Zunderschwammes in manchen Gegenden höher bewertet wurden als das Holz der Bäume, welches sie zerstörten.
Das Holz der Buche, des Hauptwirtsbaumes des echten Zunderschwammes, fand allerdings in damaliger Zeit fast nur als Brennholz und für die Köhlerei Verwendung.

Die Herstellung der Holzkohle war zumindest mit Beginn der Metallzeit notwendig, da sie zur Verhüttung der Erze erforderlich war. Lenk ermittelte, dass zur Gewinnung von einem Kilogramm Eisen zwölf Kilogramm benötigt wurden, für die 60 kg Holz, vorwiegend Buche, in den Meiler eingesetzt werden mussten. Somit könnten z. B. mit dem gesamten Jahreseinschlag der Bundesrepublik lediglich 1,6 % der in Westdeutschland produzierten Eisenmenge gewonnen werden.
Auch in den Waldungen um Bietigheim standen Kohlenmeiler, bis dann nach Anlage des Eisenbahnnetzes – Eröffnung der ersten Strecke in Württemberg 1845, Bau des Bietigheimer Enzviaduktes durch Karl Etzel 1851/53 – die Braunkohle und Steinkohle vordringen konnte.
Vielfach lassen sich noch Kohlplatten finden oder es erinnern Forstortsnamen an längst vergangene Zeiten, wie etwa die Abteilung 5 Kohlplattenteich im Distrikt Bromberg auf Markung Kirbach.

Im Mittelalter war bei uns die Streunutzung noch so gut wie unbekannt. Der Weidebetrieb in den Laubwäldern war üblich, der Körnerbau überwog den Anbau der Hackfrüchte und man hielt wohl im Ganzen viel weniger Vieh im Winter mit der Stallfütterung durch, so dass das in der Wirtschaft erzeugte Stroh noch zum Streuen ausgereicht haben mag.
Der Anbau von Futtergewächsen und die Verbesserung der Wiesen gestatteten allmählich immer mehr die Stallhaltung. Die Stallfütterung erleichterte zwar den Verzicht auf die Waldweide, vermehrte aber das Bedürfnis nach Einstreumitteln.

Das früher vielfach übliche Abrechen der Laubstreu in den Beständen – bis ca. vier Tonnen lufttrockene Masse pro Hektar! – entzog dem Boden den Humus, der als Stickstoffquelle und als Wasserspeicher dient. Zugleich wird die schädliche Auswaschung von Nährstoffen in den Untergrund gefördert und der Boden in seinem physikalischen Zustand verschlechtert.
Vor allem den Regenwürmern, die nach Ronde in einem Hektar Waldboden zuweilen mit einer Muskelenergie von 0,5–2 PS an der Arbeit sind und denen die Umwandlung der Streu in Humus primär zu verdanken ist, wird durch Entfernung der Laubdecke geradezu die Lebensgrundlage entzogen.
Weil sich aber, genauso wie heute, bei vielen Eingriffen des Menschen in seine Mitwelt die schlimmen Folgen, in diesem Fall des Streurechens, nicht sofort bemerkbar machen, wurde lange die Gefährlichkeit für Boden und Zuwachs nicht erkannt.

Trotz dem württembergischen Gesetz vom 26.3.1873 über die Ablösung der auf Waldungen haftenden Weide-, Gräserei- und Streurechte, dauerte es bis in die Zeit des Zweiten Weltkrieges, um die letzten Streunutzungsrechte vollends abzulösen.

15. Echte Walnuss (Juglans regia L. Juglandaceae)

Gattung: Familie der Walnussgewächse
Vorkommen: Europa: Österreich, Italien, Sizilien, Balkanhalbinsel, Rumänien; Kaukasus, Iran, Mittelasien. Eingebürgert: Britische Inseln, Frankreich, Iberische Halbinsel, östl. Mitteleuropa, Osteuropa


Walnuss ist eine Bezeichnung, die erst ab dem l8. Jahrhundert anstelle von »welsche Nuss« in das Hochdeutsche kam. »Welsch« ist ein germanisches Wort und bezeichnet ursprünglich die keltischen Bewohner westeuropäischer Gebiete.

Die Heimat dieses Baumes dürfte China sein, wo seine Kultur seit Jahrtausenden bekannt ist, vielleicht aber auch der Kaukasus und die Westhälfte des Himalaja. In den Mittelmeerraum und zu uns kam zumindest die großfruchtige Walnuss durch die Römer. Das Hauptanbaugebiet findet sich deshalb auch in Frankreich, dem früheren Gallien, sowie in Italien und auf dem Balkan.
Der Gattungsname Juglans ist eine Verunstaltung von »Jovis glans« oder »Jupiternuss«.

Die gefiederten, fast ledrigen Blätter sind stark aromatisch. Johann Peter Hebel schrieb daher: »Habe ich kein Tabak auch – Nusslaub gibt guten Rauch«.
In meinem Elternhaus stand vor dem Schlafzimmer ein Walnussbaum, da der Geruch seiner Blätter Schnaken abhält.

In der Bibel ist der Baum nur einmal genannt, und zwar im Hohen Lied Salomos, dort heißt es in Kap. 6, 11: »Ich bin hinab in den Nussgarten gegangen zu schauen die Sträuchlein am Bach, zu schauen ob der Weinstock sprosst, ob die Granatbäume blühten.«

Alles, was uns der Nussbaum zu bieten vermag, ist von bester Qualität: das edelste Holz für Möbel und die besten aller Nüsse. Daneben war Walnussholz einst wegen seiner Zähigkeit und Elastizität unentbehrlich für Gewehrladestöcke, weil es offenbar kein anderes Holz gibt, das so schwer, elastisch und glatt ist.
Weil die Deutsche Wehrmacht Nussbaumgewehrschäfte brauchte, erging am 23.9.1935 vom Reichsforstamt ein Runderlass zum Anbau von Walnuss-Bäumen. Viele unserer heutigen Nussbäume gehen auf diese Anordnung aus Berlin zurück.

Der Nusskern-Embryo mit seinen Speicherkeimblättern besteht zu 60% aus Öl, das als nicht trocknendes Öl für Künstlerölfarben gebraucht wird. Unreife grüne Früchte werden in Essig eingelegt gerne gegessen. In meinem Elternhaus machte man aber auch Nusslikör aus den noch grünen Früchten.
Ich entsinne mich gut, wie ich als Kind einmal eine von meiner Mutter hinter dem Kachelofen in der guten Stube versteckten Flasche Nusslikör im Laufe der Zeit mit meinem Vater, dem ich mich dadurch stolz gleichberechtigt verbunden fühlte, ausgetrunken habe. Danach wurde sie mit Kaffee, der etwa die gleiche Farbe hat, aufgefüllt.

Die Signaturlehre, die vor allem im 16. Jahrhundert ihre Blütezeit hatte, geht davon aus, dass Gott in jedes Ding, das für arzneiliche Zwecke verwendet werden kann, ein verborgenes Zeichen gelegt hat, das dem Kundigen bei richtiger Auslegung die jeweilige medizinische Anwendungsmöglichkeit offenbaren kann.
Deutlich wird das am Beispiel der Nüsse. Dass unsere Vorfahren ausgerechnet ihnen einen positiven Einfluss auf das Gehirn nachsagten, ist vor allem der Walnuss zu verdanken, denn sie erregte besonders durch die Form ihrer essbaren Teile das Interesse, weil diese wegen der starken Furchung an das Aussehen des menschlichen Gehirnes erinnern.
Deshalb sollten sie sowohl gegen Kopfschmerzen als auch gedächtnisfördernd und -kräftigend wirken. Nicht von ungefähr heißt die im Handel erhältliche Mischung aus Nüssen und Rosinen im Volksmund »Studentenfutter«.
Auch den ABC-Schützen gibt man mit Vorliebe Nüsse in die Schultüte. Bekannt sind folgende Redewendungen: Für jemanden Nüsse knacken = Rätsel lösen. Eine taube Nuss = ein hohler Mensch. Jemanden wie einen Nusssack prügeln = tüchtig verhauen.

Um sich die Hände mit dem Saft der grünen Schalen nicht zu bräunen, befreite man die Nüsse von den Schalen durch Schlagen in einem Sack. Mädchen, die des Blond ihrer Haare leid waren, stellten sich aus den grünen Fruchtschalen und den Blättern des Walnussbaumes eine Farbbeize her, mit der sie sich die Haare braun färbten.
Die Blätter allein, gepflückt im Juni/August, ergeben gelbe und hellbraune Töne. Seit gebräunte Haut als modisch und schön gilt, ist der Farbstoff der grünen Walnussschale in Cremes wiederzufinden, mit denen es gelingt, auch ohne Sonne braun zu sein.

Der auch heute noch übliche Polterabend vor einer Hochzeit hatte ursprünglich den Sinn, durch Lärm böse Geister zu vertreiben. Diesen Lärm erzeugte man durch das geräuschvolle Werfen von Walnüssen auf den Boden. Man spricht daher auch von der »Polternuss«. Im übrigen war dieser Brauch auch ein Fruchtbarkeitssymbol, denn man glaubte durch Polternüsse reichen Kindersegen herbeiführen zu können.

16. Gewöhnliche Mehlbeere (Sorbus aria (L.) Crantz Rosaceae)

Gattung: Familie der Rosengewächse
Vorkommen: Europa ohne Skandinavien; NW-Afrika


Dieser mittelhohe Baum (oft auch als hoher Strauch) fühlt sich besonders auf lockeren, steinigen, flachgründigen Lehm- und Tonböden wohl.
Da sorbus »aria« Standorte mit hoher Luftfeuchtigkeit bevorzugt, ist die Gewöhnliche Mehlbeere eher in den höheren Lagen der Mittelgebirge bis etwa 1500 m anzutreffen. Im Tiefland vorkommende Exemplare sind angepflanzt.

Die weißen Blüten (Durchmesser ca. 0,5 cm) stehen in aufrechten, doldig eingeebneten Rispen. Blütenstiele, Rispenäste und Kelchblätter sind weißfilzig behaart.
Auch die jungen Blätter weisen eine wollartige Behaarung auf. Die älteren Blätter sind dunkelgrün, auf der Unterseite ebenfalls weißfilzig bis graufilzig. Ihr doppelt gezähnter Rand und die hervortretenden Nerven sind besonders auffällig.

Die Früchte der Mehlbeere sind zwar essbar, schmecken aber fade und mehlig.

17. Silber-Weide (Salix alba L. Salicaceae)

Gattung: Familie Weidengewächse
Vorkommen: Europa ohne Skandinavien; Türkei, Kaukasus, Iran, W-Sibirien, Mittelasien, W-Himalaya, NW-Afrika. Eingebürgert: Skandinavien


Die Weiden zählen neben Pappeln und Eichen zu den ersten nachgewiesenen Blütenpflanzen, die in der Kreidezeit – Beginn vor etwa 140 Millionen Jahren – unser Land besiedelten.

Die Weidenfamilie umfasst in Mitteleuropa lediglich die Gattungen Weiden und Pappeln. Dabei sind die Weiden zweihäusig. Das heißt, die männlichen und weiblichen Blüten sind auf verschiedenen Pflanzen verteilt.
Die männlichen Blüten stehen in Kätzchen, die vor dem Aufblühen an das weiche Fell junger Tiere dieses Namens erinnern.
Der gelbe, eiweißhaltige Blütenstaub ist ein wesentlicher Bestandteil der Nahrung unserer Jungbienen im Frühjahr. Aufgepackt an den Beinen, als sogenannte »Höserl«, bringen die Arbeiterbienen den Blütenstaub in die Bienenstöcke.

Während die Weidenblüten Nacktdrüsen haben, und wie ausgeführt durch Insekten bestäubt werden, sind die Pappeln Windblütler. Bei beiden Gattungen werden die winzigen Samen mit Hilfe von Flughaaren, die wie kleine Wattebäuschchen aussehen, durch den Wind weit verbreitet. So etwas ist nur möglich, wenn der Samen sehr leicht ist, das heißt aber auch, er kann im Gegensatz zu den meisten anderen Samen kaum Nährgewebe mit auf den Weg bekommen.
Samen ohne Nährgewebe sind sehr kurzlebig, weshalb sie möglichst schnell eine Keimmöglichkeit benötigen. Der Forstmann spricht von Pionierbaumarten, die wegen ihres leichten und weit fliegenden Samens vor allem nach den Eiszeiten als erste aus Südost und Südwest wieder auf die Rohböden zurückwandern konnten.

Das Wort »Weide« geht auf eine indogermanische Sprachwurzel mit der Bedeutung »biegen, biegsam« zurück und weist damit auf die uralte Verwendung der biegsamen Weidenruten als Flechtwerk hin. Der Baum wird daher auch vielfach als leicht zu schneidende Kopfweide kultiviert.

»Jemanden einen Korb geben« = ihm eine Absage erteilen. Unerwünschte Anbeter wurden früher, im Gegensatz zu den ersehnten, in einem schadhaften Korb zum Kammerfenster des Burgfräuleins emporgezogen. Bei dieser Prozedur fielen sie nicht selten durch den Boden des Korbes. Daher »durchfallen«, beispielsweise bei einer Prüfung, »aus allen Wolken fallen«, »er ist unten durch«. Als »Hahn im Korb« kann sich jemand fühlen, der als einziges männliches Wesen, sozusagen als Meistbegünstigter, sich von einer Gruppe junger Mädchen umgeben sieht.

Saulus sollte von den Juden in Damaskus, denen er ins Gewissen geredet hatte, getötet werden. In der Apostelgeschichte schreibt Lukas im Kapitel 9. 25: »Da nahmen ihn die Jünger bei der Nacht und taten ihn durch die Mauer und ließen ihn in einem Korb herab«.
Eine derartige Hoch- bzw. Herabbeförderung in Körben war früher nichts Ungewöhnliches, da ja die alten Wohnwehrtürme, wie heute etwa noch in Besigheim oder Liebenstein zu sehen, aus Sicherheitsgründen nur Hocheingänge hatten, und dazu brauchte man Leitern oder für weniger zart Besaitete, das Hochziehen in Körben.
Sämtliche heute noch im Stadtbild zu findenden alten Bietigheimer Wappen zeigen einen derartigen Wohnturm mit Hocheingang. Vorbild war vermutlich der 1542 eingestürzte Turm, der im Bereich der Südwestecke der heutigen Kelter stand.

Dem Volksglauben nach kann die Weide durch Zauber stellvertretend Krankheiten aufnehmen. Sie soll ein bevorzugter Aufenthaltsort von Geistern und Hexen sein. Am Palmsonntag geweihte Weidenzweige gelten als Schutz vor Blitz, Unwetter und bösen Einflüssen. Zum Laubhüttenfest ist in 3. Moses 23, 40 zu lesen: »Und sollt am ersten Tage Früchte nehmen von schönen Bäumen, Palmzweige und Maien von dichten Bäumen und Bachweiden und sieben Tage fröhlich sein vor dem Herrn, eurem Gott«.

Die Rinde junger Weidentriebe, die sich ähnlich wie bei der Vogelbeere im zeitigen Frühjahr, wenn der Saft zu steigen beginnt, durch vorsichtiges Klopfen leicht ablösen lässt, haben wir als Kinder benützt, um Pfeifen und Flöten daraus zu machen. Die Rinde enthält neben Salicin reichlich Gerbstoffe und dient daher in Russland zum Gerben des Juchtenleders.

18. Espe, Zitter-Pappel, Aspe (Populus tremula L. Salicaceae)

Gattung: Familie Weidengewächse
Vorkommen: Europa, Türkei, Libanon, Kaukasus, W-Sibirien, Ost-Sibirien, Amur, Sachalin, Kamchatka, Mittelasien, Mongolei, Korea, N-China, Algerien


Die Aspe ist in fast ganz Europa verbreitet. Ihr Samen ist sehr klein, gelblich, mit weiß-wolligem Haarschopf am Grunde und wird, wie bei allen Pappeln, durch den Wind überallhin verfrachtet. Die Aspe gehört daher wegen ihrer leichten und raschen Ausbreitung, vor allem auf nackten Böden, zu den sogenannten Pionierbaumarten.

Nach dem Volksmund besah sich der liebe Gott bei der Erschaffung der Erde das an einem langen, dünnen Stiel sitzende Blatt der Aspe noch einmal und drückte dabei unvorsichtigerweise den Stiel seitlich, das heißt quer zur Blattfläche, etwas zusammen, so dass er dort nicht mehr ganz rund ist. Diese Verflachung bewirkt, dass sich das Blatt bereits beim kleinsten Wind bewegt. Davon kommt der Ausspruch: »Zittern wie Espenlaub«.
An einem drückend schwülen Sommertag, an dem sich kaum ein Luftzug bewegt, ist es daher verlockend, sich unter eine Zitterpappel zu legen und ihrem unaufhörlichen Flüstern träumend zu lauschen.

Wegen der beim leisesten Windhauch zitternden Blätter gilt die Aspe als Symbol des Schmerzes und der Klage. Bei den Griechen galt dieser Baum, als in der Unterwelt wachsend und im Zusammenhang damit, besonders als Sinnbild der Totenklage. In Schweden und Schottland ist der Aberglaube verbreitet, das Kreuz Christi sei aus Aspenholz gefertigt worden, deshalb können ihre Blätter nicht mehr zur Ruhe kommen.

Die Aspe war, solange es Biber in Europa noch in freier Wildbahn gab, der Lieblingsbaum dieser Tiere. Die Spechte machen heute noch gerne ihre »Spechtringel« in die Rinde der Aspe. Auf die entsprechenden Ausführungen bei der Kiefer darf verwiesen werden.

Die Aspe lieferte das beste Holz für die schwedischen Zündhölzer, sozusagen die Nachfolger des Zunderschwammes, auf den ich im Zusammenhang mit der Rotbuche eingegangen bin.
Die Zündhölzer wurden um 1830, wahrscheinlich von dem Studenten J. F. Kammerer in Ludwigsburg, erfunden. Dabei handelte es sich um die ursprünglichen Schwefelhölzer mit dem gesundheitsschädlichen, weißen Phosphor. Es waren die Hölzer, die am Hosenboden angerissen wurden, jedenfalls soweit die männliche Welt in Frage kam; die Damen hatten das Rauchen damals noch nicht so erlernt wie heute.
Im Jahre 1907 verbot dann die deutsche Reichsregierung die Verwendung des weißen Phosphors für die Zündhölzer. Dies war möglich, da sich etwa Mitte der neunziger Jahre ein verhältnismäßig schneller Übergang von den überall entzündlichen Schwefelhölzern zu den heute bekannten, von Lundström bereits 1845 erfundenen, Sicherheitszündhölzern vollzog.

Dem damals in der Welt dominierenden schwedischen Kreuger-Konzern gelang es im Laufe der Jahre einen erheblichen Teil der früher selbständigen deutschen Zündholzfabriken zu erwerben.
Nicht zuletzt wegen der hohen Reparationszahlungen stand Deutschland um die Jahreswende 1929/30 vor einem finanziellen Zusammenbruch. In dieser kritischen Situation vermittelte der einflussreiche schwedische Zündholzkönig dem Deutschen Reich die sogenannte Ivar-Kreuger-Anleihe in Höhe von 500 Millionen Mark. Voraussetzung dazu war das mit Reichsgesetz vom 21.1.1930 geschaffene Zündwarenmonopol einschließlich der Gründung einer Zündwarenmonopolgesellschaft, an der die deutschen und schwedischen Produzenten je zur Hälfte beteiligt wurden. Nach vollständiger Rückzahlung dieser Ivar-Kreuger-Anleihe, das war 1984, konnte das Zündwarenmonopol von 1930 aufgehoben werden.

19. Eingriffliger Weißdorn (Crataegus monogyna Jacq. Rosaceae)

Gattung: Familie Rosengewächse
Vorkommen: Europa, Türkei, Levante, N-Irak, Kaukasus, N-Iran, NW-Afrika


Crataegus monogyna (= nur mit einem Griffel, das heißt einem Samen pro Blüte) ist meist ein mittelhoher Strauch, selten ein kleiner Baum. Der Weißdorn bevorzugt kalkhaltigen, lockeren, oft steinigen nicht zu flachgründigen Lehmboden und ist besonders gern an warmen Stellen an Waldrändern und in Hecken anzutreffen.

An einer doldig angeordneten Rispe an Kurztrieben stehen viele weiß/leicht cremefarbene Blüten mit roten Staubbeuteln.
Die rotbraun bis braungrünen Zweige werden im Alter grau und weisen ca. 1 cm lange Dornen auf.
Die Blätter sind 5–7teilig tief eingeschnitten, wobei die einzelnen Abschnitte abstehende Zähne aufweisen. Auf der Unterseite der Blätter an den Verzweigungen der Nerven behaart.

Weißdorn wird als Heilpflanze genutzt. Tee aus Weißdornblüten und -blättern wird zur Unterstützung der Behandlung bei Herzkrankheiten verordnet. Das gilt sowohl für den Eingriffligen als auch für den Zweigriffligen Weißdorn (Crataegus laevigata (POIR.) DC.).

20. Späte Traubenkirsche (Prunus serotina Ehrh. Rosaceae)

Gattung: Familie Rosengewächse
Vorkommen: Kanada: Ost; USA: Nordosten, nördl. Präriestaaten Ost, nördl. Präriestaaten, Südwesten, Südosten, Florida; Mexiko, Guatemala. Eingebürgert: Europa


Dieser in Nordamerika beheimatete Baum, wo er von Ontario bis nach Mexiko vorkommt, ist bei uns in Mitteleuropa als Zierpflanze bekannt. Da die Späte Traubenkirsche relativ anspruchslos ist (sie braucht eher trockenen, lehmigen Boden, der auch arm an Humus und Nährstoffen sein kann), nutzt man sie in Mitteleuropa zur ökologischen Verbesserung geringwertiger Standorte, wo sie rasch verwildert.

Die Blüten der Späten Traubenkirsche stehen zunächst aufrecht in 10–15 cm langen Trauben mit 15–25 Einzelblüten. Am Ende der Blütezeit beginnen die Trauben dann überzuhängen. Die kleinen weißen Einzelblüten haben einen Durchmesser von ca. 0,5–1,2 cm mit 5 sehr breiten Blütenblättern.
Ein gutes Unterscheidungsmerkmal sind die 5, nur 1 mm langen Kelchblätter, die auch an den reifen Früchten noch vorhanden sind.

Die glänzenden, kugelförmigen Früchte haben einen Durchmesser von knapp 1 cm und sind rot bis schwarz mit einem glatten Stein. Die Samen sind giftig denn sie enthalten Blausäureglykoside und sollten nicht zerkaut werden.
Die lederartig, glänzenden Blätter sind dunkelgrün, auf der Oberseite, an der Blattunterseite kahl mit charakteristischer Behaarung der Mittelrippe.
Die Blattform: breit-lanzettlich bis schmal-eiförmig, leicht nach unten gebogen, am Rand fein gezähnt, die Zähne zur Blattspitze gerichtet.

Als amerikanisches »Kirschholz« mit interessanter Maserung und rotbrauner Farbe wird die Späte Traubenkirsche in Nordamerika als wertvoller Nutzbaum betrachtet.

21. Einblattesche (Fraxinus excelsior L. Oleaceae »Diversifolia«)

Gattung: Familie Ölbaumgewächse
Vorkommen: Gartenherkunft


Im Stromberg kann man bei aufmerksamer Beobachtung einige ganz wenige Bäume mit einer kirschähnlichen Belaubung finden. Bei näherer Betrachtung erkennt man, dass sowohl Rinde als auch Knospen der unserer Esche entsprechen. Es handelt sich um die sogenannte »Einblattesche«, einer Mutationsstufe unserer gewöhnlichen Esche.

Nach Schaaf liegt hier ein interessanter stammesgeschichtlicher Rückschlag – Atavismus – vor. Es ist anzunehmen, dass die Eschen in früheren Erdperioden einblättrig waren und sich erst allmählich zur gefiederten Form entwickelt haben. Dies kann aus der Keimlingsentwicklung geschlossen werden.
Der Eschensamen treibt beim Keimen zunächst die zwei länglichen Keimblätter. Als zweites Blatt erscheint ein Blatt, das demjenigen unserer Einblattesche entspricht. Das drittälteste Blattpaar ist dreizählig und erst dann folgen gefiederte Blätter mit steigender Blättchenzahl.
Die einblättrige Esche bleibt also demnach auf der Entwicklungsstufe des zweiten und manchmal auch des dritten Blattpaares stehen.

Im Schlosspark von Monrepos bei Ludwigsburg ist mir auf dem Vestinplatz ein Baum bekannt, bei dem eine Knospe, bzw. heute der Ast, einer einblättrigen Esche die normale Entwicklung zur Fiederblättrigkeit weitergemacht hat und jährlich, im Gegensatz zum übrigen Stamm, normale Fiederblätter entwickelt.

Ähnlich wie der Keimling in großen Zügen die Stammesgeschichte wiederholt, läuft die Jugendentwicklung im Tierreich ab. Als Beispiel darf die Entwicklung des Frosches aus der Kaulquappe erwähnt werden.
Das so seltene Vorkommen der Einblattesche dürfte mit ihrem langsameren Wachstum zusammenhängen, denn nur so konnte die jüngere, wüchsigere Form, die fiederblättrige, die alte Einblattform fast zum Verschwinden bringen, wobei der Forstmann unbewusst kräftig mitgeholfen hat. Bei den Pflegehieben werden die geringwüchsigen Bäume ausgehauen. Da diese Arbeiten primär im Winter, also im laublosen Zustand erfolgen, werden die einblättrigen Individuen als solche nicht erkannt.

Das Holz der ursprünglichen Esche, der Einblattesche, welches mir 1971 Herr Professor Dr. W. Knigge vom Institut für Forst-Benutzung der Universität Göttingen in dankenswerter Weise untersucht hat, zeigt gegenüber der heutigen fiederblättrigen Esche keine Merkmale eines anderen, das heißt eines früheren, Aufbaus.
Blätter allerdings ändern sich – mutieren – leichter als das Holz. Eine Aussaat von einer Einblattesche aus dem Stromberg, die Dank der Hilfe von Revierleiter Günter Hofmann 1980 in der Hofkammerpflanzschule Pfahlhof gemacht werden konnte, brachte ca. 50% fiederblättrige Eschenpflanzen, der Rest streute, das heißt mendelte auf zwischen rein einblättrigen Individuen und solchen mit einem oder zwei Fiederpaaren, davon oft auch nur einzelne Blättchen. Dabei ist zu bemerken, dass der einblättrige Mutterbaum im Verband mit den heutigen fiederblättrigen Individuen steht und somit von dort her auch befruchtet wurde.

22. Sommer-Linde (Tilia platyphyllos Scop. Tiliaceae)

Gattung: Familie Lindengewächse
Vorkommen: Europa ohne Britische Inseln; Kaukasus. Eingebürgert: Britische Inseln


Der lateinische Name Tilia bezieht sich auf die faserige Struktur der Rinde. Von ihm ist das französische »tille« abgeleitet, mit dem die Fasern bezeichnet werden, die bei der Linde unter der äußeren Rinde liegen und die zur Herstellung von Seilen verwendet wurden.
Die Angelsachsen benutzten schon im 5. und 6. Jahrhundert auf ihren Schiffen Taue und Stricke aus Bast und auch die nordamerikanischen Indianer wussten Bastteile zu verwenden.
In Deutschland bezieht sich das Wort »Bast« speziell ebenfalls auf die Fasern der Lindenrinde, die zum Binden – »Bindebast« – vor allem in Gärtnereien verwendet wurden.

Das Holz der Linde ist weich und daher leicht zu bearbeiten. In ihrem Namen kommt dies zum Ausdruck, wenn man ihn vom althochdeutschen linta ableitet, das wohl auf das lateinische leutus = biegsam zurückgeht.
Dieses seidenglänzende Lindenholz, welches zwar beim Trocknen stark schwindet, aber dann nur noch wenig arbeitet, ist nach wie vor begehrt für Schnitzereiarbeiten. Beispielsweise wurde der herrliche Cyriakusaltar von 1520 in der Stadtkirche zu Besigheim von Christoph von Urach aus Lindenholz meisterhaft geschnitzt.

Zur Kennzeichnung der Gerichtsstätten hat man früher überwiegend Linden gepflanzt. Auf die 1000-jährige Linde von Meimsheim, von der heute nur noch ein Rumpfstück der äußeren Schale vorhanden ist, darf ich verweisen.
Da im Alter fast jede Linde von innen her ausfault, ergeben sich so ideale Behausungen für Wildbienen.
Zu vielen Schlössern und großen Landsitzen gelangte man einst durch eine Lindenallee, z. B. von Eglosheim nach Monrepos oder nach Ludwigsburg. Es muss im 17. Jahrhundert gewesen sein, dass die Linden als Parkbäume der Mächtigen in Mode kamen.

Sie wachsen turmförmig, bilden keine ausladende Krone, sondern recken ihre oberen Äste hoch und lassen die unteren hängen. Im Hochsommer erfüllen sie die Luft auf das Angenehmste mit dem ätherischen Duft ihrer Blüten, die heute noch gerne für Fiebertee gesammelt werden.

Doch trotz dieser Vorzüge ist die Linde einer der wenigen Bäume, die fast mehr Laster als Tugenden hat – ob sie deshalb wohl der Lieblingsbaum der Liebenden ist? Früher trafen sich die jungen Leute unter der Dorflinde. Nicht von ungefähr zog es die Liebenden zu den Linden, war doch die Linde, Freya, der germanischen Göttin der Liebe, der Fruchtbarkeit und des Hausstandes, geweiht. Im gewissen Sinne war also Freya für die Germanen eine ähnliche Gottheit wie die Venus für die Römer oder die Aphrodite für die Griechen.
In den herzförmigen Blättern der Linde sah man ein Symbol für Liebe. Der betörende Duft der Lindenblüten tat ein Übriges und beeindruckte die mittelalterliche Landbevölkerung, der die »Wohlgerüche Arabiens« unbekannt waren. »Unter der Linden, auf der Heide, da unser zweier Bette war«, sang schon um 1200 der aus Südtirol stammende größte Dichter des Hochmittelalters und Minnesänger, Walther von der Vogelweide.
Eines der bekanntesten Volks- und Liebeslieder, in denen die Linde vorkommt, dürfte wohl sein: »Am Brunnen vor dem Tore, da steht ein Lindenbaum ...« von W. Müller, dem Griechenmüller, 1794–1827.

In manchen Gebieten »honigt« die Linde sehr gut, so dass man den hellen, reinen Lindenhonig schleudern kann. Leider gibt es verschiedene Lindenarten, die einen für Bienen unwiderstehlichen Duft in ihren Blüten haben. Die in Schwärmen angelockten Bienen – ich bin selbst Imker – werden jedoch betäubt oder vergiftet, sodass der Boden unter diesen Bäumen oft mit sterbenden Bienen und Hummeln übersät ist. Ich bitte daher insbesondere die Gemeindeverwaltungen, aber auch Privatbesitzer von Grundstücken sehr herzlich folgende fremdländische Lindenarten bei uns nicht zu pflanzen: Krimlinde (Tilia euchlora), Hängesilberlinde (Tilia petiolaris), Silberlinde (Tilia tomentosa).

Lindenblätter werden gerne von Läusen bewohnt, deren Ausscheidungen als »Honigtau« bekannt sind. Durch die sich in diesem Milieu entwickelnden Rußtaupilze nehmen die Blätter oft eine unansehnliche schwärzliche Farbe an.

23. Winter-Linde (Tilia cordata Mill. Tiliaceae)

Gattung: Familie Lindengewächse
Vorkommen: Europa; Kaukasus, N-Iran, W-Sibirien


In weiten Teilen Europas heimisch ist die Winterlinde, da sie klimarobuster als die Sommerlinde und daher als Straßen- und Parkbaum besser geeignet ist. Sie bevorzugt tiefgründige, steinige Ton- und Lehmböden, die auch kalkhaltig sein dürfen. Daher ist sie gern in Auenwäldern und nicht zu trockenen Bergwäldern anzutreffen und reicht im Gebirge bis über 1400 m.

Bis zu 10 Blüten wachsen an einem Blütenstand aus der Blattachsel junger Zweige. Die weiß/gelblichen Einzelblüten mit einem Durchmesser von 11,5 cm haben 15–30 Staubblätter, darunter oftmals sterile Staubblätter, sogenannt Staminodien.
Im Gegensatz zur Sommerlinde reicht das flügelartige Hochblatt nie bis zum Grunde des Blütenstandstiels. Die hellen, sternförmigen Blüten ragen in alle Richtungen aus dem dunklen Laub.

Die kugelig, verholzten Früchte sind kleiner als bei der Sommerlinde und weisen nur 2 bis 3 undeutliche Längsrippen auf. Die zweizeilig angeordneten Blätter sind abgesehen von einigen Drüsenhärchen auf den Nervenbahnen kahl und dunkelgrün, auf der Unterseite sogar blau/grün. In den Innenwinkeln der Blattnerven auf der Blattunterseite finden sich Büschel rot/brauner Haare.
Mit 3–8 cm Durchmesser sind die Blätter der Winterlinde nur etwa halb so groß wie die der Sommerlinde.

Besonders junge Winterlinden bilden eine sehr harmonische, kegelförmige Baumkrone aus. Die Winterlinde wird auch etwas weniger von Blattläusen befallen als die Sommerlinde. In Großbritannien könnte sie die durch das Ulmensterben dort fast ausgerotteten Ulmen in Zukunft ersetzen.
Um die Linden ranken sich viele Erzählungen und Legenden (vgl. auch Text Nr. 22: Sommerlinde).

24. Silberpappel, Weißpappel (Populus alba L. Salicaceae)

Gattung: Familie Weidengewächse
Vorkommen: Europa ohne Britische Inseln und Skandinavien; Türkei, Israel, Jordanien, Kaukasus, W-Sibirien, Mittelasien, Himalaya, N-Afrika. Eingebürgert: Britische Inseln, Dänemark, N-Amerika


Den Namen Silber- oder Weißpappel hat der Baum wegen seiner weißlichen grauen Rinde und der weiß-behaarten, filzig-aussehenden Unterseite seiner Blätter. Das natürliche Verbreitungsgebiet dieses forstlich wenig bedeutungsvollen Baumes umfasst die Südhälfte Europas und den Orient.
So ist in der Bibel bei l. Moses 30, 37 – wo Jakobs Kindersegen und Reichtum sowie das Verhältnis zu Laban behandelt wird – zu lesen: »Nun nahm Jakob frische Ruten von Weißpappeln, Mandelbäumen und Platanen und schälte daran weiße Streifen aus, so dass das Weiße an den Ruten bloßgelegt wurde«.

Bis in die Mitte dieses Jahrhunderts wurde die Silberpappel angepflanzt, nicht nur wegen ihres Holzes und als Zierbaum, sondern auch wegen des aus ihrer Rinde gewonnenen salicinhaltigen und glukosidischen Populin, das als Stärkungs- und Fiebermittel dient.

Bei uns fühlt sich dieser Baum in den Niederungen und Flussauen am wohlsten. Die Samen besitzen einen wolligen Haarschopf und werden so durch den Wind weit verbreitet. Da dieser Samenflug in bewohnten Gebieten keine reine Freude bereitet, wird empfohlen – da der Baum zweihäusig ist – nur männliche Individuen zu pflanzen. Dies ist ohne weiteres möglich, weil die Vermehrung meist über Stecklinge erfolgt.

25. Bastard-Platane, Gewöhnliche Platane (Platanus x hispanica Münchh. Platanaceae)

Gattung: Familie Platanengewächse
Vorkommen: Heimat unbekannt


Der Ursprung dieses Bastards ist unbekannt. Man nimmt an, es handelt sich um eine Kreuzung zwischen der amerikanischen Platane – Platanus occidentalis – und der morgenländischen Platane – Platanus orientalis.

Dieser Hybridbaum hat in den Ortsbildern unserer näheren Umgehung stark zugenommen. Ich bedauere dies, da die Platane weder im Austrieb noch in der Herbstfärbung besonders attraktiv ist. Trotzdem will ich ihr aber als Straßen- und Alleenbaum einen gewissen, allerdings fremdländischen, Stil nicht absprechen.
Bemerkenswert an ihr ist der Stamm, der dort, wo sich die dunklere Außenrinde in Schuppen abgelöst hat, große Flecken in verschiedenen Grün- und Grautönen zeigt.

Dass dieser Baum infolge seines schnellen Wachstums und der großen Kronen die Stadtarchitektur vor sich selbst schützen kann, weiß man schon seit 200 Jahren, und dies ist, wie ich meine, bei dem heutigen, zuweilen hektischen Wachstum für die Stadtplaner beruhigend und verführerisch zugleich. Die Folge ist, dass man heute vielfach glaubt, sofort große Bäume pflanzen zu müssen, die einerseits teuer und andererseits im Durchschnitt nicht so alt werden wegen der Gefahr des Eintritts von Pilzen in die beim Versetzen zwangsläufig beschädigten Wurzeln.

Wenn man mitunter die Platane als den gehorsamsten Baum bezeichnet, dann wohl deshalb, weil sie trotz Schwefelsäure und Staub in der Luft noch etwas länger weiterleben kann und außerdem mit fast jedem Boden zurechtkommt. Gerade dies ist aber die große Gefahr. So geht man zuweilen im urbanen Bereich den bequemsten Weg, verschwendet wenig Gedanken an den heimatlichen Baumbewuchs und leistet so einen fragwürdigen Beitrag zur Nivellierung der Ortsbilder. Die Folge ist, dass ein Teil der Identität und Einmaligkeit unserer schwäbisch-fränkischen Heimat auf der Strecke bleibt.

Vielleicht greift aber auch hier die Natur selber regulierend ein. Von Italien her breitet sich nämlich eine Platanenseuche aus. Es ist der »Bunte Platanenkrebs«, wie er dort genannt wird – Ceratocystis fimbriata – der aus Amerika eingeschleppt wurde. Seine Welle bewegt sich zur Zeit in Richtung Norden.
Der Pilz dringt über Verletzungen der Rinde in die Bäume ein, sein Geflecht blockiert die Wasser- und Nährstoffleitbahnen und bringt so die Platanen zum Verdursten und Verhungern. Eine einzige Infektion genügt, um einen Baum innerhalb von zwei Jahren zum Absterben zu bringen.

Wie nachteilig für die Ökologie eine Einbringung von fremdländischen Platanen in größeren Mengen sein kann, hat erst vor kurzem der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland in einer Studie aufgezeigt: Danach sind auf einer heimischen Eiche etwa 300 Insektenarten zuhause und auf der fremden Platane nur eine einzige Insektenart.
Platanen sollten daher nur zur Bereicherung unserer Baumartenvielfalt in Einzelexemplaren und auf ausgesprochenen Zwangsstandorten eingebracht werden, aber keinesfalls als Massenanbau in unseren schwäbisch-fränkischen Heimatgemeinden.

Die an langen Stielen hängenden Fruchtbällchen dienen zuweilen als Christbaum-Schmuck. Die feinen Haarschöpfe der Nussfrüchtchen zählen mit zu den Erregern des sehr lästigen Heuschnupfens, auch Heufieber genannt.

26. Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus L. Aceraceae)

Gattung: Familie Ahorn-Gewächse
Vorkommen: Europa ohne Britische Inseln, Skandinavien; Türkei, Kaukasus


Der Berg-Ahorn erreicht ein Alter bis zu 600 Jahren und ist in den Alpen sehr verbreitet. Er erträgt tiefe Wintertemperaturen und bevorzugt im Sommer eher kühle und feuchte Standorte, da er hohe Ansprüche an den Wasser- und Humusgehalt des Bodens hat, obwohl er stehende Nässe meidet.
Im Wald setzt er sich als schattenertragende Art gegenüber lichtbedürftigen Laubbäumen durch. Besonders schöne Exemplare finden sich in den Gebieten der Almwirtschaft in den nördlichen Alpen.
Als Schutzbaum für das Vieh hat man sie beim Roden der früheren Bewaldung gern stehen gelassen. Bis an die Waldgrenze ist er hier anzutreffen.

Wie der Spitz-Ahorn ist der Berg-Ahorn auch ein sehr beliebter Aleen-Baum, wird aber mehr und mehr von der Platane verdrängt, die den Umweltbelastungen der Städte noch besser begegnen kann.

Der wissenschaftliche Name Acer pseudoplatanus weist auch auf die Ähnlichkeit mit der Platane hin, die sich sowohl auf die abblätternde Borkenbildung als auch auf die Blattform bezieht.

Die Blüten ähneln denen des Spitz-Ahorn, erscheinen aber im Gegensatz zu ihm erst nach der Laubbildung im Mai.
Das eindeutige Unterscheidungsmerkmal des Berg-Ahorns sind die Knospen am Ende der jungen Zweige: die grün/gelben Schuppen der Knospen sind mit braun/schwarzen Rändern gesäumt.
Instrumentenbauer verwenden das auffallend weiße Holz des Berg-Ahorns ebenso gern wie das des Spitz-Ahorns.

27. Gewöhnliche Esche (Fraxinus excelsior L. Oleaceae)

Gattung: Familie Ölbaum-Gewächse
Vorkommen: Europa, Türkei, Syrien, Kaukasus, N-Iran


Dieser in Kleinasien und Europa verbreitete Baum bevorzugt tiefgründige, gut durchlüftete, feuchte und nährstoffreiche Böden und gedeiht am besten an Standorten mit hoher Luftfeuchtigkeit.
Freistehende Exemplare bilden eine breite Krone aus und kräftige, astfreie Stämme mit längsrissiger Borke. Das ist auch der Grund, warum das Eschenholz sehr gefragt ist, zumal es hart, schwer und widerstandsfähig ist.

Die jungen einjährigen Zweige sind grau/grün und tragen tiefschwarze gegenständig abstehende halbrunde Knospen und an den Zweigenden ein eindeutiges Kennzeichen von Fraxinus excelsior, nämlich größere kappenförmige Endknospen, die an den Seiten von zwei kleineren ebenso schwarzen Seitenknospen eingerahmt sind.

Die unscheinbaren Blüten ohne Kelch- und Kronblätter, die vor den Blättern erscheinen, an leicht überhängenden büscheligen Rispen sind meist zwittrig, seltener nur männlich aus den rot/violetten Staubbeuteln tritt nach Aufbrechen schwefelgelber Pollen aus.

Auch die braunen Früchte, mit einem Samen und bis zu 4 cm langen Flügeln, hängen in büschelartigen Rispen über. Die Blätter sind gegenständig und unpaarig gefiedert, mit 5–7 Paaren von Teilblättchen, die fein gezähnt, auf der Oberseite glatt und an den Mittelnerven der Unterseiten leicht kraushaarig sind.

Die Tatsache, dass Linné der Gewöhnlichen Esche den Beinamen »excelsior« gegeben hat hat vielleicht auch damit zu tun, dass die Esche in der nordischen Mythologie eine so herausragende Rolle gespielt hat: »Mitten in Midgard liegt Asgard – und mitten in Asgard haben die Götter einen ›Hofbaum‹ gepflanzt, eine riesige Esche, genannt Yggdrasil. Eine ihrer Wurzeln liegt in Asgard, eine weitere in Riesenheim und eine dritte in Niflheim. Ihre Zweige ragen so weit, dass sie die ganze Welt überschatten. Yggdrasil ist das Zentrum der Welt ­ und solange der Baum grün ist und fruchtbar und neue Triebe trägt ­ so lange wird die Welt bestehen.« (Tor Age Bringsvaerd).

Die germanische Mythologie nennt »Ask« die männliche Esche, und »Embla« die weibliche Erle als das erste Menschenpaar.
Die Esche war früher das Symbol für die Macht des Wassers. In ganz Nordeuropa war sie geheiligt und daher geschützt. Fällte man im angelsächsischen Raum zwei Eschen, stand darauf unweigerlich die Todesstrafe.

O weiser Baum,oh, schenke mir ein Stück Unsterblichkeit,
gib preis der Väter Gut Aus Eis und Feuer;
gönne mir das Glück, Welt zu erschaffen, wo noch alles ruht.
O windzerzauster Baum, gib mir Mut.
Hoch raget dein Geäst ins Himmelreich,
kein Blitzstrahl und kein Donners Leid.
O Yggdrasil, vor Ehrfurcht ich erbleich,
oh, Odin's heil'ge Esche, zeige mir dein Reich.

(Joan Aiken, The Weeping Ash)

28. Ginkgo (Ginkgo biloba L. Gingkoaceae)

Gattung: Familie Ginkgogewächse
Vorkommen: SO-China


Ein laubabwerfender, zweihäusiger Baum mit keil- bis fächerförmigen, parallel-nervigen Blättern und einem Einschnitt in der Mitte, daher lateinisch biloba = zweilappig.
Der Ginkgo bildet einen entwicklungsgeschichtlich interessanten Übergang zwischen Nadel- und Laubhölzern. Seine entfernte Verwandtschaft mit den heutigen Nadelbäumen scheint der Ginkgo selbst noch im hohen Alter mit seinem stämmigen Erscheinungsbild und dem Blatt, welches aussieht wie zusammengewachsene Nadeln, zu verraten. Wegen dieser Besonderheit hat die Deutsche Dendrologische Gesellschaft – eine Gesellschaft, die sich mit Holzgewächsen befasst – einst das Ginkgo-Blatt als ihr Abzeichen gewählt.

Der Ginkgo gehört zu den Bäumen, die sich in langen Zeiträumen kaum weiterentwickelt haben. Man bezeichnet deshalb solche Arten als stabile Formen oder als »lebende Fossilien«. Dieser Baum hat seit 180 Millionen Jahren, das ist die Zeit, als die Keuperschichten unseres Stromberges und die Kalke der Schwäbischen Alb abgelagert wurden, sein gleiches Aussehen, was wir aus Versteinerungen wissen.

Lebewesen, die sich einfach geweigert haben, an der Entwicklung vom Niedrigen zum Höheren teilzunehmen, fordern uns schon einen gewissen Respekt ab. Es gibt Krabben und auch Insekten, die sich seit 100 Millionen Jahren so gut wie nicht weiter entwickelt haben. Aber wenn ein Waldbaum seine Verwandten und Abkömmlinge überlebt und dem Drift der Kontinente, der Entstehung der Gebirgsketten, dem Kommen und Gehen von Reptilienzeitaltern und Eiszeiten unbewegt zuschaut und all das 200 Millionen Jahre unverändert überstanden hat, dann zeugt das schon von einer einzigartigen Zähigkeit und von einem gesunden Bauprinzip.

Der Ginkgo sowie die als »Nadelbäume« zusammengefassten Koniferen = Zapfenträger und Eibengewächse bilden die uralte Gruppe der nacktsamigen Pflanzen. Ihnen allen ist gemeinsam, dass ihre Samenanlagen unbedeckt auf den Samenschuppen der Zapfen liegen.
Darin besteht auch der Hauptunterschied zu den entwicklungsgeschichtlich jüngeren, bedecktsamigen, also den Laubbäumen, deren Samenanlagen von Fruchtschuppen umhüllt sind, aus denen sich später Fruchtknoten und Frucht entwickeln. Streng genommen haben die nacktsamigen Bäume also keine eigentlichen Früchte.

Die allgemein bekannten Koniferen haben meist nadelartige Blattorgane, weshalb sie der Volksmund einfach »Nadelbäume« nennt. Ich muss allerdings bemerken, es gibt auch Nadelbäume ohne klar erkennbare Nadeln, z.B. das in diesem Buch ebenfalls behandelte Chinesische Rotholz oder die Sumpfzypresse.

In der geschichtlichen Entwicklung ist die große Zeit der Nadelbäume schon vorüber. Seit vielen Millionen Jahren sind sie sowohl in ihrer Zahl als auch in ihrer Verbreitung im Rückzug. Bevor die heutigen Nacktsamer (Nadelbäume) entstanden und lange vor der Entwicklung der Laubbäume, war der Ginkgo über die ganze Erde verbreitet. Sein Niedergang begann schon vor den Eiszeiten, aber er blieb am Leben, denn irgendwo in China gab es noch eine Nische für diesen seltsam differenzierten Primitiven.

Seit 1754 wird der Ginkgo in Europa, zumindest in Gärten, wieder angebaut. Sein heutiger Name ist die japanische Version seines chinesischen Nachkommen Yin-kuo, was so viel wie »Silberfrucht« bedeutet.

Neben seinem hervorragenden Holz – es entspricht etwa dem unserer Tanne – das man zum Tempelbau verwendete, waren seine Samen ein weiterer Grund, warum man diesen Baum anbaute. Die gerösteten Kerne isst man zu alkoholischen Getränken etwa so wie wir Nüsse. Die fruchtfleischartigen Samenschalen sollen die Männer Ostasiens als sexuelles Anreizmittel verwenden, dazu darf man allerdings die Samenschalen nicht überreif werden lassen, da sie sonst widerlich nach Buttersäure stinken.
Im übrigen ist der Ginkgo mit seinen Blättern ein bewährtes Mittel zur Gefäßerweiterung und damit zur Förderung der Durchblutung.

Abschließend das Gedicht, das Johann Wolfgang von Goethe dem Ginkgo-Baum in seinem Weimarer Garten gewidmet hat:

Gingo biloba
Dieses Baums Blatt, der von Osten
Meinem Garten anvertraut,
Gibt geheimen Sinn zu kosten,
Wie's den Wissenden erbaut.
Ist es ein lebendig Wesen.
Das sich in sich selbst getrennt?
Sind es zwei, die sich erlesen,
Dass man sie als Eines kennt?
Solche Frage zu erwidern
Fand ich wohl den rechten Sinn;
Fühlst du nicht an meinen Liedern
Dass ich Eins und doppelt hin?

Wolfgang von Goethe

29. Europäische Eibe, Gewöhnliche Eibe (Taxus baccata L.Taxaceae)

Gattung: Familie Eibengewächse
Vorkommen: Europa, Kaukasus, N-Afrika


Die Eibe gehört zu den wenigen zweihäusigen – die Blüten stehen nach Geschlechtern getrennt auf verschiedenen Bäumen – Nadelbaumarten und war einst auch in den deutschen Wäldern stark verbreitet. Aus dem harten, zähen und biegsamen Holz wurden schon in der Steinzeit Bogen und später Armbrüste gefertigt.
Der lateinische Gattungsname der Eibe kommt nicht zu Unrecht von »toxos« = Bogen, Pfeil. Selbst das deutsche Wort Eibe lässt sich auf die alt-hochdeutsche Bezeichnung »iwa« zurückführen, was eben falls Bogen, Armbrust bedeutet.
Besonders die Engländer haben das Holz für ihren Kampf gegen die Normannen aufgekauft, wurden dann aber doch in der Schlacht bei Hastings 1066 besiegt. Damals paktierten die Schotten mit den normannischen Eroberern in England und daraus resultiert die zuweilen heute noch unterschwellig spürbare Spannung zwischen Engländern und Schotten.

Eine letzte Welle des Aushiebs von Eibenholz, vor allem aus den Wäldern der österreichischen Alpen, erfolgte im 16. Jahrhundert durch die Nürnberger Eibenholzhandelsgesellschaft der Fürer und Stockhamer. Die Höhe der gesamten Eibenholzausfuhr dieses Unternehmens – ebenfalls nach England – wird bei einer 40-jährigen Dauer der Geschäfte auf jährlich 20.000 Bögen geschätzt.
Diejenigen Eiben, die diesem früh-kapitalistischen Holzhandel entgangen sind, wurden später durch die Kahlschlagwirtschaft, die ihnen wenig zusagt, erneut dezimiert.

Die Erklärung, warum schon Kelten, die ein auf die Nerven wirkendes, tödliches Pfeilgift aus der Eibe gewannen und Römer, die eine ausgezeichnete Pferdezucht hatten, in der Eibe so etwas wie einen Totenbaum sahen, ist wohl das Gift, ein spezifisches Einhufer-Pferdetoxin, das Taxin. Dieses ist mit Ausnahme des fleischigen, roten, in seltenen Fällen auch gelben Samenmantels, in allen Teilen des Baumes einschließlich der schwarzen Samenkerne bis zu 2 % konzentriert enthalten.
Auffallend ist, dass, nach Sepp Erbacher, Weil im Schönbuch, Rehe, anscheinend ohne Schaden zu nehmen, Eibensämlinge gerne verbeißen. In und an Reitanlagen werden keine Eiben mehr gepflanzt, da Pferde, die davon fressen, Schaden nehmen.

In unserer schwäbischen Heimat haben wir heute noch einen Eibenschwerpunkt auf der Schwäbischen Alb, etwa zwischen Tuttlingen und Hechingen, bei Eibach am Alb-Aufstieg sowie in Oberschwaben im Hofkammerrevier Zußdorf und bei Adelegg.

Der Name der einst weit verbreiteten Eibe kommt heute noch in verschiedenen Ortsnamen vor, z. B. Eibensbach im nördlichen Stromberg, die Iburg bei Stetten im Remstal, Eibach bei Geislingen an der Steige usw.

Als älteste Eibe Europas wird ein Baum in der englischen Grafschaft Kent angesehen, dessen Alter auf 2500–3000 Jahre geschätzt wird. Da die Eibe sehr viel Schatten erträgt, ist sie bei uns die bei weitem beste Heckenpflanze. Sie ist so dicht und von so gleichmäßiger Textur, dass man sie mittels Schnitt gut als architektonisches Element verwenden kann. Besonders beliebt waren derartige Schnittformen in den Parks der Zeit des französischen Königs Ludwig XVI. Das Holz der Eibe wird, ähnlich wie das Holz der Weißbuche, bei entsprechender Einfärbung als sogenanntes »deutsches Ebenholz« verwendet.

30. und 50. Chinesisches Rotholz (Urwelt-Mammutbaum) (Metasequoia glyptostroboides Hu et W.C. Cheng Taxodiaceae)

Gattung: Familie Sumpfzypressengewächse
Vorkommen: China: Sichuan, Hupeh


Diese interessante Baumart, die der Sumpfzypresse sehr ähnlich sieht, galt als ausgestorben. In versteinerter Form kannte man sie aus Ablagerungen der Kreidezeit, also aus Schichten, die einst wohl noch über unserer Schwäbischen Alb lagen.

Das Chinesische Rotholz gehört zu den Nadelbäumen, die bereits seit 200 Millionen Jahren stark verbreitet sind. Während es Beweise für die Existenz von Blütenpflanzen erst seit etwa 100 Millionen Jahren gibt. Durch einen Zufall fanden 1941 japanische Botaniker im Osten der Provinz Szetschuan in China verschiedene, heute noch lebende Exemplare dieser Urgattung eines Nadelbaumes. Die Welt war begeistert von dem Fund der lebenden Fossilien, und in wenigen Jahren wurde dieser seltsame Baum mittels Stecklingen und Samen über die ganze Welt verbreitet.

Stecklinge haben ­– und das hat sich auch bei dieser Urform eines Nadelbaumes gezeigt – leider den Nachteil, dass sie im Gegensatz zu Kernwüchsen nicht so wipfelschäftig erwachsen. In der Zwischenzeit stellte sich heraus, dass das Chinesische Rotholz in China gar nicht so selten ist und von den Einheimischen als »Wasserlärche« bezeichnet wird.

Die jungen Zweige mit den wunderschönen grünen Nadeln, die mit 2–4 cm Länge länger als die der sehr ähnlich aussehenden Sumpfzypresse sind, werden in China vielfach als Viehfutter »geschneitelt«, das heißt heruntergeschnitten, und dem Vieh vorgeworfen.
Auffällig sind bei diesem Baum die Längswülste, das heißt die starke Spannrückigkeit an der Basis der verdickten Stämme.

Im Stromberg erfolgte 1955 im Staatlichen Forstamt Güglingen ein erster Anbauversuch, von dem leider nichts mehr übrig ist, da die Stämmchen anscheinend einen Leckerbissen für unsere Mäuse darstellen und von diesen restlos geschält wurden. Aus einem zweiten Anbauversuch von 1981 sind nach Auskunft des Forstamtes noch etwa zehn Chinesische Rotholzstämmchen vorhanden.

31. Trauben-Eiche (Quercus petraea (Matt.) Liebl. Fagaceae)

Gattung: Familie Buchengewächse
Vorkommen: Europa, Türkei, Syrien, Kaukasus, N-Iran


Trauben-Eichen brauchen Wärme und gut durchlüftete lehmige Böden, die jedoch keine Staunässe aufweisen sollten. Es handelt sich meist um einen mächtigen Baum, dessen Stamm bis weit in die Baumkrone ragt. Der Stamm, weniger rau als bei der Stiel-Eiche, und die Hauptäste, die schräg nach oben weisen, können eine breit ausladende Krone bilden.

Die männlichen und die weiblichen Blütenstände erscheinen auf derselben Pflanze im April/Mai zusammen mit den Blättern ca. zwei Wochen später als diejenigen der Stiel-Eiche. Die männlichen Kätzchen sind bis zu 6 cm lang, die weiblichen Blüten finden sich zu zweit bzw. dritt sitzend oder kurzgestielt.
So sitzen auch die Früchte im Gegensatz zur Stiel-Eiche ungestielt an den Ästen.

Die harmonisch geformten Blätter sind jedoch deutlich gestielt und fiederlappig eingebuchtet und werden zum Blattstiel hin schmäler, dort ohne Einbuchtungen.

Das Holz der Trauben-Eiche ist ein besonders wertvolles Nutzholz. Anders als bei der Stiel-Eiche eignet es sich allerdings nicht zur Herstellung von Holzfässern, da es weicher ist. Dafür kann man es leichter bearbeiten und ist ein hervorragender Rohstoff zur Herstellung von hochwertigen Eichenfurnieren (vgl. Text Nr. 32: Stiel-Eiche und Text Nr. 42: Zerr-Eiche).

32. Stiel-Eiche (Quercus robur L.Fagaceae)

Gattung: Familie Buchengewächse
Vorkommen: Europa, Türkei, Kaukasus


Bei dieser deutschen Eiche sitzen die Früchte zu mehreren locker an einem 5–12 cm langen Stiel; bei der ebenfalls in Württemberg heimischen Traubeneiche in kurzgestielten Trauben dicht beisammen. Bei den Blättern ist es umgekehrt: die kurzgestielten 4–8 cm langen Blätter der Stiel-Eiche bilden steife Rosetten an den Zweigenden, weshalb ihre Krone nicht sehr dicht ist und viel Licht durchlässt. Die 1–1,5 cm langgestielten Blätter der Traubeneiche, die häufig den Winter über am Baum bleiben, ergeben dagegen einen gleichmäßigen Behang und vollen Schatten.

Von unseren heimischen Bäumen ist keiner so mit Mythologie befrachtet wie die Eiche. Viele indogermanische Völker verehrten sie. Die Griechen weihten sie Zeus, die Römer Jupiter und die Germanen Thor, später Donar genannt, dem Gott der Blitze und des Donners.
Die Gründe lagen wohl in der majestätischen Gestalt der Eiche und in ihrer Eigenschaft Blitze anzuziehen. Wegen der hohen Dauerhaftigkeit galt das Holz der Eiche in der Antike und im Mittelalter als unverwüstlich und war somit ein Symbol der Unsterblichkeit.
Darauf geht wohl zurück, dass heute noch bei uns die Särge, wenn schon wegen der hohen Kosten nicht massiv in Eichenholz, so doch wenigstens mit Eichenholzdekor gefertigt werden.

Wie die 724 von Bonifatius beim hessischen Geismar gefällte Donareiche, fiel manche geheiligte Eiche der Christianisierung zum Opfer und noch lange danach galten Eichen als verwünschte Teufels- und Hexenbäume. Erst im 16. Jahrhundert erinnerte man sich wieder der antiken Eichensymbolik und verwendete ihre Embleme in heraldischen und anderen Ornamenten.

Die patriotische Verehrung der »deutschen Eiche« fing erst im 18. Jahrhundert mit Klopstock an. Zum Sinnbild des Sieges und Heldentums wurde Eichenlaub zu Anfang des 19. Jahrhunderts zum ersten Mal auf dem Eisernen Kreuz von 1813, dann in der Turner- und deutschen Einigungsbewegung.

Die meist im Niederwaldbetrieb gewonnene Eichenschälrinde (Lohe = Abgeschältes, Losgelöstes) hatte früher bis in den Zweiten Weltkrieg hinein eine sehr bedeutende Rolle besonders in der Wirtschaft des deutschen Westens gespielt, da sie das beste und früher auch einzige Mittel zur Gerbung des Leders war.
Daneben gaben aber auch die meist stehend geschälten und gut ausgetrockneten Eichenstangen ein vorzügliches und geschätztes Brennholz ab und ließen, besonders in unserem Weinbaugebiet, auch eine hochwertige Verwendung als Rebpfähle zu.
Spaltstücke dieser Eichenstangen wurden aber auch in die Gefache unserer Fachwerkhäuser eingespannt und dazwischen mit Ruten aus Weiden und Hasel ausgeflochten, ehe das Ganze mit einem Gemisch aus Lehm und Spreu verschmiert wurde. Von diesem Hineinwinden der Weiden- und Haselnussruten ist das deutsche und niederländische Wort »Wand« abgeleitet.

Die Schälwaldumtriebszeit wird mit Rücksicht auf die frühzeitige Bildung einer rissigen und groben Borke statt der erwünschten glatten Spiegel- oder Glanzrinde, möglichst niedrig gewählt und liegt bei etwa 15–20 Jahren.
Nur die Glanzrinde hat den erwünschten hohen Gerbstoffanteil von bis zu 15 %. Die schwachen Stangen werden dann im Frühjahr, wenn sie in Saft gekommen sind, mit dem Lohlöffel geschält und die gewonnene Rinde auf Unterlagen zum Trocknen luftig gelagert. Die Massenerträge liegen auf mittleren Bonitäten bei etwa 4 Fm Holz und 5 Zentner Rinde je Hektar und Jahr.

Der Verkauf der Rinde aus den staatlichen und privaten Forstämtern um Bietigheim-Bissingen erfolgte meist auf dem seit 1860 regelmäßig durchgeführten Heilbronner Rindenmarkt, der einen jährlichen Umsatz von 20.000–50.000 Zentner Glanz- und Grobrinde erbrachte. Der letzte Rinden-Markt in Heilbronn wurde 1899 abgehalten.

Um 1900 standen im Altreich noch ca. 446.000 ha der Gesamtwaldfläche bzw. 50 % der gesamten Niederwaldfläche in Bewirtschaftung auf Eichenlohe. Die Eichenrinde musste genauso wie die Fichtenrinde zunächst zerkleinert, das heißt gemahlen, werden. Dies geschah nach W. Geisler und seiner Schularbeitsgemeinschaft in Bietigheim-Bissingen in folgenden Spezialmühlen: Die Bietigheimer Schleifmühle (heute die Hübner'sche Mettermühle) die Untere Mühle an der Metter (heute das Ordnungsamt) und schließlich die alte Ölmühle am rechten Enzufer, welche 1987 abgebrochen wurde. Bereits 1342 stand dort eine Lohmühle und 1692 eine Loh- und Walkmühle.

Mit der Einführung fremdländischer Ersatzstoffe, besonders des Quebrachoholzes aus Argentinien, und mit der steigenden Höhe der im Schälwald ins Gewicht fallenden Lohnkosten hat sich hierin aber ein entscheidender Wandel vollzogen, der bald nach Ende des Zweiten Weltkrieges zum völligen Niedergang dieser einst hochrentablen Wirtschaft geführt hat.
In Württemberg wurden bis zum Jahre 1969 lediglich noch im Staatlichen Forstamt Schöntal jährlich ca. 40 dz Eichengerbrinde für Spezialzwecke aufbereitet. Nach der Einbürgerung der Fichte in unserem Raum wurde auch hier Fichtengerbrinde gewonnen.
Das Schälen oder Lohen in der Saftzeit machte weniger Arbeit als bei der Eiche, außerdem lässt sich Fichtenlohe nicht so leicht durch chemische Mittel ersetzen, da sie unter anderem das für die Gerbung nötige Quellen der Häute bewirkt. Trotzdem ist die Nachfrage heute so gering, dass seit 1958 im Kreis Ludwigsburg keine Fichtenschälrinde mehr aufbereitet wird.

Waren die Häute gegerbt, wurden sie aus der Lohe, der gemahlenen Rinde, herausgenommen, übrig blieb der wertlose Lohkäs. Davon leitet sich die Redewendung ab: »Der schwätzt einen Lohkäs raus«.

Die Gerberhäuser, so auch das des Bietigheimer Gerbers August Grimm in der Holzgartenstraße, an der einst altehrwürdigen unteren Metterbrücke (abgebrochen 1951), standen immer an kleinen Flüsschen, wo sie ihre Häute wässern konnten. Hatten sie diese nicht genügend befestigt, so »sah gar mancher seine Felle fortschwimmen«, das heißt, die Gerber sahen dann ihre Hoffnungen auf Erfolg schwinden.

Die gemeine Eichengall-Laus Diplolepis quercus-follii, bringt mit einer Legeröhre ihre Eier in das Gewebe junger Eichenblätter. Unter der Reizwirkung des sich entwickelnden Eies und der Larve bilden sich an der Blattunterseite bis etwa 2 cm große kugelige Gallen mit einer Kammer für die Larve. Diese Eichengalläpfel sind zunächst saftig und von gelbgrüner Farbe, meist mit leicht rötlichen Bäckchen.
Die noch in meiner Schulzeit verwendete sogenannte Eisengallustinte war bereitet aus der Gallussäure dieser Eichengalläpfel unter Zusatz von Eisenvitriol und Tannin.

In schlechten Zeiten hat man in meinem Elternhaus Eicheln geröstet für den sogenannten Eichelkaffee. Ob er gut oder weniger gut schmeckte, daran vermag ich mich allerdings nicht mehr zu entsinnen. Selbst die Firma Kaffee-Frank, Ludwigsburg, hat noch im 2. Weltkrieg Eicheln geröstet.

Es ist nicht so sehr das Holz, an dessen Nutzbarmachung wir heute in erster Linie beim Wald denken, vielmehr hatte im Mittelalter das, was der Forstmann heute als Nebennutzungen bezeichnet, den augenfälligsten Wert: Der Wald war die notwendige Ergänzung für die mittelalterliche Acker- und Wiesennahrung. Neben dem noch artenreichen Wild beherbergte er ganze Viehherden (Rindvieh, Pferde, Schafe und Ziegen). Die Nutzung selbst hieß »Blumbesuch«.
Einen Sonderfall der Waldweide stellt die Schweinemast dar. Während die Viehtrift im Herbst zu Ende ging, wurden die Schweine gerade dann in den Wald getrieben.
Der wichtigste Bestandteil des Schweinefraßes, »Eckerich« genannt, waren die Eicheln (Fruchtertrag in Samenjahren etwa 5000 kg/ha). Sie bildeten mit Bucheckern, Nüssen, Wildobst, Hagebutten, Schlehen, Speierlingsfrüchten und Beeren die Obermast. Zur Untermast gehörten Wurzeln, Pilze, Mäuse, Würmer, Schnecken und Insektenlarven.
Die Schweinemast war für die Volksernährung von erheblichem Wert und wuchs sich allmählich zu einer beträchtlichen Erwerbsquelle für den Grundherrn aus. Eine grundlegende Anderung trat erst ein mit der in Württemberg Anfang des 18. Jahrhunderts beginnenden Verbreitung des Kartoffelanbaues durch den Waldenserführer Amaud von Schönenberg.
Urkundlich lässt sich die Nutzung des Geäkkers in Deutschland bis ins 3. Jahrhundert n. Chr. verfolgen. Der Forstmann spricht bei einem Eichen- und Buchensamenjahr heute noch von der Eichen- bzw. Buchenmast und nicht von Samen.

Hauptursache der vor allem an den Eichen zu beobachtenden Frostrisse ist die »Kälteschwindung«, die durch »innere Trocknung« zustande kommt und ebenso wie die normale Holzschwindung in Jahrringrichtung wesentlich größer ist, als in Richtung auf die Stammachse.
Infolge des tangential-radialen Schwindungsunterschiedes entstehen bei tiefen Temperaturen kritische, mit einem lauten, büchsenschussähnlichen Knall zu Frostrissen führende Querzugspannungen. Diese Risse versucht dann der Baum in der nächste Vegetationsperiode zu überwallen, was zum Teil auch gelingt, aber die Verwachsung ist in den unmittelbar nachfolgenden Wintern dann noch so schwach, dass bereits bei kleineren Frosteinwirkungen die Risse sich wieder auftun und der Vorgang beginnt von Neuem. Auf diese Weise entstehen ganze Überwallungsleisten.
Eichenrinde, im Frühling gewonnen, diente zum Färben in gelbbraunen Tönen.

Ein naher Verwandter unserer einheimischen Eiche wächst in der Mittelmeerregion. Es ist die immergrüne Korkeiche – Quercus suber.
Was diesen Baum interessant macht, ist seine dicke Korkrinde. Wirtschaftlich nutzt man die Korkeiche vor allem auf Sardinien, in Spanien und Portugal. Kork als Flaschenverschluss ist aber erst seit dem 15. Jahrhundert bekannt. Die griechischen und römischen Weinamphoren wurden noch mit Wachs versiegelt.
Wegen seiner Schwimmfähigkeit wird Kork, der am Stamm alle 10–15 Jahre ohne die Korkmutterrinde zu verletzen, geschält werden kann, für Rettungsringe und Schwimmwesten verwandt.

Abfälle und Korkmehl dienen zur Linoleumherstellung. Die amerikanische Roteiche, die heute auch bei uns in Württemberg wegen des rascheren Wachstums und der geringen Ansprüche an den Boden zuweilen angebaut wird, ist charakteristisch in ihrer Blattform und zeigt im Herbst eine leuchtend rote Belaubung. Wir können diese Bäume zum Beispiel auch im Staatswald Forst (zwischen Bietigheim und Ingersheim) antreffen.
Ein Nachteil des Holzes ist allerdings, dass es zu Weinfässern nicht verarbeitet werden kann, da die großen Holzporen den leicht flüchtigen Alkohol durchlassen.

33. Gewöhnlicher Judasbaum (Cercis siliquastrum L. Caesalpiniaceae)

Gattung: Familie Caesalpiniaceae
Vorkommen: Europa: Frankreich, Apenninenhalbinsel, Balkanhalbinsel; Türkei, Syrien, Israel, Jordanien. Eingebürgert: Iberische Halbinsel, Krim


Dieser bis etwa 15 m hohe Baum ist im Mittelmeerraum zu Hause. Ich habe in meinem ehemaligen Forstamtsgarten in der Moltkestraße 1958 ein Exemplar gepflanzt, das heute noch an der Südostecke des Hauses steht und sich dort wohlfühlt.

Wenn der Baum im Mai blüht, was fast in jedem Jahr der Fall ist, biegen sich die Äste unter einer überreichen Fülle kleiner, flieder-blauer Blüten. Leider habe ich den Fehler gemacht, diesen wunderschönen Baum unmittelbar neben einen Fliederbusch zu setzen, der jeweils in derselben Zeit und fast in derselben Farbe blüht.
Zu den Eigenarten dieses Baumes gehört, dass er nicht nur seine jungen Zweige, sondern auch dicke Äste und selbst seinen Stamm mit Blütenbüscheln dekoriert. Er gehört somit zu den wenigen Bäumen, die unmittelbar aus dem Stamm heraus zu blühen vermögen (Cauliflori).
Heute noch gibt es in den Tropen Bäume oder hohe Stauden, bei denen neben Vögeln auch Fledermäuse eine Bedeutung für die Bestäubung der Blüten haben. Um diesen Tieren den Anflug zu erleichtern, hängen die Blütenstände bei derartigen Pflanzen weit aus dem Kronendach heraus – Bananen – oder sind unter den Blättern am Stamm angeordnet, wie hier zum Teil beim Judasbaum.

Hartnäckig hält sich die Legende, Judas Ischariot habe sich an einem solchen Baum erhängt. Der französische Artname stellt dies, wie ich meine, richtig: L'arbre de Judée – der Baum aus Judäa.

Das schwarz und grün geaderte Holz wird von Schreinern verwendet, aber auch zum Färben in Braun- und Gelbtönen.

34. Baum-Hasel (Corylus colurna L. Betulaceae)

Gattung: Familie Birkengewächse
Vorkommen: Europa: Balkanhalbinsel, Rumänien; Türkei, Kaukasus, Iran


Als das Klima vor etwa 8000 Jahren wärmer wurde, unterwanderte die Hasel den hier vorhandenen Birken-Kiefern-Wald, veränderte die Vegetationsbedingungen und bereitete so das Zeitalter der Eiche vor.
Die Menschen der damaligen Mittleren Steinzeit waren im wesentlichen noch Fischer und Jäger. Sie sammelten und verzehrten unter anderem Haselnüsse, deren Schalenstücke sich oft massenhaft neben Haufen von Muschelabfällen, Fischgräten, Wildknochen und Geweihstangen in der Umgebung ihrer Wohnstätten und Herdstellen finden.

Die prächtigen Kätzchen der Hasel, die Frühjahrsboten für die Bienen, tragen die männlichen Blüten und jedes kann bis zu 4 Millionen Pollenkörner ausstreuen.
Wir sind in der glücklichen Lage im nördlichen Gebiet des Kreises Ludwigsburg zwei der wenigen im württembergischen Unterland pollenanalytisch auswertbaren Moore zu haben. Beide reichen bis in die Wärmezeit – Stufe VII Eichenmischwaldzeit mit viel Hasel – zurück und zeigen uns über den dort konservierten Blütenstaub, was einst hier gewachsen ist bzw. kultiviert wurde.
Es handelt sich um eine Gipskeuperdoline auf Markung Sersheim und eine solche auf Markung Geisingen, unmittelbar östlich unserer Siedlung Buch. Bei letzterer stand bis 1838 das Boudoirschlösschen aus der einstigen Englischen Anlage Herzog Karl Eugens in Hohenheim. Die dazugehörigen Bäume wurden erst 1910 aus landwirtschaftlichen Gründen gefällt.
Die starke Verbreitung der Hasel lieferte den Namen für den Ort Hohenhaslach. Der heutige Hase im Wappen dieses Ortes ist somit irreführend.

Wegen des leichten und sehr biegsamen Holzes wurden früher aus den jungen Haselnussraiteln (Ruten) Fassreifen, Fischreusen, Speere usw. gefertigt. Es gab sogar eine Zunft, die sich »Fassraitelschneider« nannte.
Die Haselnussruten wurden aber auch benützt, um die Gefache unserer alten Fachwerkhäuser auszufüllen. In diese Gefache wurden in bestimmten Abständen stärkere senkrechte Hölzer, meist Spaltstücke aus Eichenschälwaldungen, eingespannt und quer dazu dann Haselnuss-, Weiden- und sonstige Ruten »hineingewunden«.
Das Ganze hat man dann mit einem Gemisch aus Lehm und Spreu ausgestrichen. Von diesem Hineinwinden der Ruten ist unser deutsches Wort »Wand« abgeleitet. In den romanischen Ländern kennt man nur »mur« = Mauer.

Haselnüsse, die in ihren Speicherkeimblättern etwa 60 % fettes Öl enthalten, gelten nach altem Volksglauben und Volksbrauch als Sinnbilder der Fruchtbarkeit. Der Name Hasala weist auf ältestes deutsches Volksrecht hin. »Haslach« hießen die germanischen Mahl- und Gerichtsstätten, weil sie mit Haselbüschen und Haselgerten abgegrenzt waren.

Das dichte Haselgebüsch, vor allem in den einst bei uns weit verbreiteten Mittelwäldern, war unübersichtlich und die wohlschmeckenden Nüsse sollten die Liebeskraft stärken. Deswegen gingen die jungen Leute gern »in die Haselnüsse«. Eine alte Volksweisheit besagt daher: »Viele Haselnüsse – viele uneheliche Kinder«.

Sehr versteckt finden wir das Nussmotiv in dem Märchen vom Aschenputtel. Dreimal bekam es ein jeweils schöneres Kleid in einer Nussschale geschenkt, bis es endlich die richtige Braut des Königssohnes wurde.

Im Unterschied zur Gewöhnlichen Hasel oder Waldhasel (Corylus avellana L.), die als Strauch wächst, hat die Baumhasel einen aufrechten Wuchs und bildet eine regelrechte Baumkrone aus mit größeren Blättern und einer graufarbenen korkartigen Borke.

Die männlichen Blüten bilden bis zu 12 cm lange Kätzchen aus, die zur Blütezeit hellgelb herabhängen. Aus den knospenförmigen weiblichen Blüten hängt die lange rote Narbe heraus. Die Früchte, die in langen tiefen Hüllen verborgen sind, sind in Büscheln zusammengefasst.

35. Gewöhnliche Rosskastanie (Aesculus hippocastanum L.Hippocastanaceae)

Gattung: Familie Rosskastanien-Gewächse
Vorkommen: Europa: Balkanhalbinsel, Kaukasus, N-Iran, Himalaya. Eingebürgert: Frankreich, Irland, Mitteleuropa, östl. Mitteleuropa


Obwohl die Rosskastanie bei uns auf Platzen und Straßen, als Schattenbaum in Biergärten überall zu sehen ist, stammt sie aus den Bergwäldern des Balkan und wurde erst nach 1600 zunächst nach Wien und dann schnell in ganz Europa eingeführt.
Sie bevorzugt einen lockeren, nährstoffreichen möglichst tiefgründigen Lehmboden. Sie kann Höhen bis zu 30 m erreichen und bildet alleinstehend eine ausladende kuppelförmige Krone aus.

Besonders dekorativ wirkt sie im Frühjahr, wenn die ganze Krone von zahlreichen aufrecht stehenden kerzenförmigen Blütenrispen überladen ist. Die Einzelblüten sind weiß und tragen auffällig gefärbte Muster, sogenannte Saftmale, im Innern der Blüte. Die 5 Blütenblätter sind kraus gewellt und bewimpert. Aus ihnen ragen die Staubblätter weit heraus.
Die Saftmale sind zunächst gelb gefärbt wenn die Blüten Nektar produzieren, um Bienen und Hummeln für die Bestäubung anzulocken. Nach der Bestäubung wird kein Nektar mehr gebildet und sie färben sich rot, wodurch sie von den rotblinden Bienen nicht mehr besucht werden.

Die Früchte sind als grüne stachelige Kapseln ausgebildet und tragen in ihrem weißwandigen Innern 2–3 glänzend braune Samen mit grau/braunem Nabel (= Kastanien).

Aus den dunkelbraunen Trieben entwickeln sich im Frühjahr aus sehr großen klebrigen Knospen die handförmig gefingerten Blätter. Die 5–7 ovalgeformte Teilblättchen mit spitz gezähnten Außenrand werden maximal 20 cm lang und 8 cm breit und verschmälern sich keilartig in den Blattgrund.

Aus Rind und Samen werden Naturheilmittel hergestellt (Stoffwechselerkrankungen, Bronchien, Venenleiden). Das Holz von Aesculus hippocastanum splittert leicht und ist von geringer Qualität, da es aber weich ist, wird es als Schnitzholz verwendet.

Exkurs: Informationen über die Kastanienminiermotte (Cameraria ohridella Deschka et Dimic)
Die Kastanienminiermotte gehört zur Kleinschmetterlingsfamilie der Miniermotten. Hauptverbreitungsgebiet der Schmetterlingsgattung Cameraria ist Nordamerika und Ostasien; nur diese eine Art tritt in Europa auf.
Sie wurde Anfang der achtziger Jahre in Mazedonien entdeckt und breitet sich seitdem zunehmend über Europa aus. In Berlin wurde die Art erstmals 1998 beobachtet, seither hat sie sich über das gesamte Stadtgebiet verbreitet, dies gilt auch für das Land Brandenburg.
Die Ausbreitung dieser Motte erfolgt hauptsächlich mit Luftströmungen, durch Verkehrsmittel und Transportgüter sowie mit dem Flug der Falter.

Als Hauptwirtspflanze gilt die Gewöhnliche oder Weißblühende Rosskastanie (Aesculus hippocastanum). Es werden Bäume jeder Altersklasse besiedelt. Besonders stark tritt die Mottenart in den temperaturbegünstigten Großstädten und anderen überdurchschnittlich warmen Standorten, sowie entlang der Straßen auf. Hier kann die Motte bis zum Hoch- und Spätsommer die gesamte Blattmasse der Kastanienbäume zerstören. Durch den damit verbundenen Chlorophyllverlust wird die Assimilationsleistung vermindert.
Die Folgen sind Neigung der Bäume zum erneuten Austrieb und zur Blüte im Herbst und damit mangelnde Ausreife des Holzes und erhöhte Frostanfälligkeit sowie verminderte Triebleistung im Folgejahr.

Gemeinsam mit anderen Belastungen kann ein Befall mit der Kastanienminiermotte zu anhaltenden Schäden, vor allem an alten Einzelbäumen und an Jungbäumen führen. Es können an der Rosskastanie sortenbedingte Befallsunterschiede festgestellt werden, die zumindest im Falle einer geringen Besiedlung bis zur Meidung einzelner Bäume oder Baumbestände reichen.

Nur die Gewöhnliche oder Weißblühende Rosskastanie, ihr sehr nahe verwandte Aesculus-Arten und ein Teil ihrer Hybriden (Kreuzungen) werden stark befallen.
Rotblühende Rosskastanien-Kreuzungen bzw. -Sorten (Aesculus-carnea-Hybriden) werden gar nicht oder nur deutlich schwächer geschädigt.

Eine Gefährdung der Rosskastanienbestände insgesamt allein durch die Kastanienminiermotte muss nach den bisherigen Erkenntnissen zwar nicht befürchtet werden, jedoch sind bereits 2001 in Wien erste Abgänge langjährig stark befallener Bäume festgestellt worden. Insofern ist nach starker und frühzeitiger Zerstörung des Laubes in Kombination mit anderen belastenden Faktoren das Absterben von Bäumen wahrscheinlich.
Bei starkem Befallsdruck werden die schwärmenden Motten in Wohngebieten vor allem im Spätsommer als lästig empfunden.

36. Gewöhnliche Hainbuche, Weißbuche (Carpinus betulus L. Betulaceae)

Gattung: Familie Birkengewächse
Vorkommen: Europa, Kaukasus, Türkei, Iran


Dieser Baum gehört trotz seines Namens nicht zu den Buchen, sondern zu den Birkengewächsen. Das Wort Flagbuche geht auf die Verwendung dieses sehr stockausschlagfähigen Baumes beim Einhegen, das heißt beim Einfrieden von Grundstücken, zurück.

Nach dem Niedergang der Staufer – 1268 Enthauptung des 16-jährigen Kaisers Konradin auf dem Blutgerüst in Neapel – konnten die Grafen von Württemberg ihr Herrschaftsgebiet bedeutend ausdehnen.
Zur militärischen Absicherung, aber auch wegen der erstrebten Zolleinnahmen, ließ Graf Ulrich V., der Vielgeliebte, 1456 ein »Landgeheg« im Norden seines Gebiets anlegen. Es führte in 31 km Länge vom Braunersberg nördlich von Gronau bis zu der von Graf Eberhard im Bart 1482 erbauten Heuchelberger Warte.
Von den fünf Zolldurchgängen, die fast 300 Jahre lang finanziell erfolgreich ihre Dienste taten, stehen heute noch der Landturm zwischen Neckarwestheim und Talheim sowie der Landturm bei Wüstenhausen. Dieses Landgehweg, bestehend aus einem Graben mit Wall und dicht bestockt vorwiegend mit Hagbüchen, ist in Teilabschnitten heute noch zu sehen, und wird auch als »schwäbischer Limes« bezeichnet.

Ein echter »Hagestolz« ist ein eingefleischter Junggeselle, der von der Ehe nichts wissen will; auch im Sinne von Einzelgänger, Weiberfeind, Sonderling. Das Wort hat ursprünglich aber weder etwas mit Stolz noch mit Ehegegnerschaft zu tun. Es stammt vielmehr – entstellt – vom althochdeutschen »Hagustalt«, dem armen Hagbesitzer.
In altgermanischer Zeit ging das Hauptgut auf den Erstgeborenen über. Die jüngeren Söhne mussten sich mit Nebengütern bzw. Hagen, das heißt, mit einem kleinen, durch eine Hecke abgegrenzten Grundstück, zufrieden geben, deren Ertrag ihnen keine Heirat erlaubte, zumal der Freier damals einen ansehnlichen Kaufpreis für die Braut zahlen musste. Der »Hagestolz« war also bei Licht besehen Junggeselle wider Willen.

Als eine »hanebüchene Grobheit« bezeichnet man eine unverschämte Flegelei und Rücksichtslosigkeit; eine derbe, unerhörte Rohheit.
Auch »hanebüchen« kommt von der Hainbuche, plattdeutsch Hanebuche. Das Holz dieses Baumes ist das härteste und festeste Holz, welches in deutschen Wäldern wächst. Erst an zweiter Stelle kommt das Holz unseres Speierlings. Das Weißbuchenholz wird deshalb auch »Eisenholz« und der Baum »Hornbaum« – engl. »horn-beam« – genannt.
Solange Eisen teuer und knapp war, fertigte man aus diesem harten Holz besonders stark beanspruchte Maschinen- und Fahrzeugteile wie Zahnräder für Wassermühlen, Achsen und Speichen, Hackstöcke für Metzger, aber auch Molkereigeräte, wie die weißgescheuerten Milchkübel und Butterfässer.
Heute noch werden die Gleitflächen der Hobel aus Weißbuchenholz gemacht und, schwarz eingefärbt, dient es sogar als Ebenholzersatz.
Ich habe mir vom alten Wagner Bäuerle in Neckarwestheim aus einem besonders starken Weißbuchenstamm ein großes Kuchen- bzw. Bratenbrett sowie Vesperbrettle machen lassen. Diese Gebrauchsbretter sind zwar schwer, aber zeigen wegen ihrer Härte kaum Messereinschnitte. Um allerdings ein schönes weißes Holz zu bekommen, ist es erforderlich, dass der Weißbuchenstamm alsbald nach der Winterfällung eingeschnitten und luftig gelagert wird, da das Holz zu diesem Zeitpunkt gegenüber Pilzen sehr anfällig ist und dann leicht einen grauen, etwas schmuddelig aussehenden Stich bekommt.

37. Feld-Ahorn (Acer campestre L. Aceraceae)

Gattung: Familie Ahorn-Gewächse
Vorkommen: Europa, Kaukasus, Türkei, N-Iran, Marokko


Der Feld-Ahorn ist ein einheimischer mittelgroßer Baum, der recht häufig vorkommt. Er ist kein typischer Waldbaum. In lichten Laubwäldern offenen Landschaften und an Waldrändern tritt er mit anderen Arten gemischt auf.
Er liebt Wärme im Sommer, erträgt Trockenheit und kalkreiche Böden.

Auch Viehverbiß schadet ihm nicht. Ziegen und Schafe schätzen nämlich die Blätter des Feld-Ahorns. Dies hat ihm einen Platz in den Feldhecken gesichert. Nach dem Rückschnitt zur Hecke bildet er Korkleisten an den Trieben aus. Zur Zeit des Austriebs sind die Blätter rötlich, an den zuletzt ausgebildeten Trieben rot und im Herbst gelb oder rot/braun.
Die Krone ist dicht geschlossen und bildet waagerechte Triebe aus, die sich am Ende nach oben wölben.

Gleichzeitig mit den Blättern erscheinen kleine gelb/grüne Blüten, die zunächst an aufrechten traubenartigen Dolden stehen und später herabhängen.
So hängen dann auch die als Nüsschen ausgebildeten Früchte mit wagerecht abstehenden Flügeln.

Das Holz des Feld-Ahorns ist fest, zäh und dauerhaft. Seine einstige Bedeutung als Werkholz ist dahin. Niemand braucht mehr Spazierstöcke, Pfeifenköpfe, Peitschen. Auch die Blätter, die man in früheren Zeiten wie Sauerkraut gestampft und vergoren hat, finden heute als Nahrungsangebot gewiss keine Abnehmer mehr.

38. Spitz-Ahorn (Acer platanoides L. Aceraceae)

Gattung: Familie Ahorn-Gewächse
Vorkommen: Europa ohne Britische Inseln, Kaukasus


Der Spitz-Ahorn ist ein Baum, der sich im Tiefland wohlfühlt. In Mitteleuropa ist er fast überall zu finden und reicht nach Osten bis zum Ural und zum Kaukasus.
Früher kam er seltener vor als heute, denn er ist ein typischer Stadtbaum, der sich an die harten Bedingungen in der Großstadt angepasst hat.
Das Durchwurzelungsvermögen des Spitz-Ahorns ist erstaunlich, filzartig durchziehen feinste Wurzeln seinen Standort. Daher ist er als Straßen- und Aleenbaum besonders geeignet und gehört in Berlins Stadtbild wohl zu der häufigsten Baumart.

Die Blüten mit ihren fünf Kelchblättern und fünf Blütenblättern erscheinen schon vor dem Laub im April und sind zart gelbgrün.
Die Blätter sind glatt und pergamentartig glänzend sowie schädlingsresistent; sie enthalten einen milchigen Saft, eines der Erkennungszeichen des Spitz-Ahorns.

Eine zweigeteilte Frucht mit zwei Nüsschen, die den Samen enthalten, sitzt an einem Stiel. Jede Teilfrucht bildet eine Flügel aus, mit dem sie vom Wind sich drehend über einen Kilometer weit fortgetragen werden kann. Als Kinder haben wir die Halbfrüchte an den Nüsschen aufgeschnitten und damit die Nase »verlängert«. Sie haben nämlich eine klebrige Masse, die das Flügelchen auf der Nase eine Zeitlang hält.
Das helle, gelbliche Holz hat eine schöne Maserung und wird daher unter anderem zu Furnier verarbeitet.

39. Schwarz-Erle (Alnus glutinosa (L.) Gaertn. Betulaceae)

Gattung: Familie Birkengewächse
Vorkommen: Europa, Kaukasus, W-Sibirien, Mittelasien, Türkei, N-Iran, NW-Afrika. Eingebürgert: Nordamerika


Die deutschen Namen leiten sich von der dunklen Rinde und vom Rotwerden des Holzes nach der Fällung ab.
Ähnlich wie die Hülsenfrüchtler beherrscht die Erle die Kunst, mit Hilfe von Mikro-Organismen in Knöllchen an ihren Wurzeln den Luftstickstoff zu binden und direkt zu verwerten.

Die Erle und auch die Hasel gehören zu den Windbestäubern. Der eiweißreiche Blütenstaub dient den Bienen im Frühjahr als erste Pollentracht. Beim Besuch der offenen männlichen Kätzchen wird ein Ausstäuben verursacht, und so die Befruchtung der weiblichen Blüten gefördert.

Die große Bedeutung des Erlenholzes in früheren Zeiten, vor allem in den Niederungen, wo sie ja bevorzugt wächst, wird dadurch deutlich, dass zum Beispiel halb Venedig auf Erlenpfählen gebaut ist – unter Wasser ist dieses Holz sehr dauerhaft.
Seit Holzschuhe aus der Mode gekommen sind, interessieren sich für das Erlenholz primär Gießereien zum Herstellen von Formen, zuweilen auch Betriebe, die Zigarrenkistchen fabrizieren. Ich selbst habe Krippenfiguren von dem leider schon verstorbenen Schnitzer Werner aus dem Altvatergebirge, der einst in Ochsenbach arbeitete. Er schnitzte mir die Hirten aus Erlenholz, das ich ihm brachte, wodurch die Köpfe einen etwas dunkleren und damit naturgegerbten Gesichtsausdruck erhielten.

Mit der im Frühling gesammelten Erlenrinde wurden einst gelbbraune und mit den im Juli/August gesammelten Blättern grünlich-gelbe Töne beim Färben erzielt.
Literaturfähig wurde die Erle auf Grund eines von Goethe übernommenen Übersetzungsfehlers, der Herder unterlief, als er das dänische »ellerkonge« (Elfenkönig) mit »Erlenkönig« wiedergab.
In einer ganzen Reihe von Orts- und Flurnamen steckt heute noch der Name dieses Baumes zum Beispiel Erlenbach, Erlangen usw.

40. Schwarz-Kiefer (Pinus nigra Arnold Pinaceae)

Gattung: Familie Kieferngewächse
Vorkommen: Europa: Iberische Halbinsel, Frankreich, Apenninenhalbinsel, Österreich, Balkanhalbinsel, Rumänien, Krim, Türkei, Zypern, Kaukasus, Marokko. Algerien. Eingebürgert: Britische Inseln, Skandinavien, östl. Mitteleuropa


Die Kiefern besitzen ein außergewöhnlich großes natürliches Verbreitungsgebiet, das vom Polarkreis bis zum Äquator reicht. Bei unserer Gemeinen Kiefer sitzen zwei etwas gedrehte Nadeln in einer hautigen Scheide – Kurztrieb. Es gibt aber auch Kiefernarten mit drei oder fünf Nadeln in einem Kurztrieb.

Die Rinde ist im oberen Stammteil, wo sie Spiegelrinde genannt wird, dünn und fuchsrot mit dünnen, abschilfernden Borkenschuppen. Im unteren Stammbereich bildet sich eine tiefrissige Borke mit hellgrauen Korkschichten aus. Diese dicke Borke haben wir früher zum Schnitzen von Schiffchen und anderlei Dingen benützt.

Als einzige nordeuropäische Kieler hat sie die Eiszeiten im Bereich der ungarischen Tiefebene überlebt. Man geht heute davon aus, dass die Kiefer rund ein Jahrtausend brauchte, bis sie etwa das Gebiet von Hamburg erreichte.
In höheren Breiten- und Höhenlagen hat sie ihre Krone verengt und wächst dort schlank pyramidenförmig. Man spricht bei uns in Südwest-Deutschland von einer sogenannten Schwarzwaldhöhenkiefer, die durch die jährlichen großen Schneelasten vom Nutzwert her positiv ausselektiert wurde.

Die phrygische – Volksstamm in der Mitte von Kleinasien – Naturgöttin Kybele, die große Mutter alles irdischen Lebens, verzauberte ihren ungetreuen Geliebten, den jungen Schäfer- und Vegetationsgott Attis, in eine Kiefer. Zeus versprach ihr zum Trost, dass dieser Baum immer grün sein werde.
Über Griechenland erreichte dieser Kult auch Württemberg. Im Stromberg haben wir davon noch ein Zeugnis aus der Zeit Herzog Eberhards III. (1628–1674), dem Stifter der heutigen Hofkammer des Hauses Württemberg.
Es handelt sich um die Steinplastik dieser Naturgöttin Kybele in der Mitte des nach ihr benannten, einst der Eisgewinnung dienenden Kibannele-Sees, Kybele-Sees beim Kirbachhof, Gemeinde Sachsenheim-Ochsenbach.

Die Gewinnung von Harz an lebenden Kiefernstämmen war einst weit verbreitet, während sich heute die Harznutzung mehr auf die südlichen und östlichen Länder beschränkt. Allein in Mitteldeutschland im Bereich der ehemaligen DDR werden immer noch etwa 12.000 to Harz pro Jahr gewonnen mit einem Wert von 5000 US Dollar je Tonne. Dabei erreicht ein Arbeiter eine Ernteleistung von 5–10 Tonnen pro Jahr.

Im näheren Bereich meines einstigen Forstamtes kenne ich nur einen, heute noch stehenden, früher geharzten Kiefernbestand. Es ist dies im Staatswald Zwerenberg, nördlich von Birkmannsweiler bei Winnenden. Aus diesem Bestand hat mir für die Landesgartenschau in Bietigheim-Bissingen in dankenswerter Weise Herr Kollege Heiland vom Staatlichen Forstamt Winnenden ein einstmals geharztes Erdstück zur Verfügung gestellt.
Die zu harzenden Stämme werden etwa 10 Jahre vor der Fällung der Altkiefern fischgräteartig verwundet. Man nennt diese nach unten verlaufenden Reißerwunden »Lachten«, aus denen dann ab Ende April das flüssige Harz austritt und etwas weiter unten in einem am Stamm befestigten Töpfchen aufgefangen wird. Eine derartige Harznutzung kann über einen Zeitraum von 5–10 Jahren ohne größere Schädigung des Baumes ausgeübt werden.

Fast alle Nadelbäume scheiden Harz in Harzgängen aus, die in Rinden und in jungem Holz auftreten. Dieses Harz, Terpentin genannt, findet sich aber vor allem in unserer heimischen Kiefer. Durch Wasserdampfdestillation gewinnt man aus dem Terpentin das Terpentinöl, das heißt, die im Harz enthaltenen ätherischen Öle, eine farblose bis gelbliche, leicht flüchtige Flüssigkeit, die als Grundlage für Kosmetika, Lacke, Firnisse und Anstreichmittel dient. Aber auch bei der Porzellanbemalung, etwa in der 1758 von Herzog Karl-Eugen gegründeten Manufaktur in Ludwigsburg, wird Terpentinöl als Malmittel zum Auftragen der Porzellanfarben verwendet. Dies geschieht mit feinen Pinseln aus Nackenhaaren einer russischen Eichhörnchenart.
Der Destillationsrückstand, die nicht flüchtigen Harzbestandteile, »Kolophonium« genannt, eine elastische Masse von brauner Farbe, wird ebenfalls zur Herstellung von Lacken, Kitt, Siegellack, als Zusatz zu Leimen und Papier, als Geigenharz und für andere technische Zwecke genutzt.

Fossile Harze sind Bernstein und einige Asphaltarten. Bernstein, aus der Tertiärzeit stammend, häufig mit pflanzlichen und tierischen Einschlüssen, wird vor allem an der samländischen Küste der Ostsee immer wieder freigespült.
Vereinzelt kann man Kiefern in jüngerem und mittlerem Alter finden, bei denen fast am gesamten Stamm Harz ausfließt in dicht übereinanderfolgenden querliegenden Bändern. Bei näherer Betrachtung stellt man fest, dass diese Querbänder aus einzelnen, eng nebeneinanderliegenden, in die Rinde und zum Teil bis ins Holz reichenden, kleinen Löchern bestehen, aus denen das Harz austritt.
Diese Querringel, zurückgehend auf kräftige Schnabeleinhiebe, machen die Spechte und vor allem der große Buntspecht. Da dies im zeitigen Frühjahr geschieht, nimmt man an, dass die Spechte sich auf diese Weise einen kleinen »Biergarten« anlegen, wo sie den austretenden Baumsaft trinken und gleichzeitig die durch den Saft angelockten oder bei der klebrigen Kiefer gar hängengebliebenen Insekten in ihre Speisekarte aufnehmen können. Dies erscheint logisch, da in dieser Jahreszeit an derartigen frischen Saftstellen häufig größere lnsektenansammlungen beobachtet werden können und weil außerdem die Beweglichkeit der Fliegen in den kühlen Morgenstunden eingeschränkt ist.

Eine erste literarische Angabe über Spechtringel findet man bei G. König, 1849, in seinem Buch »Waldpflege«. Ich habe derartige Spechtringel beobachtet, vor allem an Linde, dann aber auch an Aspe und der amerikanischen Roteiche. Besonders stark bearbeitete Bäume habe ich unter den Kiefern gefunden. Es handelt sich aber hier jeweils nur um Einzelexemplare, die anscheinend alle Jahre wieder aufgesucht werden.
Für die Landesgartenschau in Bietigheim-Bissingen hat mir in dankenswerter Weise mein Corpsbruder Sepp Erbacher vom staatlichen Forstamt Weil im Schönbuch, ein besonders schönes Exemplar einer Kiefer mit Spechtringel zur Verfügung gestellt.

Auch im hiesigen Staatswald Forst, zwischen der Ingersheimer Straße und der Krautschüssel, steht westlich der Ewigkeitsallee, die vom Lusthaus über die Krautschüssel auf das Ludwigsburger Schloss zuführt, eine Kiefer mit eindrucksvollen Spechtringeln.

41. Edelkastanie, Esskastanie, Marone (Castanea sativa Mill. Fagaceae)

Gattung: Familie Buchengewächse
Vorkommen: Europa: Apenninenhalbinsel, Österreich, östl. Mitteleuropa, Balkanhalbinsel; Türkei, Kaukasus, N-Iran, NW-Afrika. Eingebürgert: Britische Inseln, Skandinavien, Frankreich, Osteuropa


Die europäische Esskastanie, die die Römer in Germanien erstmals anbauten, ist nach der alten griechischen Stadt Kastania in Thessalien benannt. Auf die einer ganz anderen Familie angehörende Rosskastanie ist dieser Name nur deshalb übertragen worden, weil deren Früchte ähnlich sind, zumindest in ihrer Form und Größe sowie wegen der Stacheln ihrer Fruchtschalen.

In den Weinbaugebieten des Rheintales wurde einst die Esskastanie verstärkt angebaut wegen der (zum Beispiel in Südeuropa heute immer noch) florierenden Gewinnung von Weinbergpfählen und Stangen. Dazu sägte man im sogenannten Ausschlagwald die jungen Bäumchen alle10–15 Jahre unmittelbar über dem Boden ab, um sie dann gespalten oder ungespalten zu verwenden. Der Vorteil dieser Pfähle ist die große Dauerhaftigkeit des Holzes im Boden. Übrigens, die englischen Whisky-Fässer sind vielfach aus Kastanienholz gefertigt.

1906 wurde eine rindenkrebs-auslösende Pilzkrankheit aus dem fernen Osten nach Amerika eingeschleppt. Um 1940 gelangte dann leider diese Krankheit auch nach Europa, wo sie unsere schönen Edelkastanienbestände heimsuchte. Dank der ausgeprägten Fähigkeit der Esskastanie, vom Stock wieder auszuschlagen, bleibt sie am Leben. Diese Ausschlagwaldform nennt man Niederwald.

Die männlichen Blütenkätzchen der Edelkastanie sondern einen etwas unangenehmen Geruch ab, der auch dem Esskastanienhonig seinen eigentümlichen, aromatischen Geschmack verleiht.

Die Früchte der Esskastanie eignen sich nach dem Aufschneiden der Schalen (sonst »Explosionsgefahr«!) hervorragend zum Rösten und werden als Maronen zu Wein serviert. Bekannt ist aber auch das Füllen von zum Braten bestimmten Wild und Geflügel mit einem Brei aus Esskastanien. In manchen Mittelmeergegenden wird aus den Früchten auch Brot gebacken.

Das Sprichwort »Die Kastanien aus dem Feuer holen« bedeutet, sich für einen anderen in Gefahr begeben oder zumindest sich einer Unannehmlichkeit auszusetzen ohne selbst etwas davon zu haben. Die Wendung wurzelt in einer orientalischen Fabel, die durch Lafontaine bekannt geworden ist: Der Affe Betram bewegt die Katze Raton, geröstete Kastanien aus dem Feuer zu holen, die er dann aber sofort selber verzehrt.

Als Kastanien bezeichnet man aber auch, wohl ausgehend von der Form, beim Pferd Hornwarzen. An jeder Extremität befindet sich eine und zwar vorne über der Fußwurzel und hinten (viel kleiner) dicht unter dem Sprunggelenk. Die Kastanie ist hier ein rudimentärer Hornschuh für das Großzehenglied, welches jedoch ganz in der Haut hängt, da die dazu gehörigen Mittelfußknochen völlig fehlen.

42. Zerr-Eiche (Quercus cerris L. Fagaceae)

Gattung: Familie Buchengewächse
Vorkommen: Europa: Frankreich, Apenninenhalbinsel, Mitteleuropa, Balkanhalbinsel, Rumänien, Türkei, Syrien, Libanon. Eingebürgert: Britische Inseln


Die Zerr-Eiche ist ein raschwüchsiger Baum, der ursprünglich aus Südeuropa stammt, bei uns jedoch winterhart ist. Ein natürliches Vorkommen soll es angeblich am Kaiserstuhl gegeben haben, ansonsten ist sie nur selten als Park- oder Zierbaum anzutreffen.
Die Zerr-Eiche gedeiht nur in lockern, humus- und kalkhaltigen Böden und verlangt ein sehr mildes Klima.

Nach dem Laubfall im Winter kann man die Zerr-Eiche eindeutig an den Haarbüscheln erkennen, die die eiförmigen Knospen umgeben. Die männlichen und weiblichen Blütenstände befinden sich auf ein und demselben Baum. 2–4 weibliche Blüten sitzen auf einem ca. 1 cm langem Stiel, die männlichen Kätzchen hängen bis 8 cm Länge herab.

Die Früchte finden sich in den Blattachseln, reifen aber erst im zweiten Sommer zu ca. 1–2 cm großen Eicheln heran, deren Becher das untere Drittel der Frucht mit einem weichstacheligen Kranz umschließen.

Die Blätter von Quercus cerris sind schlank, wechselständig und länglich eiförmig maximal 14 cm lang und 6 cm breit. Auf beiden Seiten weisen sie zugespitzte ungleiche Lappen auf, die durch ebenso spitz zulaufende Buchten getrennt werden.
Die Blätter stehen an einem 1,5 cm langen Stiel, haben eine sattgrüne, rauhaarige Oberseite und eine weißlich behaarte Unterseite.

Für den Anbau innerhalb von Städten ist die Zerr-Eiche durchaus geeignet, da Städte meist Wärmeinseln sind und der Baum im Prinzip unempfindlich gegenüber Standortextremen und Luftverunreinigungen ist. Ihr Holz reißt und bricht leicht und ist daher nicht so wertvoll wie das der Stiel-Eiche. Sie ist auch nicht so langlebig wie die Stiel-Eiche oder die Trauben-Eiche und wird selten älter als wenige hundert Jahre (vgl. auch Text Nr. 31 Trauben-Eiche und Text Nr. 32 Stiel-Eiche).

43. Gewöhnliche Scheinakazie, Robinie (Robinia pseudoacacia L. Fabaceae)

Gattung: Familie Schmetterlingsblütler
Vorkommen: USA: Nordosten, nördl. Präriestaaten Ost, Südosten, Oklahoma. Eingebürgert: Europa


Die Gemeine Robinie war einer der ersten amerikanischen Bäume, die nach Europa gebracht wurden. Schon im 16. Jahrhundert zog sie Jean Robin, der Hofgärtner Heinrichs IV, in Paris. Er gab dem Baum den Gattungsnamen Robinia, während der Artname pseudoacacia auf ihre Ähnlichkeit mit den subtropischen Akazien – Mimosen – Afrikas und Australiens anspielt.
Diese Mimosen sind im allgemeinen Pflanzen, die ihre Blätter auf Berührungs-, Erschütterungs- oder Temperaturreize in Schlafstellung bringen. Man spricht daher auch von Zeitgenossen, die mimosenhaft empfindlich sind.

Wie begrenzt auch das ursprüngliche Areal der Robinie auch gewesen sein mag, heute ist sie in großen Teilen Nordamerikas und fast überall in Europa verwildert und forstlich angebaut. Sie wächst sehr schnell und erzeugt Holz, das in Festigkeit und Haltbarkeit mit Eichenholz konkurriert, ja, dieses sogar in vielen Dingen übertrifft: Bezogen auf Stieleichenholz gleich 100 beträgt z.B. ihre Druckfestigkeit parallel zur Faser 193%, die Härte 150% und die Biegungsfestigkeit 160%. Wegen dieser Eigenschaften werden aus dem Holz heute gerne Gartenpfosten, Leiternsprossen und Rebpfähle gemacht, von denen man behauptet, dass sie 50 Jahre lang halten.
Leider wächst die Robinie im allgemeinen sehr krumm, weshalb die Forstleute eine sogenannte »Schiffsmast-Robinie« heraus selektiert haben.

An den Wurzeln der Robinie befinden sich, wie bei fast allen Schmetterlingsblütlern, auffallende Knötchen, die mit stickstoffbildenden Bakterien zusammenhängen.

Wie die Walnuss bleibt die Akazie länger als 6 Monate kahl. Ihre Blätter erscheinen spät und fallen früh. Sie ist also ein idealer Schattenbaum, zum Beispiel über Wintergärten, weil sie sich erst dann belaubt, wenn es richtig heiß wird.

Zu den biologisch interessantesten Dingen dieses Baumes gehört die Schlafbewegung der Laubblätter. Schwankungen im Druck des Zellsaftes ermöglichen einerseits ein Herunterklappen der Blätter in der Nacht und andererseits ein Aufrichten am Tag, je nach Lichteinfall und -stärke.

Die Schmetterlingsblüten, angeordnet in einer weißen Traube, verbreiten einen stark-würzigen Duft. Wenn es nicht in die Blüten regnet, haben die Bienen die Möglichkeit, den etwas scharf schmeckenden hellen Akazienhonig zu sammeln.

Die gerbstoffreiche Rinde benützte man ähnlich wie die Eichenrinde zum Gerben und den gelben Farbstoff des Holzes zum Färben. Da die duftenden Blüten frei von dem sonst in der Robinie enthaltenen Gift (Toxalbumin) sind, können sie unbeschadet zum Würzen verwendet werden.
Ebenso wurde früher aus den entbitterten und entfetteten Samen Kraftfutter und sogar Mehl bereitet. Dieser vielseitigen Verwendbarkeit verdankt wohl die Robinie, im Gegensatz zu anderen ausländischen Baumarten, ihren frühzeitigen Anbau in Württemberg.

44. Bastard-Schwarz-Pappel (Populus x canadensis Moench Salicaceae)

Gattung: Familie Weidengewächse
Vorkommen: Gartenherkunft


Unter dem Namen Populus x canadensis = Kanadische Pappel wird eine Gruppe von Hybrid-Pappeln zusammengefasst, die vor ca. 200 Jahren in Frankreich entstanden ist. Es handelt sich um Kreuzungen zwischen der Europäischen Schwarz-Pappel (Populus nigra) mit der Amerikanischen Pappel (Populus deltoidea).

Diese Bäume bevorzugen feuchte und fruchtbare Böden und sind deshalb so sehr verbreitet, weil sie sehr viel schneller wachsen als andere Baumarten. Besonders in relativ holzarmen Ländern wie zum Beispiel Italien sind intensive Pappelkulturen (»poppiocoltura« in der Po-Ebene) entstanden.

Ihr leichtes, weiches und wenig druckfestes Holz wird heute oft zu Kisten und Schachteln und auch zu Spanplatten verarbeitet.
Den frühen Siegeszug für Populus x canadensis hatten allerdings die Streichhölzer zu verantworten, als diese noch mehr wert waren und sie aus ihrem Holz gefertigt wurden.

Die männlichen Blüten hängen in Blütenkätzchen herab mit kahlen bis behaarten Schuppen und die weiblichen haben 3–4 Narben.
Sie bilden Früchte als kleine Kapseln aus, aus denen Samen mit schneeweißen wollartigen Haarschöpfen springen.

Die Blätter sind lang zugespitzt, im Umriss fast dreieckig.
Die tief gefurchte Rinde ist grau bis schwarz. Die genaue Zuordnung ist wegen der vielen Kreuzungskombinationen sehr schwierig.

45. Gewöhnliche Fichte (Picea abies (L.) H. Karst. Pinaceae)

Gattung: Famile Kieferngewächse
Vorkommen: Europa ohne Britische Inseln, Iberische Halbinsel. Eingebürgert: Britische Inseln, N-Spanien (Pyrenäen)


Die Gewöhnliche Fichte ist in Europa sehr verbreitet und in einem Gebiet zu finden, das sich von Skandinavien nach Russland erstreckt sowie in den Gebirgsräumen Mittel- und Südeuropas.
In Deutschland macht die Fichte mit 40% den größten Teil der Nadelbäume aus. In Baden-Württemberg ist die Fichte mit ihrem 42% Waldflächenanteil der wichtigste Forstbaum.

Ihr Holz wird als Bauholz und für die Zellstoff- und Papierherstellung genutzt.
Da sie so ertragreich ist, wird sie auch dort forstlich genutzt, wo sie von den natürlichen Standortgegebenheiten nicht ihr Verbreitungsgebiet hat. Der flachwurzelnde Baum liebt feuchte Standorte und ist ansonsten sehr tolerant gegenüber eigentlich ungeeigneten Böden.
Besonders nach den Sturmsschäden der letzten Jahre wurden solche oft in Monokultur bepflanzten Standorte als ökologisch bedenklich eingestuft. Neubepflanzungen weisen daher heute eine sehr viel größere Artenvariabilität auf.

Die Gewöhnliche Fichte hat eine kegelförmige Krone.

Ihr Stamm zeigt eine braun-rötliche Rinde mit relativ feinen Schuppen.

Die dichtspiralförmig angeordneten Nadeln (ca. 1–2 cm lang) sind dunkelgrün, vierkantig und sehr spitz.

Die hängenden Zapfen sind hellbraun und fallen nach der Reife als Ganzes ab und nicht in einzelnen Schuppen, wie etwa bei der Weißtanne (Abies alba).

Um ihre Pollen möglichst weit zu verbreiten beschreiten die Fichten, wie auch die Kiefern einen besonderen Weg: Sie senken das spezifische Gewicht der Pollen durch Ausbildung von weit ausladenden dünnhäutigen Luftsäcken. Thermische Aufwinde können so die »Ballonpollen« in Höhen bis zu 2000 m hinauftragen, von wo sie mitunter Hunderte von Kilometern verweht werden.

46. Blumen-Esche, Manna-Esche (Fraxinus ornus L. Oleaceae)

Gattung: Familie Ölbaumgewächse
Vorkommen: Europa: Iberische Halbinsel, Apenninenhalbinsel, Balkanhalbinsel, Mitteleuropa, Rumänien; Türkei, Syrien. Eingebürgert: Frankreich.


Die Heimat des etwa 20 m hohen Baumes ist Südeuropa und Westasien.

Die cremeweißen, duftenden Blüten bieten Ende Mai, leider nur für wenige Tage, einen hübschen Anblick, daher auch der Name Blumen-Esche.

Manna war nach dem alten Testament die wunderbare Nahrung der lsraeliten bei ihrer Wüstenwanderung. Bei Johannes 6, 30-31 ist zu lesen: »Da sagten sie zu ihm: Was tust du nun für ein Zeichen, damit wir es sehen und dir glauben? Was wirkst du? Unsere Väter haben in der Wüste das Manna gegessen, wie geschrieben steht: Brot aus dem Himmel gab er ihnen zu essen«.
Das Wunder des Manna, eigentlich ein Vorbild der Eucharistie, ist kaum zu erklären. Alle Versuche, es dem Übernatürlichen zu entziehen und eine natürliche Erklärung dafür zu finden, waren vergeblich und verwiesen zurück auf den hebräischen Namen man, der »Was?« bedeutet oder auf man-ha: »Was ist das?«.

Fest steht, aus dem eingetrockneten Saft dieser Manna-Esche, den man durch Einschneiden der Rinde gewinnt, hat man die süßlich schmeckenden flachen Mannastücke hergestellt.

Das älteste Exemplar einer Blumenesche in Bietigheim dürfte im Vorgarten des ehemaligen Hofkammerforstamtes in der Moltkestraße 51 stehen. Ich habe diese Pflanze 1957 von einer geologisch-botanischen Exkursion aus Italien mitgebracht.

47. Hänge-Birke, Warzen-Birke (Betula pendula Roth Betulaceae)

Gattung: Familie Birkengewächse
Vorkommen: Europa, W-Sibirien, N-Irak, Kaukasus, N-Iran, Marokko


Die jungen Triebe dieser Birke sind mit kleinen, weißen Warzen besetzt, daher der Name Warzenbirke.
Die Birke war der germanischen Göttin Freyja geweiht, die Wohlstand und sinnliche Liebe verkörpert. Darauf dürfte wohl der Brauch zurückgehen, – was übrigens heute noch auf dem Land praktiziert wird – dass der Angebeteten in der Nacht zum 1. Mai ein grünes Birkenbäumchen, geschmückt mit bunten Bändern und verschiedenen Geschenken, auf das Dach zu stecken – Maibaumstecken. Zuweilen gab es aber auch negativen Schmuck in Form von getrockneten Saublasen und alten Nachttöpfen.

Am engsten verwandt sind die Birken mit den Erlen, beides an extreme Bodenverhältnisse angepasste Waldbäume.
Birken sind die winterhärtesten Laubgehölze und somit die einzigen, etwa auf Island und Grönland heimischen Bäume.

Die dreiteiligen Fruchtschuppen der Birken haben einen kleinen, gerundeten Mittellappen und große, fast rechtwinklig abgespreizte Seitenlappen. Diese Seitenlappen ermöglichen einen weiten Windtransport, wodurch sich die Birke rasch ausbreiten kann. Dies kam ihr besonders bei der Rückwanderung nach der Eiszeit zustatten.

In innerstädtischen Gebieten werden Birken zum Teil als lästig empfunden, da der leichte und kleine Birkensamen vom Wind in alle Hausritzen und Fenster hineingetragen wird. Vor einigen Jahren musste sogar die Stadt Bietigheim-Bissingen wegen anhaltender Klagen der Anwohner die Birken ausgerechnet in der Birkenstraße fällen.

Die äußerste Schicht der Birkenrinde erneuert sich ständig. Nur wenige Baumarten haben eine derartige Schälrinde, die sich in feinsten Streifen, die unglaublich zäh und widerstandsfähig sind, abnehmen lässt. In unseren Torfmooren hat man jahrhundertealte Stücke unversehrter Birkenrinde ausgegraben, und in Sibirien fand man sie sogar in ihrem ursprünglichen Zustand am fossilen Holz.
Für die Bewohner nördlicher Breiten ist diese Rinde unentbehrlich. Die Indianer brauchen sie für ihre Kanus, die Lappen machen Umhänge und Gamaschen daraus und die Norweger decken Dächer mit Birkenrinde und einer Schicht Erde.
Ich selbst habe noch von meinem Großvater eine Pulverflasche, die aus Birkenrinde in überaus feiner Weise gefertigt ist.

Durch Destillation gewinnt man aus der Birkenrinde Birkenteer und Birkenteeröl. Letzteres wird vor allem in Russland unter anderem zum Tränken des mit Weidenrinde gegerbten Leders verwendet und gibt dem »Russisch-Leder« bzw. »Juchten-Leder« seinen eigenartigen Modergeruch. Die Rinde diente einst aber auch zum Färben in Braun- und Grautönen.

Im Frühjahr, wenn der Saft in den Birken steigt, wurden in ihre Stämme Löcher gebohrt und Gänsefederkiele eingeführt. In daruntergehängten Gefäßen sammelte sich dann der abtropfende Birkensaft. Dieser Saft gibt ein erfrischendes und heilkräftiges Getränk. Er vergärt aber auch zu Birkenwein, Birkenmet genannt.
Wer seine Haare mit Birkensaft einrieb, sollte einen besonders schönen Kopfschmuck bekommen. Heute ist ja Birkenhaarwasser immer noch im Angebot unserer Drogerien. Birkenwasser solle auch eine rosige Gesichtsfarbe und reine Haut bewirken.

Das Holz war früher vor allem von Wagnern gesucht, wurde aber auch viel für Zwirnspulen verwendet. Heute verkaufen wir Forstleute das Holz als sogenanntes »Wohlstandsholz« an Leute, die sich einen Kamin geleistet haben. Birke brennt auch als nasses Holz, es raucht nicht unangenehm, und es springt kaum einmal Glut ab. Das Birkenreisig wird heute noch zu Besen verarbeitet.

48. Adriatische Flaum-Eiche, Flaum-Eiche (Quercus pubescens Willd. Fagaceae)

Gattung: Familie Buchengewächse
Vorkommen: Europa ohne Britische Inseln, Skandinavien; Türkei, Kaukasus


Die Flaum-Eiche gehört zu den sommergrünen Eichen und ist in Erscheinung und Wesen unserer Traubeneiche ähnlich.

Die Blätter sind tief eingekerbt bzw. geteilt und auf der Blattunterseite mit flaumig weichen Haaren versehen.

Die Eicheln sind kurz gestielt und sitzen einzeln oder in Gruppen von 2–4.

Am häufigsten ist die Flaum-Eiche, die in Baum- und Strauchform vorkommt, auf dem Balkan anzutreffen und bevorzugt die trockenen und kalkhaltigen Böden des mediterranen Raumes. Obwohl die forstwirtschaftliche Bedeutung gering ist, tritt sie stellenweise in Istrien, Norditalien und Südfrankreich noch in größeren Beständen auf und ist dort vergesellschaftet mit Eschenahorn, Hopfenbuche und Esskasstanie.

Im Périgord gibt es für die Flaum-Eiche auch die Bezeichnung »chêne truffier«, da in ihrem Wuchsbereich oft die Trüffel wächst, die auch heute noch mit extra dafür abgerichteten Schweinen gesammelt wird und hohe Preise erzielt.

49. Zweizeilige Sumpfzypresse (Taxodium distichum (L.) Rich. Taxodiaceae)

Gattung: Familie Sumpf-Zypressengewächse
Vorkommen: USA: Nordosten, nördl. Präriestaaten Ost, südl. Präriestaaten, Südosten, Florida


Die Sumpfzypresse ist dem Chinesischen Rotholz (Metasequoia glyptostroboides) sehr ähnlich. Sie lassen sich aber leicht an der Nadelordnung unterscheiden. Beide haben zweizeilig benadelte Kurztriebe, die im Herbst abfallen.
Beim Chinesischen Rotholz sind die Nadeln gegenständig, bei der Sumpfzypresse jedoch wechselständig angeordnet.
Die scheinbaren Fiedertriebe tragen keine Knospen und verfärben sich bei der Sumpfzypresse im Herbst braun.

In früheren geologischen Perioden–Kreidezeit vor ca. 130 Mill. Jahren und Tertiär – war die Sumpfzypresse genauso wie das zur selben Familie gehörende Chinesische Rotholz über ganz Europa, Asien und Nordamerika verbreitet.
Das ca. 40 Mill. Jahre zurückliegende große tertiäre Vorkommen der Sumpfzypresse in Deutschland ist besonders schön zu sehen in den Braunkohlegebieten der Niederlausitz. Dort kann man die aufrecht stehenden 1–2 m hohen Wurzelstöcke umgefallener Baumriesen klar erkennen, auch »Wurzelkniee« sind deutlich zu sehen.
Letztere sind eine Merkwürdigkeit, die bei wasserbespülten Bäumen den Stammfuß kreisförmig umgeben. Je weicher der Untergrund, desto höher und weitreichender sind diese Wurzelkniee.
Im Untergrund setzen sich die Kniee pfahlartig fort. Dadurch wird der Stamm in seinem äußeren Bereich abgestützt. Die Folge ist, dass beispielsweise die Tornados in Amerika wohl die Kiefern und Eichen in der Nähe, aber nicht die Sumpfzypressen im Sumpf umwerfen.
Auf festen Böden bildet die Sumpfzypresse derartige Kniee nicht. Es sind somit keine Atmungsorgane, die über die zeitweilig vorhandene Wasserfläche herausragen und auch keine Luftspeicher, wie vielfach angenommen wurde, sondern sie dienen lediglich der Stützung und Verankerung im sumpfigen Boden.
Dass es sich um keinen Sumpfbaum im wahrsten Sinne des Wortes handelt, beweisen auch die Erfolge, die mit dem Anbau der Sumpfzypresse in den deutschen Parks gemacht wurden. Ein gewisser Anschluss an das Wasser ist aber sicher von Vorteil.

In Deutschland wurde dieser interessante Baum durch hessische Offiziere eingeführt, die bei der Rückkehr aus den amerikanischen Befreiungskriegen Baumsamen mitbrachten. In Amerika gibt es Sumpfzypressen, die bis zu 1200 Jahre alt sind.

Das Sumpfzypressenholz ist das Schindelholz im südlichen Nordamerika, da es von einer hervorragenden Dauerhaftigkeit in feuchter Luft und in der Erde ist.

Der Zapfen dieses Baumes ist auf der Außenfläche harzlos. Er trägt aber im Innern, in den »Taschen«, um die Samen herum, ein rotflüssiges, stark duftendes Harz von unangenehmem Geschmack, das die Eichhörnchen und Vögel vom Verzehr der Samen abhält.

50. (wie 30.) Chinesisches Rotholz (Urwelt-Mammutbaum)

Siehe Nummer 30.

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