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BUND Regionalverband Stuttgart

Gelbkopfamazonen

Gelbkopfamazone sitzt auf einem Ast. Foto: Tomoko Arai

Auf Stuttgarts wilde Papageien – die Großen Gelbkopfamazonen – können wir wahrlich stolz sei. Außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebietes in Zentral- und Südamerika, ist Stuttgart der einzige Ort auf dieser Erde, wo sich eine stabile Population etabliert hat. In ihrer Ursprungsheimat sind die Amazonen inzwischen hochgradig gefährdet bzw. vom Aussterben bedroht. In freier Wildbahn gibt es nur noch ca. 3500 Exemplare – in Stuttgart schwankt der Bestand zwischen 50 und 60.

Inzwischen kommen viele vogelkundlich Interessierte und Ornithologen extra nach Stuttgart, um die exotischen Vögel zu beobachten. Besonders im Winterhalbjahr ist es ein einmaliges Schauspiel, wenn die Vögel auf ihre Schlafbäume rund um den Cannstatter Wilhelmsplatz einfliegen und dabei ein wahrhaft klangstarkes, polyphones Orchester veranstalten. Damit könnten sie es mit jedem Konzert bei den berühmten Donaueschinger Musiktagen für Neue Musik aufnehmen. Manche ungebildeten Zeitgenossen nennen so etwas Geschrei und Getöse, aber das ist töricht, denn Stuttgart ist gebildet – schließlich sind wir Kulturhauptstadt Nr. 1 in Deutschland.

Die Städtemarketing-Leute suchen immer sog. Alleinstellungsmerkmale für ihre Tourismuswerbung jenseits von den klassischen Sehenswürdigkeiten wie Schlösser, Museen und Plätze. Zum Beispiel München hat mit der Eisbachwelle die einzige Fluss-Surfgelegenheit mitten in einer Großstadt -weltweit. Und Stuttgart? Klar, Porsche- und Daimlermuseum gibt es auch nur hier – sind aber eben Museen wie viele andere. Aber die knapp 60 Gelbkopf-Amazonen mitten in einer Großstadt sind weltweit nun wirklich was Besonderes. Und im Gegensatz zu Autoblech sind sie lebendig und immer wieder für Überraschungen gut. Das Stuttgarter Rössle muss zwar nicht gleich durch eine Gelbkopfamzone im Wappen abgelöst werden – ich empfehle aber wärmstens, das einzigartige Vorkommen dieser Tiere stärker in das Stuttgarter Stadtmarketing einzubeziehen.

Interessant ist, dass die Amazonen ausgerechnet Bad Cannstatt als ihren Lebensmittelpunkt gewählt haben. Cannstatt gilt als einer der wärmsten Orte in ganz Deutschland, was auch die Wengerter, die Mauereidechsen und seit Neustem der Orpheusspötter, eine Kleinvogelart aus dem Mittelmeergebiet, sehr schätzen. Cannstatt ist auch der Stadtteil mit dem höchsten Anteil ausländischer Mitbürger. Aktuell sind es 31,5 %. In der Gesamtstadt sind es zum Vergleich knapp 25%. Dieses immigrationsfreundliche Umfeld war wohl auch ein Grund, warum sich die gefiederten Neubürger aus Übersee seit knapp 30 Jahre an den Gestaden des Neckarknies so wohlfühlen. Diese lange Verweildauer in der europäischen Fremde hat dazu geführt, dass die Gelkopfamazonen in der Vogelfachwelt inzwischen als „eingebürgert bzw. heimisch“ beurteilt werden. Der BUND meint: ein schönes Beispiel von gelungener Immigration in Stuttgart. 

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