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BUND Regionalverband Stuttgart

Nordostring

Kontraproduktiv und falsch

Das quer durch alle gesellschaftliche Gruppen und Parteien proklamierte Postulat mehr Menschen auf die Schiene, in Busse und Bahnen und auf das Rad zu bringen, wird mit der wieder aufflackernden Forderung nach dem Neubaustraßenprojekt „Nordostring“ massiv gefährdet. Mit einer Mehrheit von CDU, Freie Wähler, FDP und AFD, versucht die Regionalversammlung des Verbandes Region Stuttgart der Bundesregierung das ad-acta-gelegte Projekt „Nordostring“ auf die Liste der Straßenbauprojekte im Zuge des aktuell diskutierten Bundesverkehrswegeplans zu erzwingen. Der BUND hat bereits jahrelang das Projekt scharf kritisiert und wird dieses Projekt auch zukünftig ablehnen.

Der Nordostring ist ein geplantes Straßeninfrastrukturprojekt, das die B27 von Kornwestheim mit der B14 in Fellbach verbinden soll. Die autobahn-ähnliche Fernverkehrsstraße soll auf die letzten freien Felder in Norden Stuttgarts gebaut werden und wird dabei ein extrem wichtiges Naherholungsgebiet für zigtausende Menschen zerschneiden und verlärmen. Mit der Begründung Autos bereits vor der Stuttgarter Innenstadt umleiten zu können, wollen die Befürworter- insbesondere die Wirtschaftsverbände - das „totgerittene Pferd“ Nordostring wieder ins Spiel bringen, obwohl das Land Baden-Württemberg schon vor einigen Jahren das Projekt in die Mottenkiste gesteckt hat. Grund dafür war auch, dass, außer bei den Städten Remseck und Waiblingen, diese Straße auf große Ablehnung stößt, insbesondere bei der Landeshauptstadt Stuttgart, der Stadt Fellbach und Kornwestheim. Mit dem Nordostring würden sie eine weitere Fernverkehrsstraße über ihre Gemarkung bekommen, die mit 60.000 Autos pro Tag das Verkehrsaufkommen einer stark befahrenen Autobahn hätte. Zur Lösung der primär lokalen oder regionalen Verkehrsprobleme würde der Nordostring aber wenig bis nichts beitragen.

Ein breites Bündnis von Umweltorganisationen wie der BUND sehen den Nordostring als gescheitert an, weil die Eingriffe einfach zu groß und nicht kompensierbar sind. Besonders der Landwirtschaft gingen äußerst fruchtbare Äcker verloren. Eine immer mehr angestrebte verbrauchernahe Lebensmittelproduktion und –versorgung wird damit unmöglich. Auch hätte der Nordostring schlimme, nicht ausgleichbare Auswirkungen auf Tiere und Pflanzen, beispielsweise für die gefährdeten Vogelarten Steinkauz, Rebhuhn, Halsbandschnäpper und Feldlerche.

Der BUND ist überzeugt, dass eine neuerliche Wirtschaftlichkeitsbewertung durch das Bundesverkehrsministerium keinen neuen Sachstand bezüglich der fehlerhaften Planung Nordostring erbringen wird. Im extrem dicht besiedelten Raum Stuttgart sind Straßenneubauten in dieser Dimension mit einer völlig neuen, die Landschaft stark zerschneidenden Trasse, nicht mehr zu verantworten. 

Es ist deshalb ein Skandal, wenn Bundesverkehrsminister Dobrindt dieses unsinnige Straßenbauprojekt weiter prüfen lassen will, obwohl das Land Baden-Württemberg das Projekt gleich gar nicht für den Bundesverkehrswegplan angemeldet hat.

Als Alternative um die vor allem lokal und regional verursachten Verkehrsströme abzuwickeln schlägt der BUND eine neue Stadtbahnstrecke vor – entlang von bestehenden Straßen von Ludwigsburg über Remseck nach Waiblingen. 

Warum lehnen wir den Nordostring ab?

  • Erholung: Der Nord-Ost-Ring würde ein für die hier lebende Bevölkerung sehr wichtiges Naherholungsgebiet zerstören. Heute kann dieses von über 100.000 Menschen von zuhause aus bequem zu Fuß erreicht werden. Es ist die größte unzerschnittene Grünfläche im Großraum Stuttgart, heute noch eine Insel der Ruhe im ansonsten hochbelasteten Ballungsraum. Entsprechend gerne wird das Gebiet dann auch für die Naherholung genutzt. Die geplante Schnellstraße mit einem enorm hohen Verkehrsaufkommen (über 70.000 Fahrzeuge je Tag!), die das Gebiet in der Mitte durchschneidet, würde die Fläche großräumig verlärmen und mit Abgasen belasten, so dass keine ruhigen, für die Erholung geeigneten Bereiche mehr vorhanden wären.
  • Landwirtschaft:
    Beim Planungsgebiet handelt es sich um eine Fläche mit den besten Böden Baden-Württembergs. Die Felder sind schon seit vielen Jahrtausenden bewirtschaftet und haben bis heute nichts von ihrer Leistungsfähigkeit verloren. Die Äcker werden momentan sehr intensiv, zum Teil für Sonderkulturen (Erdbeeren, Gemüse, Blumen), genutzt, was eine ortsnahe und damit umweltfreundliche Versorgung des Ballungsraumes Stuttgart ermöglicht.
  • Naturschutz:
    Trotz der Nutzung für Naherholung und Landwirtschaft stellt die Fläche auch einen wertvollen Lebensraum für viele, auch vom Aussterben bedrohte, Tier- und Pflanzenarten dar. So kommen hier z. B. das Rebhuhn, der Steinkauz, der Halsbandschnäpper, die Schafstelze und die Feldlerche vor. Die geplante Trasse würde ihre Lebensräume vernichten und damit einen weiteren großen Beitrag zum Artensterben leisten.

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