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BUND Regionalverband Stuttgart

Nach Abbruch des S21-Planänderungsverfahrens auf den Fildern: BUND: „Die Gäubahn muss dauerhaft und ohne Unterbrechung zum Stuttgarter Hauptbahnhof fahren"

31. März 2020

Der Zeitplan beim Bau der S21-Flughafenabschnitte verschiebt sich. Ohne eine Interimslösung für die Gäubahn drohen den Fahrgästen inakzeptable Strapazen.

Stuttgart. Nach Ansicht des BUND zeichnen sich beim Projekt Stuttgart 21 weitere Zeitverzögerungen ab. Aufgrund der Corona-Pandemie hat das Regierungspräsidium Stuttgart das 2. Planänderungs­verfahren zum S21-Planfeststellungsverfahren 1.3b „Gäubahnführung" aktuell abgebrochen. Äußerungsfrist für das wichtige Verfahren wäre ursprünglich der 8. Mai 2020 gewesen – ein neuer Termin steht noch nicht fest. Mit dem Abbruch des Verfahrens werden sowohl der Bau der Rohrer Kurve, der Ausbau der Filderstrecke als auch das dritte Gleis unter dem Flughafen weiter erheblich verzögert.

„Damit ist absehbar, dass zwischen der geplanten Inbetriebnahme des S21-Tiefbahnhofs Ende 2025 und der Fertigstellung der neuen Gäubahnführung über die Fildern eine noch längere Zeitspanne liegen wird. Schon vor dem Abbruch des Planänderungsverfahrens rechneten die Projektträger aufgrund der S21-Verzögerungen am Flughafen mit mehreren Jahren Unterbrechung. Nach den bisherigen Erfahrungen über Anhörungs-, Genehmigungs- und Bauzeiten müssen wir davon ausgehen, dass nun zusätzlich ein bis zwei Jahre dazu kommen werden. Stand heute wird die Gäubahn damit mindestens fünf Jahre unterbrochen werden", prognostiziert Sylvia Pilarsky-Grosch, Landesgeschäftsführerin des BUND Baden-Württemberg. Die Gäubahnnutzer*innen werden während der Streckenunterbrechung in Stuttgart-Vaihingen oder am Nordbahnhof umsteigen müssen.

Entwicklung des Rosensteinquartiers und der Erhalt der Gäubahn schließen sich nicht aus

„Völlig inakzeptabel ist daher der Verzicht auf den teilweisen Erhalt von oberirdischen Gleisanlagen im heutigen Kopfbahnhof als Interimslösung bis zur Fertigstellung der Gäubahnführung über den Flughafen. Die Gäubahn muss dauerhaft und ohne Unterbrechung zum Stuttgarter Hauptbahnhof fahren", fordert Sylvia Pilarsky-Grosch. Der BUND und andere Umweltverbände hatten im Januar 2020 ein kostengünstiges Baukonzept für eine solche Interimslösung vorgeschlagen. Selbst Experten der DB-Projektgesellschaft hatten attestiert, dass das Konzept technisch problemlos umsetzbar sei. „Die Blockierer sitzen im Stuttgarter Rathaus und im Gemeinderat. Sie ignorieren beharrlich, dass die Entwicklung des Rosensteinquartiers und der Erhalt der Gäubahn kein Widerspruch sein müssen. Wir fordern Stadt, Land und die Bahn auf, sich endlich an einen Tisch zu setzen und fahrgastfreundliche beziehungsweise umsteigefreie Lösungen zu erarbeiten", so die BUND-Landesgeschäftsführerin.

Eine absehbar jahrelange Unterbrechung der Gäubahn ohne direkte Einführung in den Hauptbahnhof ist ein Desaster für den Schienenverkehr, nicht nur für die Region Stuttgart, sondern auch für die südlichen Landesteile bis zum Bodensee und die angrenzende Schweiz. Der neue Umsteigebahnhof Stuttgart-Vaihingen oder der Bau eines Haltepunktes am Nordbahnhof sind nichts anderes als ein „Trostpflästerchen" und ändern nichts Grundsätzliches an den fatalen Nachteilen für die täglich 8.000 Reisenden, welche die Gäubahn nutzen. „Auch wenn es von den städtischen Planern gerne behauptet wird: Die Erfordernisse des Städtebaus im Rosensteinquartier schließen eine oberirdische Interimslösung nicht aus. Zum einen muss das Planungsrecht für den Rückbau der Gleisflächen und des neuen Stadtteiles in einem noch viele Jahre dauernden Prozess erst noch geschaffen werden und dann wird das Rosensteinquartier auch nur schrittweise gebaut werden können. Zum anderen besteht dann auch die Möglichkeit, dass der Städtebau auch Rücksicht auf mögliche unterirdische Ausbauoptionen nehmen kann", erklärt Pilarsky-Grosch.

Kein Anreiz auf Bahn umzusteigen

Auch ändern der Vaihinger Umsteigebahnhof oder ein Haltepunkt am Nordbahnhof nichts am in der Zukunft fehlenden Störfallkonzept für die S-Bahn. „Auch die notwendige Verkehrswende in Stadt und Region Stuttgart zur Luftreinhaltung und zum Klimaschutz mit deutlich weniger Autoverkehr rückt bei einer langjährigen Unterbrechung der Gäubahn in weite Ferne. Mühsame Umsteigevorgänge in überfüllte S- oder Stadtbahnen, deutlich längere Fahrzeiten für Reisende, die am Hauptbahnhof umsteigen müssen, sind kein Anreiz, auf die Bahn umzusteigen. Sie sind vielmehr eine Einladung, vermehrt das Auto zu benutzen", so Pilarsky-Grosch.

>> Artikel von Klaus Arnoldi (Gäubahn-AG des BUND) zum Thema

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