BUND Regionalverband Stuttgart

Corona-Pandemie macht Bedeutung von Freiflächenschutz um Stuttgart deutlich

08. April 2020

Der BUND fordert: Neubauvorhaben auf der Grünen Wiese einstampfen


Stuttgart. „Nie waren sie so wertvoll wie heute", betont BUND Regionalgeschäftsführer Gerhard Pfeifer. Gemeint sind in diesen Corona-Zeiten die Freiflächen an Stuttgarts Stadträndern, also Wiesen, Felder und Gärten.

Schon vergangenes Wochenende zogen tausende von Bürgerinnen und Bürger in die siedlungsnahe Natur, um spazieren zu gehen, zu joggen, Hunde auszuführen oder Rad zu fahren. Das werden wir vermutlich auch an den Osterfeiertagen beobachten können.

Um dem Corona-Lagerkoller zu entfliehen, ist das Verhalten verständlich und in Ordnung, sofern die bekannten Abstandsregeln eingehalten werden.

In diesem Zusammenhang erinnert der BUND, dass auf vielen dieser wichtigen Freiflächen konkrete Bauplanungen und Bauforderungen lasten: zum Beispiel der Nordostring nördlich von Zazenhausen, das Wohngebiet  Schafhaus bei Mühlhausen, das Wohngebiet  Mittlere Wohlfahrt bei Hofen, ein neues Wohngebiet beim Feuerbacher Friedhof und der Ausbau der Nord-Süd-Straße bei Möhringen. Besonders verwegen sind die Forderungen einiger Gemeinderatsfraktionen und dem Verein Haus & Grund, bei der Ausweisung von Neubaugebieten zukünftig gleich richtig zu klotzen und zum Beispiel großflächig auf das Birkacher Feld oder die letzten Freiflächen zwischen Degerloch und Hoffeld zu gehen.

„Die genannten Flächen haben  ein Vielzahl von Funktionen, die bei einer Überbauung unwiederbringlich verloren gingen", erklärt Pfeifer. Dazu gehören zum Beispiel Produktionsorte für regionale (!) Lebensmittel, Lebensraum für Tiere und Pflanzen, Kaltluftbildung und Frischluftbahnen, Schadstoffpufferung und  -umwandlung durch die unversiegelten Böden, Wasserspeicherung bzw. Hochwasservermeidung, und – eben nicht nur in Corona-Zeiten wichtig – wohnortnahe, auf kurzem Wege erreichbare Naherholungsgebiete.

„Diesen wertvollen Freiflächenschatz in einem hochverdichten Ballungsraum müssen wir vor zukünftigen Überbauungen unbedingt schützen, die bisherigen Planungen müssen eingestampft werden  – dies ist eine der ersten Lehren aus der Corona-Krisenerfahrung", unterstreicht Pfeifer.

In diesem Zusammenhang lobt der BUND den Ende des Jahres aus dem Amt scheidenden Stuttgarter Oberbürgermeister Fritz Kuhn. „Trotz massivem Druck hat der OB dem Bauen auf der Grünen Wiese in seiner Amtszeit eine Absage erteilt und beim Wohnungsbau auf die konsequente und erfolgreiche Innentwicklung gesetzt. Der BUND wird die Nachfolgerin oder den Nachfolger daran messen", sagt Pfeifer.

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