BUND Regionalverband Stuttgart

BUND: Statt Bauen auf der Grünen Wiese Umnutzung von Büroleerstand!

14. Juli 2020

Zum Bericht „Neue Szenarien für den Wohnungsbau“, aus Stuttgarter Nachrichten vom 08.07.2020

Der BUND Regionalverband Stuttgart ist entsetzt über die mangelnde Bereitschaft der Stuttgarter Verwaltung die veränderten lokalen und globalen Entwicklungen anzuerkennen. Klimawandel und Corona scheinen in ihren Überlegungen zum Wohnungsbau wenig relevant. Treueschwüre zum sorgsamen Umgang mit der Ressource Boden geraten ins Abseits. Mehr noch: Einer Hydra gleich, tauchen ad acta gelegte Baugebiete wie z.B. der Viesenhäuser Hof oder das Birkacher Feld aus der Versenkung auf. Populistisch muss wieder das Totschlagargument „Wohnungsnot“ für fehlende Strategie herhalten. Dabei hat die Stadt Stuttgart alle Möglichkeiten sich über Umverteilung, Innenentwicklung, Flächenumwidmungen und Nachverdichtung in der Wohnungsversorgung frei zu schwimmen. Erinnert sei an dieser Stelle an das Nachhaltige Bauflächenmanagement Stuttgart (NBS) mit kurz-, mittel- und langfristigen Bauflächenreserven im Innenbereich von mehr als 500 ha.

Zusätzlich tut sich eine ergänzende Chance auf. Ganz aktuell schlummern Dank Homeoffice in untergenutzten Bürokomplexen weitere rund 20 % Potenziale für eine Umwidmung und Umnutzung zu Wohnzwecken. So zumindest die Einschätzung von Immobilienfachleuten. „Umgerechnet auf die ca. 7 Millionen Quadratmeter vorhandenen Büroflächen in Stuttgart entsteht so Platz für rund 28.000 Wohnungen à 50 m² - ein wohnungspolitischer Befreiungsschlag! Damit können die erneut bedrohten Freiflächen weiterhin der Produktion von regionalen Lebensmitteln, dem Klimaschutz, der Artenvielfalt, dem Luftaustausch und der Naherholung unverzichtbare Dienste leisten“, sagt BUND-Regionalgeschäftsführer Gerhard Pfeifer.

 „Freilich ist diese Transformation von Büro- zu Wohnflächen genehmigungs- und bautechnisch nicht ohne planerische Phantasie und Flexibilität zu haben. Insbesondere im Zusammenhang mit der IBA 2027 sollte dies ein besonderer Ansporn sein, zukunftsträchtige und modellhafte Lösungen zu entwickeln. Denkbar wären z.B. schnell umsetzbare Wohnzwischennutzungen für Studierende (Pop-up-Prinzip). Im Vergleich zum Bauen auf der grünen Wiese mit erfahrungsgemäß jahrzehntelangen Planungs- und Bauphasen sind dies jedoch relativ geringe Herausforderungen – z.B. entfällt der Neubau der öffentlichen Erschließungsinfrastruktur bei den vorhandenen Bürogebieten“, stellt Jürgen Merks, BUND Referent für Flächenschutz, fest.

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