BUND Regionalverband Stuttgart

11/2016: Gehölzpflege - offener Brief

01. November 2016 | Kreisverband Ludwigsburg

BUND Kreisverband LB, November 2016    

An die Bürgermeister und Gemeinderäte
der Städte und Gemeinden im Landkreis Ludwigsburg

nachrichtlich:
Landratsamt Ludwigsburg
Straßenbauverwaltung Kreis Ludwigsburg
Wasser- Schifffahrtsamt Stuttgart
Regierungspräsidium Stuttgart
Region Stuttgart 

Naturverträgliche Pflege öffentlicher Grünflächen - Offener Brief

Sehr geehrte (Frau/Herr Oberbürgermeisterin, Frau/Herr Bürgermeisterin), sehr geehrte Damen und Herren Stadt- und Gemeinderäte,

der BUND stellt seit etwa 10 Jahren nicht nur im Kreis Ludwigsburg, sondern im ganzen Bundesgebiet fest, dass die Flächen verwaltenden Ämter aus verschiedenen Gründen teilweise massiv in Gehölzbestände eingreifen und das Prinzip der Nachhaltigkeit verlassen. Ehemals gute bis hohe Standards zur naturverträglichen Pflege und Unterhaltung öffentlicher Grünflächen werden zurückgeschraubt bzw. aufgegeben. Der Umgang mit Bäumen, Gehölz- und Grünflächen orientiert sich offenbar häufig an den Zielen Einsparung, Verkehrssicherung und einer „Kehrwochenmentalität“. Aspekte des Natur- und Umweltschutzes spielen immer weniger eine Rolle. Dies trägt auch zum weiterhin massiven Aussterben von Tier- und Pflanzenarten bei.

Mit diesem Rundschreiben möchten wir Sie bitten, mitzuwirken, dass das Thema Na-turschutz bei der Grünpflege wieder mehr Bedeutung erlangt. Sofern Sie bereits einen hohen Umweltstandard bei der Pflege und Unterhaltung Ihrer öffentlichen Flächen erreicht haben, möchten wir Sie darin bestärken, diesen nach Möglichkeit noch zu optimieren und auf keinen Fall zu verschlechtern. Optimal an den Zielen des Natur- und Umweltschutzes ausgerichtete Pflegekonzepte verdienen es, auch etwa über Ihre Dachorganisationen (z. B. GALK, DStGB etc.) bekannt gemacht und zur Nachahmung empfohlen zu werden.

Einige grundsätzlich wichtige Ziele und Empfehlungen, die bei einer naturverträglichen Pflege öffentlicher Grünflächen zu beachten sind, haben wir hier für Sie zusammengestellt. Wir würden es sehr begrüßen, wenn Sie diese aufgreifen und umsetzen könnten.

  1. Bei der Pflege von Bäumen und Gehölzen sollen die Erhaltung des Bestandes und die Nachhaltigkeit im Vordergrund stehen. Maßnahmen zur Sicherung des Baumbestandes und dessen lebenserhaltender Pflege sind zu priorisieren. Pflegeeingriffe sind auf ein Mindestmaß zu beschränken und zeitlich so zu strecken, dass keine Schäden für den Naturhaushalt entstehen.
  2. Das Prinzip der Nachhaltigkeit ist bei der Grünpflege einzuhalten. Der Holzvorrat soll erhöht und nicht vermindert werden. Es soll jährlich nur so viel Holz entnommen werden, wie im gleichen Zeitraum nachwächst. Dasselbe soll für kommunale Waldflächen gelten. Die gesetzlichen Vorgaben zum Schutz der Natur sind zu beachten.
  3. Ökologisch besonders wertvolle Grünflächen wie besonders geschützte Biotope, Natur- und Landschaftsschutzgebiete, Wälder, Mauerweinberge, Wiesen und Streuobstwiesen etc. werden fachgerecht nach Gesichtspunkten des Naturschutzes und der Landschaftspflege gepflegt und unterhalten.
  4. Die organisatorischen Grundlagen dafür sind durch Biotopkartierung mit Pflegeanleitung zu schaffen, ein kommunales Konzept zur naturverträglichen Pflege öffentlicher Grünflächen zu erstellen und durch den Gemeinderat zu verabschieden.
  5. Sofern Einsparungen im Bereich der Grünflächen angedacht werden, sollen diese nicht auf Kosten der ökologischen Pflege und von Naturschutzflächen erfolgen. Vielmehr sollte überlegt werden, ob beim Intensivgrün und bei Zier- und Schmuckpflanzungen gespart werden kann.
  6. Verwaltung und Gemeinderat stellen sicher, dass für die naturverträgliche Pflege öffentlicher Grünflächen ausreichend Personal und Mittel bereit stehen. Die Erfahrung hat gezeigt, dass eine ökologisch orientierte Grünpflege mit eigenen Pflegekräften effizienter funktioniert als über Vergabe.
  7. Die Städte und Gemeinden kooperieren mit dem Landschaftserhaltungsverband. Diesem Schreiben hängt eine Handreichung zur natur- und umweltverträglichen Grünpflege an. Wir bitten Sie, dieses Schreiben mit o.g. Handreichung an die zuständigen Stellen in Ihrer Verwaltung sowie an die Mitglieder des Gemeinderates weiter zu leiten. Um die Verteilung zu erleichtern, geht Ihnen beides auch per E-Mail zu.

Für Ihre Unterstützung danken wir im Voraus herzlich.

Mit freundlichen Grüßen Stefan Flaig, Vorsitzender BUND Kreisverband Ludwigsburg

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