BUND Regionalverband Stuttgart

07/2016: Biomüllvergärung in Bietigheim

31. Juli 2016 | Kreisverband Ludwigsburg

Ludwigsburg/Bietigheim. „Zu groß und zu viel Plastikmüll!“ 
Störstoffanteil im Biomüll ist für den Kreisverband des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) derzeit viel zu groß, als dass der Kompost oder die Gärreste aus der Biomüllvergärung auf dem Acker landen dürften, meint der Umweltverband in einer Pressemitteilung anlässlich des Bürgerentscheids. Außerdem sei sowohl die Standortsuche als auch die Dimension der geplanten Anlage in Bietigheim zu kritisieren.
 
Ein Gespräch mit dem Betreiberkonsortium habe dem über 5000 Mitglieder starken BUND-Kreisverband verdeutlicht, dass er seine Kritik an der geplanten Biomüllvergärungsanlage vorwiegend an den Landkreis richten müsse. Es liege nämlich in dessen Verantwortung, den im Kreis Ludwigsburg gesammelten Biomüll von Störstoffen zu befreien. „Dazu kann und muss der Landkreis weit mehr in die Bewusstseinsbildung, aber auch in die Kontrolle bei der Abholung investieren“, ist der Kreisvorsitzende Stefan Flaig überzeugt. Dies habe der Landkreis über Jahre vernachlässigt. 
Das Betreiberkonsortium gibt an, dass die Anlage bei 48.000 Tonnen Biomüll jährlich rund 15.000 Tonnen Gärreste produziert, die auf ca. 900 Hektar Äckern im Kreis verteilt werden sollen. Selbst wenn man den vom Konsortium geplanten Grenzwert für Kunststofffolien von 0,05 Gewichtsprozent zugrunde lege, wären das laut einer Mail des Konsortiums an den BUND rund fünf Kilogramm Plastikreste pro Jahr und Hektar, die sich in zehn Jahren auf 50 Kilogramm anhäufen würden (siehe Foto). Der BUND rechne sogar noch mit mehr. „Das ist nicht akzeptabel“, betont Flaig. „Die Grenzwerte taugen nichts. Die Gärreste dürfen nicht ausgebracht, sondern müssen wie der Klärschlamm verbrannt werden, solange sie nicht viel sauberer sind.“ Das Gleiche gelte laut BUND natürlich auch für den bisher vom Landkreis produzierten Biomüll-Kompost: „Die Störstoffe müssen unbedingt vorher raus!“
Wenn man aber nur noch den (fast) störstofffreien Biomüll einsammle, würden für die Anlage nicht einmal mehr die 25.000 bis 30.000 Tonnen Biomüll und Grünschnitt wie bisher aus dem Landkreis zur Verfügung stehen, sondern vielleicht noch 15.000 bis 20.000 Tonnen. „Schon die bisher vorgesehene Anlage ist für den Kreis zu groß geplant. Sie muss deshalb mindestens 18.000 Tonnen Biomüll aus anderen Landkreisen wie Karlsruhe anliefern lassen, um sie auszulasten“, argumentiert Flaig. Bei weniger Störstoffen und damit weniger Biomüll wäre die Anlage erst recht überdimensioniert. 
Die Größe von 48.000 Tonnen Jahreskapazität sei aber laut Auskunft des Konsortiums vom Landkreis in einer Ausschreibung vorgegeben worden. Außerdem sei die geplante Anlage nach Ansicht des BUND eine Industrieanlage, die eigentlich in ein Industriegebiet gehöre. Der Landkreis müsse daher sowohl die Größe als auch die Standortsuche nach sozial- und umweltverträglichen Gesichtspunkten neu ausschreiben. Und das Ganze möglichst schnell, damit die bisherige Exportpraxis des Ludwigsburger Komposts baldmöglichst beendet werde.
Der BUND-Kreisverband unterstützt die Energiewende seit Jahrzehnten in Wort und Tat. Deshalb sei die Vergärung des Biomülls grundsätzlich zu begrüßen, weil man aus dem Bioabfall Energie gewinne und die organischen Reste wieder dem Naturkreislauf zuführe. Das müsse aber richtig gemacht werden und nicht durch dauerhafte Vermüllung unserer Äcker oder durch Spritverbrauch beim Transport aus anderen Regionen ad absurdum geführt werden. „Wenn Sie ein E-Mobil kaufen, dann erwarten Sie doch auch, dass Sie keinen Sprit mehr tanken müssen und dass auch keine Rußwolke aus dem Auspuff kommt!“ vergleicht Flaig die geplante Vergärungsanlage.
„Zu groß, zu viel Plastikmüll und am falschen Standort“, lautet in Kurzform die Beurteilung des BUND-Kreisverbands zur geplanten Biomüllvergärung in Bietigheim. Vor allem der Landkreis müsse hier nachbessern, wobei der BUND gerne seine Unterstützung anbiete. 
Das Foto zeigt den Plastikanteil in Höhe von 250 Gramm, der laut Grenzwert in einer Schubkarre mit 50 kg Kompost oder Gärrest enthalten sein darf. Das 20fache davon würde jedes Jahr auf einem Hektar Acker landen. (Foto: BUND). 

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