17. September 2015

Stuttgart 21 frisst noch mehr wertvolle Filderböden

Die Bahn hat beim Eisenbahnbundesamt eine weitere Planänderung für das Großprojekt Stuttgart 21 beantragt. Konkret geht es um die 5. Planänderung zum Planfeststellungsabschnitt 1.2 - Erweiterung der Baueinrichtungsfläche am Portal des Fildertunnels auf Plieninger Gemarkung. Die Frist für Einwendungen endet heute. Der BUND hat beim Eisenbahnbundesamt eine kritische Stellungnahme abgebeben – siehe Anhang.


„Die geplante Erhöhung der Baustelleneinrichtungsfläche von bisher 34.000 auf 62.725 Quadratmeter entspricht fast einer Verdoppelung und ist ein Skandal. Damit frisst Stuttgart 21 noch mehr wertvollste und immer rarer werdende Filderböden“, sagt Gerhard Pfeifer, BUND-Regionalgeschäftsführer.


Die fruchtbaren Filderlösslehmböden sind besonders erhaltens- und schützenswert. Durch viele Bauvorhaben – z.B. Landesmesse, Flughafen, Gewerbegebiete, Ausbau der A8, B27 und zahlreicher anderer Straßen - haben diese jedoch massive Verluste erlitten. Bei der aktuell beantragten Erweiterung der Baueinrichtungsfläche hat die Bahn es versäumt die Summationswirkung des bisherigen und bereits planfestgestellten Bodenverlustes auf den Fildern in der Umweltprüfung miteinzubeziehen und zu bewerten.


Bei der Beantragung der Bahn zur 2. Planänderung des Planfeststellungsabschnittes 1.2 im Jahre 2012 war bekannt, dass eine Tunnelbohrmaschine zum Einsatz kommt. Dabei fallen große Menge Aushub an, es werden viele Baumaterialien benötigt, für die Arbeiter benötigt man Aufenthalts- und Sanitärräume, etc., etc.. Dafür braucht man logischerweise Fläche – es scheint als bräuchte die DB eine Grundvorlesung in Baustelleinrichtung. Wie man sich bei der Bauflächenplanung derart verkalkulieren kann, zeugt nicht von Sachverstand. Pfeifer dazu „ Wir sehen darin eine Salami-Taktik der Bahn, die erheblichen S21-Eingriffe, im zunehmend unter die Räder kommenden Landschaftsraum Fildern, vor der Öffentlichkeit zu vertuschen.“


Der BUND kritisiert bei den Unterlagen zur 5. Planänderung eine fehlerhafte Bewertung des Schutzgutes Boden und auch die Nichtbeachtung landwirtschaftlicher Belange. Auch wenn ein Teil der Flächen nach Beendigung der Baustelle wieder renaturiert werden soll, ist die Wiederherstellung der Wertigkeit der natürlich gewachsenen Böden nicht mehr möglich. Versiegelungen, Verdichtungen und Bodenumlagerungen während der Bauzeit zerstören unwiederbringlich die ursprünglichen hochwertigen Bodenfunktionen.


Bezeichnend ist auch, dass die wesentlichste Ausgleichsmaßnahme für den Bodeneingriff nicht auf den Fildern, sondern bei Donzdorf im Kreis Göppingen durchgeführt werden soll. Aufgrund des Flächendruckes auf den Fildern sind Ausgleichsmaßnahmen Vorort faktisch nicht mehr möglich. In diesem Zusammenhang verwundert es nicht, dass auf der beantragten Baustellen-Erweiterungsfläche sich mehrere geplante Ausgleichsflächen für andere Stuttgart 21 Eingriffe befinden.

Pfeifer abschließend: „Die Konsequenz aus dieser Farce ist schlicht und einfach keine Eingriffe mehr zu zulassen und die Bahn muss sich auf die bisher genehmigten Flächen beschränken, denn beim Flächenverbrauch auf den Fildern steht der Uhrzeiger schon weit nach zwölf.“

Zur Stellungnahme des BUND

 

Für Rückfragen:

Gerhard Pfeifer, 0711/61970-40




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