21. Dezember 2015

BUND und NABU auch für Straßensperrung im Naturschutzgebiet Greutterwald

Stadt muss Firma Porsche die Stirn zeigen

 

Heute überreichen Bürger im Stuttgarter Rathaus rund 1.000 Unterschriften an Baubürgermeister Peter Pätzold mit der Forderung den sog. Vicinalweg 3 durch das Naturschutzgebiet Greutterwald zwischen Zuffenhausen und Weilimdorf für den Autoverkehr zu sperren. Die Straße wird von Beschäftigten der Firma Porsche in Zuffenhausen genutzt. Diese noch legale Abkürzung durch ein nationales und europäisches Naturschutzgebiet (FFH) bringt für die meisten Autofahrer nur eine marginale Zeitersparnis – alternative Verkehrserschließungen außerhalb des Schutzgebietes sind jedoch vorhanden.


Der BUND Kreis- und Regionalverband Stuttgart sowie die NABU Gruppe Stuttgart unterstützen und bekräftigen das Anliegen der engagierten Bürger die Straße endlich zu sperren. „Die PKW-Fahrrechte im Naturschutzgebiet wirken wie ein völlig antiquiertes Privileg aus dem automobilen Hoch-Zeitalter der sechziger  Jahre“, merkt Gerhard Pfeifer, Geschäftsführer und Biologe beim BUND an.



Der motorisierte Pendlerverkehr auf dem Vicinalweg in den Morgen- und frühen Abendstunden stellt für Amphibien und Reptilien eine massive Gefährdung dar. An Arten betroffen sind u.a. Grasfrosch, Erdkröte, Bergmolch, Feuersalamander, Ringelnatter, Waldeidechse, Blindschleiche – nach Bundesnaturschutzgesetz alles besonders geschützte Arten.



Diese Arten haben es in und um Stuttgart besonders schwer, weil die Verluste durch ein extrem engmaschiges Weg- und Straßennetz erheblich sind. Zudem schrumpften ihre Lebensräume durch starke Bautätigkeiten für Wohn- und Gewerbegebiete in den letzten Jahrzehnten stark. Die Populationen dieser Arten sind deshalb meist klein und nicht sehr stabil und schon Verluste von wenigen Individuen können zum Zusammenbruch dieser lokalen Populationen führen. „Eine überfahrene Erdkröte im Stuttgarter Greutterwald hat deshalb artenschutzmäßig eine andere Relevanz als im noch relativ naturnahen Oberschwaben“, erläutert Pfeifer.



Im Naturschutzgebiet Greutterwald kommt neben verschiedenen geschützten Spechtarten und dem gefährdeten Steinkauz auch der ebenfalls bedrohte Pirol vor. Im Stadtgebiet Stuttgart ist der Greutterwald das letzte sichere Vorkommen dieser Art. „Der Vicinalweg zerschneidet den Lebensraum dieser Arten, der Verkehr stellt eine Beeinträchtigung der Brutgebiete dar, die im Extremfall zur Aufgabe der Reviere führen können. Der Lärm der Autos, die mitten durch das Schutzgebiet fahren dürfen, verleidet auch den Naturerlebnissuchenden das Hören des berühmten Gesanges des Pirols“, sagt Ulrich Tammler, 1. stellvertretende Vorsitzende des NABU Stuttgart.



BUND und NABU fordern die Stadt auf, umgehend aus öffentlichen Naturschutzgründen den Vicinalweg 3 zu sperren und zwar bevor noch die starken Amphibienwanderungen kommendes Frühjahr beginnen. Eine eventuell drohende gerichtliche Auseinandersetzung mit der Firma Porsche kann kein Hinderungsgrund sein, denn in den letzten Jahre hat die Rechtsprechung die Belange des Arten- und Naturschutzes erheblich gestärkt.

Rückfragen an:
Gerhard Pfeifer (BUND) 0711/61970-40
Ulrich Tammler (NABU) 0170/522 44 23

zum Beitrag des SWR...




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